Die Heisinger Aue – das grüne Wunder an der Ruhr

Die Ruhr schlängelt sich durch die Heisinger Aue in Essen.
Die Ruhr schlängelt sich durch die Heisinger Aue in Essen.
Foto: Alexandra Roth
Was wir bereits wissen
Die Heisinger Aue in Essen ist die Heimat von Libellen, Fröschen, Kormoranen, Graureihern und Kanadagänsen. Doch man muss kein Kenner von Flora und Fauna sein, um sich in dieses einzigartige Stück Natur, das sich im Süden der Stadt erstreckt, auf Anhieb zu verlieben.

Essen.. Während die meisten noch schlafen, ist das Leben an diesem Sonntagmorgen in der Heisinger Aue längst erwacht. Eine samtige Hummel dümpelt brummend von Blüte zu Blüte, aus den kleinen Tümpeln ertönt ein erstes zaghaftes Quaken der Frösche, ein Graureiher segelt elegant über der Ruhr.

Noch ist kein Spaziergänger oder Radler unterwegs, lediglich ein Angler sitzt wie in Stein gemeißelt am Überruhrer Ufer. Ein paar Meter weiter biegt der Weg nach rechts ab und verliert sich im dichten Grün. Meterhoch stehen hier die Stauden und Gräser, darunter auch der gefährliche Riesen-Bärenklau.

Eine echte Pest, derer kein Unkraut-Ex Herr wird: Eine Berührung mit den Pflanzen kann zu ätzenden Hautverbrennungen führen. Die Herkulesstauden, wie sie auch genannt werden, sind der einzige Störfaktor in dieser sanften Auenlandschaft.

Auenlandschaft mit Feucht- und Nasswiesen

Man muss kein Kenner von Flora und Fauna sein, um sich in dieses einzigartige Stück Natur, das sich im Süden der Stadt zwischen Wuppertaler Straße und der Ruhr bis zum Baldeneysee erstreckt, auf Anhieb zu verlieben.

Seit 2004 steht die intakte Auenlandschaft mit ihren Feucht- und Nasswiesen, den Tümpeln und abgeschnittenen Flussarmen unter Naturschutz. Darüber freuen sich die mehr als 60 Brut- und bis zu 50 Gastvogelarten sowie seltene Libellen- und Amphibienarten, die in dem 150 Hektar großen Gebiet ein Zuhause gefunden haben.

Förderturm als letzter Zeitzeuge

Bergsenkungen haben die Tümpel und Teiche entstehen lassen; wie an so vielen Orten im Ruhrgebiet ist hier einst Kohle gefördert worden. Als letzter Zeuge ragt der Förderturm der Überruhrer Zeche Heinrich wie ein eisernes Mahnmal in die Höhe. Ob sich die Kumpel, die bis 1968 mit der Fähre von der Roten Mühle aus zur Schicht übersetzten, jemals träumen ließen, dass sich 45 Jahre später die Natur so vehement gegen die jahrzehntelang durch Industrie geprägte Landschaft durchsetzten wird?

Geblieben aus dieser Zeit, in der der Rauch aus den Schloten den Himmel über der Ruhr verdunkelte, ist auch das einstige Fährhaus. Mitten in der Aue gelegen, beherbergt die Rote Mühle einen Biergarten mit Blick auf die Ruhr und die alte Schleuse.

Unter Denkmalschutz

Die einstige Schleifmühle wurde bereits 1685 errichtet und diente später als Kornmühle. Knapp hundert Jahre später wurde die Schleuse für die Kohleschifffahrt erbaut. Schleuse und Fährhaus stehen unter Denkmalschutz. Leider galt der nicht für die steinerne Bogenbrücke, die mitten in der Ruhraue stand und zum alten Rellinghauser Strandbad führte. Statt sie liebevoll zu restaurieren, verschwand sie sang- und klanglos unter einer Beton und Asphaltdecke.

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