Die Motive müssen das Herz treffen

Jeder fotografiert. Meist mit dem Handy. Immer und überall. Millionen von Augenblicken werden so festgehalten. Meist im Bruchteil einer Sekunde. Gespeichert, bei Facebook mit Freunden geteilt und irgendwann vergessen.

Christian Nielinger ist Fotograf. Seine Bilder scheinen aus der Zeit gefallen. Sie sind sorgfältig, geplant, vom Aufbau perfekt, technisch erstklassig. In der umgebauten Sparkassen-Filiale an der Schulstraße hat er unübersehbar seinen künstlerischen Fingerabdruck hinterlassen.

Gemeinsam mit den zuständigen Architekten hat er im Vorfeld über das Raumkonzept gesprochen. Drei Architekturaufnahmen, drei Naturbilder wurden es - alle mit deutlichem Kettwiger Bezug. Die Evangelische Kirche am Markt und die Stiege, das Parlament. Landschaften aus der direkten Umgebung. Drei Meter hoch die Motive, das Panorama ist über zwölf Meter breit.

„Der Prozess der Motivauswahl hat über ein Jahr gedauert“, sagt der gebürtige Dortmunder, der heute in Kettwig lebt. „Die Motive müssen den Menschen bekannt sein, es muss für alle, die die Bilder sehen, funktionieren.“

136 Gigabyte an Bildmaterial kamen zusammen. Sonntags in aller Frühe war Nielinger mit seiner Kamera unterwegs oder auch schon mal mitten in der Nacht. „Die Motive müssen das Herz treffen und auch in vielen Jahren noch ihre Bedeutung haben. Hier musste alles sitzen, denn man kann nicht einfach eines der Bilder austauschen“, sagt er. „Man muss den Anblick über einen langen Zeitraum aushalten können.“

Filialleiter Michael Kleine-Möllhoff kann das problemlos. Er leitet die Filiale an der Schulstraße und er freut sich über die Resonanz, „denn es kommt gut an, es macht die Räume wohnlich“.

Christian Nielinger ist gelernter Fotolaborant, hat anschließend Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität studiert. New York war Thema seiner Diplomarbeit. Nach Amerika - und später nach Asien - haben ihn noch viele Reisen geführt. Seit 1989 ist er selbstständig, hat in Rellinghausen ein eigenes Studio und ein eigenes Labor.

Ungewöhnliche Kettwiger Motive hat er noch viele in der Schublade. „Zum Beispiel ein feinfühliges Bild von der Hauptstraße. Da habe ich mit den Themen Schärfe und Unschärfe gespielt.“

Die Entstehung eines Fotos ist für ihn eine spannende Geschichte. Und zeitaufwendig. „Für ein Motiv aus der Ruhrstraße war ich am Computer stundenlang damit beschäftigt, den Vogelkot auf dem Dach zu reduzieren.“

Perfektionismus, der sich am Ergebnis messen lassen kann.