Die Liebe bleibt nicht ohne Folgen – Buch übers Vater werden

Im vergangenen Jahr ging es in seinem Roman „Das Nichts und die Liebe“. Jetzt kümmert sich Ingo Munz in „Vater werden“ um die Folgen.
Im vergangenen Jahr ging es in seinem Roman „Das Nichts und die Liebe“. Jetzt kümmert sich Ingo Munz in „Vater werden“ um die Folgen.
Foto: WAZ FotoPool
In seinem Buch „Vater werden“ bespiegelt Autor Ingo Munz humorvoll den Weg zum Mann. Zeichner Stefan Michaelsen begleitet den Werdegang.

Essen.. „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ Das sagte einst der treffsichere Wilhelm Busch, obwohl er kinderlos und unverheiratet blieb und somit von dem Umstand keine Ahnung hatte. Nun soll ein Schriftsteller natürlich nicht ausschließlich darüber schreiben, was er am eigenen Leib erlebt hat. Doch manchmal hilft es schon.

Ingo Munz, zum Beispiel, weiß genau, worüber er in seinem jüngsten Werk „Vater werden“ schreibt: Der Autor hat eine sechsjährige Tochter. Und so entstand der literarische Nachwuchs für seinen ersten Roman „Das Nichts und die Liebe“. Dass so was von so was kommt, lag quasi auf der Hand.

50 Miniaturen über neun Monate

Der Untertitel „50 Miniaturen über jene neun Monate, die uns zu Männern machen“ klingt fast nach einem Sachbuch, ist es aber nicht. Ingo Munz gelingt der Einblick in einen kleinteiligen Werdegang, der mit einem Herrn namens Verantwortung beginnt und mit „Johanna!“ vorläufig abschließt. Dazwischen liegen unendlich viele Stationen, die zu bewältigen sind: die Flut von Ratgebern, die weitreichende Namensdiskussion, das Zusammenziehen mit der Lebensgefährtin verbunden mit dem Versuch, diverse Pfannenwender auszusortieren, oder die bis dahin nicht gekannte Angst vor dem Tod. Das ist höchst persönlich und humorvoll in der Selbstbespiegelung („Ich befürchte, lustiger kann ich nicht mehr.“), entlarvend in der Zwiesprache mit den Zuständen und Dingen des Lebens, zuweilen tiefgründig – und nachvollziehbar für alle werdenden Väter und Mütter, für solche, die es werden wollen oder schon sind.

Neues Buchprojekt Der geneigte Leser erfährt zudem einiges über das Dichterdasein zwischen großer Freiheit und dem Zwang des ständigen Verarbeitens, das Verhältnis zur Frau, die liebevoll „meine Chefin“ genannt wird, und wie der Zeichner Stefan Michaelsen diesen Werdegang sieht. Er begleitet ihn mit einem Bewegungsablauf in 29 vielschichtigen, eindringlichen Bildern - vom stehenden bis zum rennenden, springenden Mann. Ob der Autor aus dem Südviertel bis zur Geburt nun ein echter Mann geworden ist, vermag man am Ende nicht zu beurteilen. Es steht einzig außer Frage, dass Ingo Munz jetzt zwei Chefinnen hat.

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