Die Große Tummelwiese - wo die Gruga jung und offen ist

Gut eingewachsen ist inzwischen die Tummelwiese. Die Bäume sind schön, aber mehr sollten es nicht werden, sonst geht der Charakter verloren.
Gut eingewachsen ist inzwischen die Tummelwiese. Die Bäume sind schön, aber mehr sollten es nicht werden, sonst geht der Charakter verloren.
Foto: Essen
Die Gegend um die Große Tummelwiese in der Essener Gruga atmet den Geist der 1960er Jahre, als der Park im Rahmen der Bundesgartenschau verdoppelt wurde. Gefährdet ist der potenziell elegante weiße Pavillon, das letzte Bau-Relikt dieser Zeit in der Gruga.

Essen.. Die Gruga entstand nicht in einem Rutsch, vielmehr hat sie mehrere Generationen von Park-Architekten erlebt, die ihre jeweilige Handschrift und die herrschenden Moden einbrachten. Besonders schön sieht man dies in einem Teil der Gruga, der von Gelegenheitsbesuchern manchmal unterschätzt und jedenfalls oft links liegen gelassen wird: der so genannten „Großen Tummelwiese“. Der Parkabschnitt zwischen Grugabad, Rollschuhbahn und dem Großen Teich atmet noch heute den Geist der 1960er Jahre, der baulich sicherlich manches Fragwürdige hervorgebracht hat, aber eben geprägt war vom Willen zur Großzügigkeit, vom Überwinden auch geistiger Enge.

Als Essen sich für die Bundesgartenschau 1965 daran machte, die Fläche der Gruga nahezu zu verdoppeln, war das immerhin das bis dahin größte Bauvorhaben, das die Stadtverwaltung je in Angriff genommen hatte. Die oftmals kleinteilige botanische Beschaulichkeit des alten Parkteils sollte bewusst ergänzt werden mit Anlagen, die aktive Erholung ermöglichten.

Abriss wurde mehrfach diskutiert - und erstmal verworfen

Es entstand das gigantische Grugabad und eben die Tummelwiese mit ihrer eher sparsamen, die Wiese begrenzenden Baumbepflanzung. In der Nähe entstanden große Spielplätze mit inzwischen zugeschütteten Gondel-Teichen und Schwimmbecken für Kinder - und ein merkwürdiges Lesehaus, das als letztes kleines Relikt der eleganten Bauten der 1960er-Jahre-Gruga erhalten geblieben ist.

Seit langem überlegt die Gruga-Verwaltung, was sie mit dem weißen Glas-Pavillon anstellen könnte, der seit langem leersteht und in schlechtem Zustand ist. Ein Abriss wurde mehrfach diskutiert. „Wenn man ganz vernünftig darüber nachdenkt, dann kommt schnell dieser Gedanke auf, aber wir konnten uns dazu bislang nicht durchringen“, sagt Gruga-Sprecher Eckhard Spengler. Problem: Das Glas-Haus ist zeittypisch miserabel isoliert, ist im Winter kalt, im Sommer dafür unerträglich heiß. „Es hängen aber doch einige Emotionen dran, schließlich ist es das letzte Gebäude aus der Erbauungszeit der Parkerweiterung“, sagt Spengler.

Das ist Essen Vielleicht bringt ja die Zeit eine Lösung, und wenn die Leserinnen und Leser dieser Serie eine Idee haben, dann bitte eine Mail an f.stenglein@waz.de schreiben, ich leite sie gern an die Gruga weiter.

Im Grugapark lässt sich an vielen Stellen durchatmen, an der Großen Tummelwiese aber ganz besonders, schon weil es hier weit und licht ist und selten überfüllt. Aber das bleibt bitte unter uns...

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