Die größte Demo seit langem

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5000 Menschen kamen am Sonntag in Essen zum Willy-Brandt-Platz, um gegen Fremdenhass zu demonstrieren.

Essen..  Das war sein großer Tag. Max Adelmann, Sprecher von „Essen stellt sich quer“, hat mit seinem Team und den zahlreichen Unterstützern am Sonntag bis zu 5000 Menschen zusammengetrommelt, um gegen Fremdenhass und für Toleranz auf die Straße zu gehen.

Es wurde eine der größten Demos, die Essen seit langem erlebt hatte. Der Willy-Brandt-Platz füllte sich derart, dass die Polizei gebeten werden musste, ihre Absperrungen nach hinten zu verlagern. „Es sind noch viele auf der Kettwiger Straße, die wollen hierher“, schallte es vom Lautsprecher.

Es war eine durch und durch friedliche Großdemonstration gegen einen geplanten Aufmarsch der „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa), der von der Polizeipräsidentin aber verboten worden war. Dass es gestern zu keinerlei Zwischenfällen kam, dafür sorgte die Polizei mit einem Großaufgebot an Hundertschaften, die ließen mutmaßliche Hooligans erst gar nicht in die Nähe der Demonstranten.

Die Einsatzkräfte sollten verhindern, dass Anhänger der Hogesa-Szene das Demonstrationsverbot missachten oder die andere Kundgebung stören könnten. Rund um die bunte Schar der Protestler von „Essen stellt sich quer“ waren Seitenstraßen abgeriegelt, der Hauptbahnhof war streng bewacht. Dort und an anderen Punkten der City stießen Beamte auf Einzelne oder kleinere Gruppen, die „Hogesa“ zugerechnet wurden. Über 100 Personen, die nach Einschätzung des Präsidiums offenbar zur verbotenen Hogesa-Demo unterwegs waren, setzten die Einsatzkräfte bereits am Morgen fest, 88 erhielten Platzverweise, 15 kamen in Gewahrsam. Friedliches hatten mehrere Überprüfte wohl nicht im Sinn. Bei ihnen wurden eine Schreckschusspistole ein Baseballschläger, ein mit Quarzsand gefüllter Handschuhe und ein Messer sichergestellt.

Polizeipräsidentin Stephania Fischer Weinsziehr hatte vor mehr als einer Woche die Hooligan-Demo verboten, weil sie schwere Ausschreitungen befürchtete. Deshalb die massive Polizeipräsenz. Im Hauptbahnhof bewachte die Polizei sogar jeden Bahnsteig. Auch szenekundige Beamte waren vor Ort, die Hooligans rechtzeitig ausfindig machen sollten.

Nur wenige hundert Meter weiter setzte sich um zwölf Uhr die Gegendemo von „Essen stellt sich quer“ in Bewegung. Mittendrin übrigens auch die Polizeipräsidentin, die sich über das „breite Bündnis“ freute. Die Stimmung friedlich, ja ausgelassen. Eng an eng zogen die Protestler durch die Kettwiger Straße zum Willy-Brandt-Platz. So viele waren gekommen - von den Kirchen, den Parteien, den Sportvereinen, den Gewerkschaften. Da demonstrierten muslimische Frauen für ein friedliches Miteinander, zeigte eine auf ihrem Transparent neben dem islamischen Symbol auch den Davidstern und das Jesuskreuz. Da wehten grüne, blaue, gelbe und rote Fahnen - manche mit Che Guevara-Konterfei, andere mit dem EU-Symbol. Was sie eint, ist gemeinsam gegen Rechtsradikalismus und Rassismus aufzustehen. Einer brachte es auf ironische Weise mit drei Wörtern auf einen Nenner: „Döner für alle“, steht auf dem Plakat“.

Demo-Organisator Max Adelmann stand glücklich auf der Bühne und schaute auf den vollen Willy-Brandt-Platz. Was für ein Bild. OB Reinhard Paß ruft ins Mikrofon. „Was uns eint. Wir sind Essen. Essen ist bunt“ In die gleiche Tastatur schlägt CDU-Fraktionschef Thomas Kufen: „Wir sind Essen - und nicht die.“ Und meint die Hogesa, deren Demoaufruf so viele Essener aufbrachte.