Die kleinen Spatzen haben Schwein

Goldschmiedin Marlene Berger und Ludger Kämper, Geschäftsführer der Bredeneyer Goldschmiede, mit ihrer „Kaffeekasse“, einem goldfarbenen Schwein.
Goldschmiedin Marlene Berger und Ludger Kämper, Geschäftsführer der Bredeneyer Goldschmiede, mit ihrer „Kaffeekasse“, einem goldfarbenen Schwein.
Foto: Plesken
Was wir bereits wissen
Auch der Bredeneyer Juwelier Ludger Kämper will den Neubau einer Notaufnahme des Kinderschutzbundes unterstützen und spendete 1100 Euro, die sich in seiner Kaffeekasse auf dem Geschäftstresen befanden.

Essen.. Da haben sie richtig Schwein gehabt, die kleinen Spatzen: Als Ludger Kämper, Geschäftsführer der Bredeneyer Goldschmiede aus der NRZ von den Neubau-Plänen des Essener Kinderschutzbundes für eine zweite Notaufnahme an der Borbecker Zweigstraße erfuhr, war der Entschluss schnell gefasst: „Wir spenden.“ Mal schauen, was die güldene Wutz auf dem Verkaufstresen so her gibt. Jede Menge: 1100 Euro fanden sich in der „Kaffeekasse“ des Juweliergeschäfts an der Bredeneyer Straße.

Einmal im Jahr muss das Schwein dran glauben und seinen Inhalt einem guten Zweck opfern. Es ist Geld von Kunden, die sich für die ein oder andere Dienstleistung bedankten, die ihnen nicht in Rechnung gestellt wurde, erzählt Kämper, der hofft, einen Beitrag dazu geleistet zu haben, um Kindern in Not zu helfen, ja, um sie manchmal vor einem gewaltsamen Tod zu retten.

Die Kinder in Not werden jünger

Die Sammel-Summe geht jetzt direkt an den Kinderschutzbund, der dringend auf die Spenden von Institutionen und Bürgern wie Ludger Kämper angewiesen ist, um das 1,2 Millionen Euro teure „Spatzennest“ für misshandelte und verwahrloste Kinder in akuten Krisen verwirklichen zu können. Die NRZ will dabei helfen und bittet ihre Leserinnen und Leser, dieses absolut notwendige Vorhaben nach Kräften zu unterstützen. Denn immer mehr kleine Essener geraten in Not – und sie werden zusehends jünger. Die 20 Betreuungs-Plätze in der Notaufnahme an der II. Schichtstraße in Altenessen reichen da längst nicht mehr aus. Über 100 junge Opfer von Gewalt, Verwahrlosung, Missbrauch und Misshandlung mussten allein im vergangenen Jahr abgelehnt werden, weiß Martina Heuer, die Leiterin der Einrichtung. 42 von ihnen waren jünger als sechs Jahre.

So wie das Mädchen, das im Spatzennest landete, nachdem Nachbarn Alarm geschlagen hatten. Die Mutter hatte ein Drogenproblem, ließ die Dreijährige oft über Stunden allein in der Wohnung. Die Kleine entwickelte schreckliche Ängste vor dem Alleinsein in der Dunkelheit.

Neues Clearing-Angebot

Kinder in diesem Alter, die aufgrund ihrer Leidensgeschichte häufig extrem verhaltensauffällig sind, brauchen zumal in der Not eine besondere Zuwendung, die sie in dem neuen Spatzennest in Borbeck bekommen sollen: Werden sie meist von der Polizei in Krisen aus ihren Familien herausgeholt, erwartet sie eine besonders geschützte Aufnahme. Die Kinder, die mitten in der Nacht oder auch an Wochenenden eintreffen, können in den ersten 24 Stunden durch eine einzige Fachkraft sehr individuell betreut werden. „Eine Bezugsperson ist in solchen Momenten sehr wichtig“, sagt Ulrich Spie, Vorstandsvorsitzender des Essener Kinderschutzbundes.

Neu in dem rund 500 Quadratmeter großen Haus ist unter anderem ein so genanntes Clearing-Angebot für Eltern, die für eine gewisse Zeit in einem Apartment des Hauses untergebracht werden, bis klar ist, ob ihr Nachwuchs wieder zu ihnen zurückkehren kann oder nicht. Unter Anleitung der Mitarbeiter sollen Mutter oder Vater zeigen, dass sie überhaupt in der Lage dazu sind, ihr Kind zu versorgen.

Bis gestern haben sich fünf weitere Großspender bereit erklärt, Geld für das Vorhaben des Kinderschutzbundes beizusteuern. Die Hilfsbereitschaft wächst.