„Die Menschen im Hospiz sind hoffnungslos hoffnungsvoll“

Auch verbringen Patienten nunmehr deutlich weniger Zeit in Hospiz oder Altenpflegeheim als früher, da der Umzug in eine solche Einrichtung für viele heute als Ultima Ratio gilt. Ambulant vor stationär – wenn es geht, bis zum letzten Tag.

Getragen wird das System der Palliativpflege vor allem durch ehrenamtliche Mitarbeiter wie Katja Arens. Seit zwei Jahren arbeitet die 42-Jährige als Sterbebegleiterin im Hospiz Cosmas und Damian – eine Aufgabe, die sie aus Überzeugung übernommen hat. „Nachdem ich eine Freundin verloren hatte, die an Krebs erkrankt war, wollte ich anderen schwerkranken Menschen helfen, mit ihrem Schicksal besser umgehen zu können, ihnen ein bisschen von ihrer Angst nehmen“, sagt die Sozialpädagogin. „In meinem Beruf habe ich ständig mit Menschen in schwierigen Lebenslagen zu tun. Daher war ich es gewohnt, auch eine professionelle Distanz zu wahren.“

Was nicht bedeutet, dass sie sich jemals an das Sterben gewöhnt hätte. Mit ihrer Diagnose gehen derweil alle Patienten anders um – die einen ziehen sich zurück, die anderen suchen das Gespräch. Eines aber haben alle gemeinsam, sagt Arens: „Die Menschen sind hoffnungslos hoffnungsvoll. Irgendwie klammert sich jeder an den Gedanken, dass eines Tages doch alles wieder gut wird.“

Doch entgegen allen Klischees sei das Hospiz kein Ort, an dem immer getrübte Stimmung herrsche und Besucher nur flüstern dürften. „Natürlich wird hier auch gelacht. Oft sind Angehörige mit ihren Kindern und Enkelkindern zu Besuch, da geht es auch mal fröhlich und lebhaft zu.“

Und manchmal gebe es eben auch kleine Wunder: Zwar sei der Fall, dass jemand im Hospiz seine Krankheit besiegt und diesen Ort lebend verlassen hätte, äußerst selten, doch ein anderes Phänomen hat Katja Arens schon öfters beobachtet: „Manchmal blühen Menschen in der letzten Phase ihres Lebens noch einmal richtig auf. Im Hospiz sind sie rundum aufgefangen, das kann ganz neue Kräfte freisetzen.“ Über seelische Stärke müssen indes auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter verfügen, sagt Judith Kohlstruck, Koordinatorin für Ambulante Hospizarbeit Cosmas und Damian: „Man sollte schon über eine gewisse psychische Stabilität verfügen, wenn man sich für die Hospizarbeit interessiert – Menschen, die sich gerade in einer Lebenskrise befinden, sollten eher davon Abstand nehmen.“

Eine Altersgrenze gebe es allerdings nicht , „bei uns engagieren sich Menschen von 28 bis 82.“ In einer Fortbildung, die vom Land angeboten wird, werden die Helfer auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet. Geschult werden sie etwa in puncto Kommunikation und Gesprächsführung, Schmerztherapie und Begleitung im Glauben, doch werfen sie in der Hospizarbeit auch immer einen intensiven Blick auf sich selbst. Kohlstruck: „Man setzt sich intensiv mit dem Tod auseinander, den man im Alltag eher verdrängt. Das ist eine Bereicherung.“