Die Geschichte des Schultenhofes

Ickten..  Der zwölfte Band der „Geschichten aus der Werdener Geschichte“, herausgegeben von den Werdener Traditionsvereinen, ist mit etlichen kurzweiligen Texten als „Leseabenteuer“ konzipiert.

Darin beschäftigt sich unter anderem der Autor Herbert Schmitz in einer größeren Abhandlung mit den traditionsreichen und noch heute bestehenden ehemaligen abteilichen Besitzungen Gut Stade und Schultenhof „Zum Hofe“ im Ruhrtal, Ickten, an der Mendener Straße. Noch immer wird dort Landwirtschaft betrieben.

Der Schultenhof mit seiner tausendjährigen Vergangenheit (1050 erstmals als Oberhof erwähnt) hatte trotz häufigen Besitzwechsels eine besondere Aufgabenstellung in der abteilichen Güterverwaltung. Schon früh übertrug ihn die Abtei als Lehnsbesitz ihren adeligen Dienstmannen.

1384 gelingt Abt Heinrich von Wildenberg der Rückkauf für „eine feste Summe Geldes“ von der einflussreichen bergischen Adelsfamilie von Eller zu Oefte – mit dazugehörigen weiteren Häusern und Grundstücken in Ickten, Umstand und im Dorf Kettwig.

Aber schon wenige Jahre später waren die von Eller wieder im Besitz des Hofes, der in ihren verzweigten Seitenlinien weitervererbt wurde. Die Abtei verliert den Schultenhof jedoch nicht aus den Augen, mit seiner Lage dicht an der Ruhr blieb er immer ein interessanter Besitz.

Erst Abt Ferdinand von Erwitte konnte einige hundert Jahre später – in den Jahren 1705/1710 mit zwei Verträgen – den Schultenhof zurück erwerben. Danach wurde er zur Verpachtung ausgeschrieben.

Die Hofgebäude waren inzwischen veraltet und in einem schlechten Zustand. Um 1850 umfasste der Hof etwa 186 preußische Morgen, also ungefähr 47 Hektar.

Abt Benedikt von Geismar (1728–1757) griff ein und veranlasste die Errichtung neuer Hofgebäude, unter anderen das noch bestehende große zweigeschossige Fachwerk-Wohnhaus mit seiner dreiseitigen noch gut erhaltenen Verschieferung und die Zehntscheune, die dem Einsammeln, Aufbewahren und Verarbeitung des Icktener Kornzehnten diente. Elf Höfe in Ickten und Umstand waren verpflichtet, Roggen und Korn einzuliefern – ein beträchtliche Einnahmequelle für den Gutsherrn.

Es kam zwischen selbstbewussten Pächtern und der Abteiverwaltung immer wieder zu Auseinandersetzungen um eine möglichst günstige Pacht. Als die wirtschaftlich starke Familie Langenhorst vom großen Klein-Umstander Gut Langenhorst, ein sogenannter „Meistbeerbter“ auf dem Abtei-Territorium, die Pacht erhielt, spitzte sich die Lage zu. Die immer wieder ausbrechenden Streitereien waren dem höchsten Wirtschaftsbeamten der Abtei, dem Kellner Brockhoff, zuwider und ein Dorn im Auge.

Am 8. März 1776 kommt es zu einem Notarbesuch, dem wir interessante Aufzeichnungen verdanken. Hintergrund war der Rechtshandel und die Befürchtung, die am Hofe angebrachten Beschriftungen zur Absicherung des Abteibesitzes könnten entfernt oder verfälscht werden (wörtlich „...durch eine böse Hand sich gar leicht verlieren könnten“). Der Notar macht sich auf den Weg „...morgens Klocke sieben... mit zwey der lateinischen Sprache kundig seyenden ehrbaren Zeugen“ und erfasst schriftlich u.a. den über der Haustür des Hofes eingelassenen Stein „mit dem wohlbekannten Wappen des Herrn Reichsabten zu Werden und Helmstädt BENEDICT“. Dazu der Wunsch, belastet von der Vergangenheit: „Friede möge dem guten Haus sein und denen, die da wohnen. Fern sollen bleiben Feuer, Blitz und finstere Übel.“

In den Wohnräumen findet der Notar in der Kirche beidseitig der Feuerstelle weitere Steinplatten mit den Namen des jeweiligen Pächterehepaares, in deren Zeit der Bau errichtet und eingeweiht wurde .

Nach erfüllter Aufgabe begaben sich „Notarius und Begleiter von dannen in Richtung Werden“.