Die „gute Stube“ als Trauzimmer?

Nein, auf dem Trockenen sitzen die Gäste in Essens „guter Stube“ künftig nicht – für Kaffee und Kuchen, den Sprudel in der Konzertpause oder das Bierchen und den Schoppen danach sorgt bis auf weiteres schon die städtische Servicegesellschaft RGE.

Doch dass die Stadt in Saalbau und Philharmonie jetzt nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinterm Tresen das Programm gestaltet, kann kein Dauerzustand sein, finden Essens Christdemokraten – und fordern einen „echten Neustart“ im Saalbau-Restaurant „Wallberg“: Der ständige Wechsel der Pächter „schadet nicht nur dem Restaurant, sondern auch dem Image der Stadt“, glaubt der CDU-Chef im Rat, Thomas Kufen, und glaubt anhand der bisherigen Erfahrungen belegt: „Unter den derzeitigen Bedingungen ist es wohl nahezu unmöglich, eine solche Gastronomie wie das Wallberg erfolgreich zu bewirtschaften.“

Die Stadt investiert? Stimmt nicht!

Diese Ansicht vertrat erst jüngst auch der einstige Projektsteuerer des Umbaus, Klaus Wolff. Und betonte dabei, er sei sogar bereit gewesen, Sternekoch Nelson Müller, der hier für ein paar Monate am Herd stand, eine Millionensumme zu leihen, um dessen Konzept eines Neuanfangs unter anderen baulichen Gegebenheiten umzusetzen. Außerdem, so betonte Wolff vor einigen Wochen, sei auch die Stadt zu einer vergleichbar hohen Investition bereit.

Dumm nur, dass man sich auf städtischer Seite an eine solche Überlegung nicht erinnern kann: „Wir wollten niemals eine Millionensumme zum Umbau der Gastronomie bereitstellen“, wehrt Baudezernentin Simone Raskob im Gespräch mit der NRZ rundheraus ab. Und die derzeit krisengeschüttelte städtische Grundstücksverwaltung GVE, so ergänzt deren neuer Geschäftsführer Dirk Miklikowski, will von einem eigenen finanziellen Engagement im Saalbau schon gleich gar nichts wissen.

Dabei gibt es augenscheinlich Handlungszwang. Denn jeder „Wallberg“-Betreiber steckt im Korsett eines Hauses, bei dem es in erste Linie um die Kunst und erst in zweiter Hinsicht um den Kohldampf geht. Rücksichtnahme auf den Charakter des Saalbaus ist also angezeigt, und da gilt das Esszimmer der „guten Stube“ zweifellos als überdimensioniert.

Raskob räumt das ein: „Die grundsätzliche Idee, das große Restaurant in kleinere Einheiten aufzuteilen, hat durchaus was für sich“, sagt die Baudezernentin. Doch niemand wäre gut beraten, jetzt irgendwelche Umbaupläne ohne den Wirt zu machen: Entscheidend für die Frage, wie man das „Wallberg“ umgestaltet, sei am Ende doch das gastronomische Konzept des künftigen Pächters, „der trägt schließlich die wirtschaftliche Verantwortung“.

Und hat daran schwer zu schleppen, glaubt CDU-Mann Kufen. Er plädiert dafür, anstelle des einen großen Restaurantbereiches kleinere Säle zu errichten, die sich vermieten lassen und bei Veranstaltungen in der Philharmonie die Tagesgastronomie ergänzen. „Das Restaurant ist für den reinen Tagesbetrieb zu groß und muss gemütlicher werden.“

Und immerhin: Nachhelfen könne die Stadt doch in anderer Hinsicht – „hier könnte das Standesamt einen Außentraubereich einrichten, um am Stadtgarten Trauungen durchzuführen.“

Ein Denkanstoß, der möglichen Pächtern gefallen könnte. Eine neue Ausschreibung steht bevor, die RGE ist zunächst bis zum Jahresende als Caterer gebucht. Wenn’s sein muss, geht sie auch früher raus, bis dass ein neuer Koch sie vom Saalbau-Tresen scheidet.