Die Kunden sind nicht auf Konfrontationskurs

So voll sieht man die Taxistände nur noch tagsüber in der Stadtmitte und am Wochenende. Nachts stellen viele Unternehmen den Dienst ein, weil sich das Geschäft nicht mehr rentiert. Und das, obwohl nicht weniger Kunden den Service nutzen. Die haben sogar Verständnis für den Preisanstieg.
So voll sieht man die Taxistände nur noch tagsüber in der Stadtmitte und am Wochenende. Nachts stellen viele Unternehmen den Dienst ein, weil sich das Geschäft nicht mehr rentiert. Und das, obwohl nicht weniger Kunden den Service nutzen. Die haben sogar Verständnis für den Preisanstieg.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Durch die Einführung des Mindestlohns für Taxifahrer müssen Fahrgäste in Essen 25 Cent mehr pro Kilometer zahlen. Doch trotz der Mehrkosten ist keine negative Resonanz zu spüren

Essen..  Seit Anfang des Jahres werden die Taxifahrer nach dem Mindestlohn von 8,50 Euro bezahlt. Doch was für die Fahrer Freud, ist des Kunden Leid. Denn die müssen jetzt für einen Kilometer in den Tagesstunden anstatt 1,75 Euro, 2 Euro zahlen, nachts fallen zehn Cent mehr an. Und bei einer Strecke von 20 Kilometern können je nach Verkehr auch schon einmal fünf Euro mehr auf dem Taxameter stehen. Doch ist die Resonanz bei den Kunden wirklich so negativ wie zunächst befürchtet?

Einer, der diese Frage sofort beantworten kann ist Markus Adams. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Taxiunternehmens hat bisher nur positive Resonanzen bekommen. „Alle meine Kunden halten die Einführung des Mindestlohns für sinnvoll und haben daher sehr verständnisvoll reagiert“, sagt Markus Adams. Niklas Heuer ist so ein verständnisvoller Kunde, der den Service zu schätzen weiß. „Wenn ich einen wichtigen Termin habe, fahre ich grundsätzlich mit dem Taxi. Busse und Bahnen kommen oft zu spät.“ Zudem seien die Taxifahrer stets für ein Schwätzchen zu haben.

Sabrina Bauer überlegt hingegen, ob sie für die Strecke unbedingt ein Taxi ordern muss. „Ich vergleiche jetzt immer häufiger und fahre auch mal Bus oder Bahn“, sagt die Kundin und fügt hinzu: „Wenn ich beispielsweise zum Flughafen muss, dann lasse ich mich oft von Familie oder Freunden bringen. Das ist im Endeffekt günstiger und kostet mich nur ein paar Telefonate.“

Weil Taxen zum öffentlichen Nahverkehr zählen, muss der Preis von den Kommunen genehmigt werden. Die Taxiunternehmen können demnach nicht mehr Geld pro Kilometer verlangen, um alle Kosten zu decken. Auch, wenn sie es laut Markus Adams müssten. „Nicht die Kilometerpauschale ist das Problem, sondern die Kurzstrecke“, sagt der Taxifahrer. Für eine zwei Kilometer lange Strecke hin- und wieder zurückzufahren rentiere sich nicht, durch den Mindestlohn wird diese Fahrt zum Minusgeschäft. Denn von 15 Euro, die ein Taxi durchschnittlich pro Stunde Umsatz macht, bleiben am Ende laut Adams 1,50 Euro für das Unternehmen übrig.

Aus diesem Grund entschließen sich viele Unternehmen, die Schichten zu kürzen, was heißt: „Die meisten arbeiten nur noch in einem Zwei-Schichten-System, die Nachtfahrten fallen unter der Woche oftmals weg“, beobachtet Michael Rosmanek, Geschäftsführer von Taxi Essen. Von insgesamt 300 Wagen sind in den umsatzschwächeren Zeiten nur noch 120 unterwegs. Hinzu kommt, dass „in den Gebieten außerhalb der Stadtmitte und Rüttenscheid zu diesen Zeiten keine Taxen mehr stehen“, sagt Adams. Und das werde in den kommenden Jahren laut des Geschäftsführers negativ auf die Kunden zurückfallen. Er hofft, dass die Fahrgäste dann auch noch so verständnisvoll sind.