Die neue Frau Mackowitz sagt „Guten Tag“

Dellwig..  Sie weiß genau Bescheid über Klatsch und Tratsch im Stadtteil, ist immer stilecht gekleidet wie vor 100 Jahren und steht als Symbolfigur des Bürger- und Verkehrsvereins Essen-Dellwig/Gerschede für eben diese Stadtteile: die Frau Mackowitz. Am Sonntag, 26. April, wird im Rahmen der „Happy Days“ auf dem Festplatz an der Donnerstraße mit der Dellwigerin Ingrid Ohde die mittlerweile 6. Inkarnation der Dame mit dem altmodischen Hut ihren Dienst antreten.

„Das Ganze ging los im Jahr 2000. Wir haben für den Bürger- und Verkehrsverein eine Person gesucht, die unsere beiden Stadtteile repräsentieren kann“, berichtet Klaus-Dieter Pfahl, Vorsitzender des Bürger- und Verkehrsvereins. Den Bergbau sollte sie präsentieren, ein Stück Stadtteilgeschichte darstellen und die Verantwortlichen des Vereins bei allerlei festlichen Gelegenheiten begleiten. Doch woher nehmen?

Klaus-Dieter Pfahl berichtet: „Wir sind dann auf die Frau Mackowitz gekommen. Sie hat vor rund 100 Jahren in Dellwig gelebt und war eine echte Institution“, so der Vereinsvorsitzende: „Sie war die Quatschtante, wusste wer fremdging, wer schwanger war und so weiter“, erzählt Pfahl. Trotz allem, so könnte man anführen, war und ist die Frau Mackowitz beliebt in Dellwig, die perfekte Vertreterin des Stadtteils. Und da man die gute Frau auch jetzt sofort an ihrem Outfit erkennen sollte, wandeln die Generationen der Frau Mackowitze fortan im historischen Gewand umher.

Dass sich die Frau Mackowitz selbst einkleidet, hat sich als Tradition ziemlich schnell herausgebildet. Ob nun alle Gewänder der verschiedenen Inkarnationen der Frau Mackowitz in den vergangenen 15 Jahren nun exakt der Mode der betroffenen Epoche entsprachen, war für den Bürger- und Verkehrsverein nicht ausschlaggebend, für die Dellwiger und Gerscheder schon gar nicht. Viel Liebe zum Detail steckte zumeist dennoch in den neu geschneiderten oder an anderer Stelle „ausgegrabenen“ Kleidern.

Das war und ist auch bei der aktuellen Frau Mackowitz, der Dellwigerin Aloysia Kalveram, der Fall. Sie hat nach ihrem „Berufsdress“ schon ordentlich suchen müssen. „Mein historisches Kleid habe ich aus einem Kloster“, berichtet sie. Seit fünf Jahren zieht die mittlerweile 70-Jährige ihr „langes Schwarzes“ mit weißen Spitzen an, vergisst auch nicht die „langen Unterhosen“ aus Großmutters Zeit, und schlüpft in ihre Holzklotschen. „Davon habe ich zwei. Ein Paar ist zu groß, so dass ich an kalten Tagen drei paar Socken tragen konnte“, erläutert sie.

Eine Menge Freude hatte sie in den vergangenen Jahren an ihrem Ehrenamt. Jubiläen, Geburtstage oder Feiern waren ihr Einsatzgebiet. Aufgetreten ist sie stets zusammen mit den Vereinsverantwortlichen des Vereins, die Frau Mackowitz ist keine private Rolle. Die enge Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Bürger- und Verkehrsvereins, die Frau Mackowitz nimmt regelmäßig an Vorstandssitzungen teil, hat ihr gut gefallen. Doch nach fünf Jahren ist es für die fünfte Frau Mackowitz nun auch genug.

Mit der 61 Jahren alten Gerschederin Ingrid Ohde findet sie eine würdige Nachfolgerin. Die gelernte Fachverkäuferin ist vor Ort bekannt, hat für die SPD jahrelang in der Bezirksvertretung (BV) IV gesessen. „Mir gefällt diese Tradition sehr gut und ich möchte sie gerne weiterführen“, sagt die zukünftige Repräsentantin von Dellwig und Gerschede. Nach langer Suche und verschiedenen Stöbertouren auf Flohmärkten hat sie zwar bislang noch nicht ein passendes Kleid gefunden, doch das kommt ganz sicher noch. Klaus-Dieter Pfahl: „Wir sind Aloysia Kalveram und Ingrid Ohde zu großem Dank verpflichtet. So beliebt die Frau Mackowitz ist, so schwierig ist es, Freiwillige für die Rolle zu finden.“