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Die Hörfibel ist der Bestseller von Dr. Lutz aus Essen

06.08.2012 | 19:19 Uhr
Die Hörfibel ist der Bestseller von Dr. Lutz aus Essen
Dr. Jörg Lutz schickt seine Hörfibel mittlerweile bis in die USA.Foto: Markus Grenz

Essen.   Der Essener Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Jörg Lutz hat vor zehn Jahren eine Hörfibel geschrieben. Mittlerweile gibt es den Ratgeber für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen eine Million mal - in deutscher, englischer und spanischer Sprache.

Einmal im Jahr wird das Leben des Hals-Nasen-Ohren-Arztes Dr. Jörg Lutz richtig stressig. Dann bereitet er die neueste Auflage seiner „Hörfibel“ vor. Immerhin eine Million Exemplare hat er in den vergangenen zehn Jahren davon in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA und vielen spanischsprachigen Ländern abgesetzt. Hierzulande liegt der Ratgeber für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen bei zahllosen Hörakustikern aus.

„Ob ich noch einmal so ein Heft schreiben würde? Auf gar keinen Fall“, stellt der 46-jährige HNO-Spezialist fest und ordnet die verschiedenen Ausgaben seiner „Hörfibel“ nach Sprachen. Deutsch links, englisch in der Mitte, Spanisch kommt auf den rechten Stapel. „Die Fibel ist zwar nur 27 Seiten dick, macht aber allein schon für die jährliche Überarbeitung so viel Arbeit, dass das mit Praxis und zwei Kindern kaum zu bewältigen ist“, berichtet Lutz.

Handlicher Überblick für Hörgeschädigte

Gerade befindet er sich wieder in der „heißen Phase“. Im Oktober ruft die „Europäische Union der Hörgeräteakustiker“ zum jährlichen Kongress, diesmal nach Frankfurt, und da muss der Doktor die elfte Auflage seines Dauerbrenners fertig haben. „Natürlich bin ich wieder zu spät dran“, erzählt Lutz. Es drohen Überstunden im Büro seines eigenen kleinen „Hörfibel-Verlags“ über den Räumen seiner HNO-Praxis.

Dass das Autorenleben mühselig sein kann, hat der Mann, der auch eine Lehre zum Bankkaufmann abgeschlossen hat, früh erfahren. Dabei klang die Idee im Jahr 1999, damals arbeitete er noch beim Kollegen Dr. Klaus Back in Überruhr, bestechend simpel: „Man hat es als HNO-Arzt oft mit älteren, manchmal aufgeregten Schwerhörigen zu tun. Da nicht immer alle Informationen so ankommen, wie man es sich wünscht, wollte ich eine einfach lesbare Info-Broschüre zum mit nach Hause geben.“

Wie ist ein Ohr aufgebaut? Welche Erkrankungen gibt es? Wie kommt man zum Hörgerät und welche Typen gibt es? „Ein handlicher Überblick zu den geläufigsten Fragen fehlte damals.“ Und es sollte auch schwierig werden, Fotos, gute Schaubilder und Herstellerinformation zu beschaffen. Erst Ende 2000 hatte er alles beisammen. Dann gab es Probleme bei der Gestaltung. Die erste Variante sah aus, wie auf Klopapier gedruckt. Als die Hörfibel schließlich in Hochglanz vorlag, kam auch noch ein Mitbewerber mit einem vergleichbaren Heft auf den Markt.

Elfte Auflage für die Hörfibel

Während dieses Heft mittlerweile verschwunden ist, erlebt die Hörfibel ihre elfte Auflage. „Ich habe einfach weitergemacht“, sagt Jörg Lutz. Alle 1400 Hörakustiker-Geschäftsinhaber in Deutschland schreibt er seit dem ersten Aufschlag regelmäßig drei Mal im Jahr an. Ein Teil von ihnen und viele HNO-Spezialisten kaufen das Heft, um es an die Patienten und Kunden weiterzugeben.

Info
Weltmarkt fest im Blick

Um seine Hörfibel auch in Österreich zu vermarkten, gewann Jörg Lutz, die Wirtschaftskammern der Alpenrepublik als Partner. In ihr sind alle Hörakustiker organisiert. Inzwischen gibt es die Fibel auch in der Schweiz.

Auf einem Kongress in Salt Lake City beschloss Lutz, den größten Hörgerätemarkt der Welt in Angriff zu nehmen. Eine spanische Ausgabe der Fibel folgte.

Wie ein Millionär kommt der dynamische Doktor nicht daher. Ist er auch nicht, höchstens Auflagenmillionär: „Reich wird man damit bestimmt nicht. Gerade Amerika hat viel Lehrgeld gekostet.“ Europäisches Design komme dort nämlich nicht an. Nun startet er einen neuen Anlauf, um den Markt jenseits des großen Teichs zu gewinnen.

Markus Grenz



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