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GEMA-Gebühren

Die Gema-Gebühren steigen - die Partys in Essen gehen vorerst weiter

30.12.2012 | 10:00 Uhr
Die Gema-Gebühren steigen - die Partys in Essen gehen vorerst weiter
Partys, wie hier am Silvesterabend 2011 in der Zeche Carl, wären durch den neuen Tarif deutlich teurer geworden.Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Wenige Tage vor dem Jahresende hat die Gema sich nun mit der Bundesvereinigung für Musikveranstalter auf eine Übergangsregelung für das kommende Jahr geeinigt. So werden ab dem 1. Januar die alten Tarife lediglich um fünf Prozent, für Diskotheken ab dem 1. April noch mal zusätzlich um zehn Prozent erhöht. Richtig zufrieden ist man in Essen damit nicht.

So richtig durchblicken fällt schwer: Einzelveranstaltungen, regelmäßige Veranstaltungen ohne Tanz, mit Tanz, ohne Live-Musik, oder doch mit Live-Musik, die Tarifstruktur der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) ist kompliziert. Elf unterschiedliche Tarifgruppe werden angeboten, für jeden Fall der musikalischen Wiedergabe ist was dabei. Doch ab 2013 sollte dieser Tarif-Dickicht auf zwei Varianten begrenzt werden – vor allem auf Kosten der Diskotheken. Mehrere Hundert Prozent mehr hätten sie für die Tonträgerwiedergabe zahlen müssen. Betreiber und Gäste liefen Sturm – auch in Essen.

Wenige Tage vor dem Jahresende hat die Gema sich nun mit der Bundesvereinigung für Musikveranstalter auf eine Übergangsregelung für das kommende Jahr geeinigt. So werden am dem 1. Januar die alten Tarife lediglich um fünf Prozent, für Diskotheken ab dem 1. April noch mal zusätzlich um zehn Prozent erhöht. Dann fällt jedoch auch die bislang erhobenen zusätzliche Gebühre für die Nutzung von Laptops/Computer weg.

Basieren tun die Tarife auf der Größe des Clubs und der erhobennen Eintrittsgelder. Eine Diskothek mit 200 Quadratmetern und einer abendlichen Eintrittsgebühr von fünf Euro, zahlt so zurzeit monatlich rund 600 Euro. Diese Summe erhöht sich nun 2013. „Selbst diese Erhöhung ist für die Diskotheken nur schwer zu stemmen“, weiß Philip Harbodt vom „Naked Club“.

Eintritt soll stabil bleiben

Unterstützung erhält er von Marco Bimmermann, Geschäftsführer des „Frida“ in Rüttenscheid: „Wir sind jetzt schon jeden Abend sehr gut besucht, viel Spielraum für mehr Einnahmen gibt es nicht, mehr zahlen sollen wir trotzdem.“ Den Eintritt könne man nicht erhöhen, das machen die Gäste genauso wenig mit wie höhere Getränkepreise, berichtet Michael Selders, Geschäftsführer des „Essence“. Für seinen knapp 1000 Quadratmeter Club zahlte er 2012 über 50.000 Euro an die Gema, diese Summe wird auch ohne die nun ausgesetzte Tarifumstellung ansteigen. „Uns bleibt da nichts anderes übrig, als Einsparungen zu prüfen“, sagt Selders, der rund 70 Mitarbeiter jeden Samstagabend im „Essence“ beschäftigt. Wo jedoch gespart werden kann, ohne das der Anspruch an Qualität und Service verloren geht, wisse er noch nicht.

Hoffnung hegen die Clubbetreiber auf das Schiedsgericht des Patent- und Markenamtes, dass zwischen der Bundesvereinigung der Musikveranstalter und der Gema eine Einigung im Tarifstreit erreichen soll. Im kommenden Frühjahr wird mit einem Vorschlag gerechnet. Auf dessen Grundlage sollen die Tarife dann neu geregelt werden. Bis dahin seien weitere Protestaktionen ausgesetzt, kündigten die Initiatoren der Demonstrationen vom vergangenen Sommer an.

800 Euro Strafe für fünf Tanzende

Auch wenn das Szenario der schließenden Clubs und Bars , wie es viele nach der Veröffentlichung der geplanten Gema-Tarife im Sommer 2012 befürchteten, vorerst ausbleiben wird: die Stimmung unter den Clubbetreibern ist ob des bisherigen Vorgehens der Verwertungsgesellschaft angespannt. „Unsere Strandparty war als Musikveranstaltung ohne Tanz angemeldet, von 800 Gästen tanzten dann bei der Kontrolle fünf – und ich musste 800 Euro Strafe zahlen“, berichtet der Geschäftsführer des Seaside-Beach Holger Walterscheid.

Im „Essence“ habe die Gema versucht, für extra engagierte Stelzenläufer zusätzliche Gebühren zu berechnen, berichtet Michael Selders. Die Vertreterin der städtischen Gastronomen, die Essener Dehoga-Vorsitzende Christiane Behnke, sieht in den steigenden Gebühren einen „Auswuchs der Monopolstellung“. Die Gema versuche, den durch Internet-Downloads entstandenen Schaden nun durch die Clubbetreiber und auch die Gastwirte zu refinanzieren. Schließlich spielen nicht nur Clubs Musik live oder vom Band ab, sondern auch die Kneipen und Bars. „Ein ‘Tanz in den Mai’ ist für viele Gastronomen gar nicht mehr rentabel, dafür sind die Gebühren schon jetzt viel zu horrend“, weiß Behnke.

Wo sich jedoch alle Beteiligten einig sind, ist, dass die Musiker entlohnt werden müssen – auch durch eine Gesellschaft wie der Gema. Aber: „Doch es muss im angemessenen Rahmen bleiben“, fordert Christiane Behnke.

Clemens Boisseree


Kommentare
30.12.2012
22:05
Die Gema-Gebühren steigen - die Partys in Essen gehen vorerst weiter
von Spatenklopper | #5

"Wo sich jedoch alle Beteiligten einig sind, ist, dass die Musiker entlohnt werden müssen – auch durch eine Gesellschaft wie der Gema"

Bekommen die Musiker denn überhaupt auch nur 1 Cent mehr durch die Erhöhung?
Falls ja, wie kann es dann sein, dass die GEMA dort Verhandlungsspielraum hat?
Für mich hat es den faden Beigeschmack zur Sicherung der Vorstandsgehälter, nicht mehr und nicht weniger.

30.12.2012
21:55
Die Gema-Gebühren steigen - die Partys in Essen gehen vorerst weiter
von Spatenklopper | #4

Die Lösung ist so simpel und existiert schon seit Jahren.

Freier Eintritt gepaart mit Mindestverzehr.

30.12.2012
20:01
Eigentlich handelt es sich ja hier noch um ein Luxusproblem
von Tritt_Brettfahrer | #3

„...Die Fläche mit einem Durchschnitt von 53 Quadratmetern…“ mag ja noch lustig erscheinen, sie offenbart aber gleich mehrere Dinge:
- schlechtes Recherchieren
- keine Ahnung von der Materie
- gedankenloses Niederschreiben
- mangelnde Kontrolle
- Scheißegal-Mentalität
So lange man als Leser mit der Materie noch vertraut ist, mag das ja noch angehen. Was ist aber in all den anderen Fällen, in denen wir Leser unsere Zeitung dringend brauchen, um bei den Themen, von denen wir selbst keine Ahnung haben, wichtige und korrekte Informationen zu erhalten? Kann man einer Zeitung noch über den Weg trauen, die offensichtlich Bekanntes schon falsch darstellt?
Und wo ist die Zeitung, die dran bleibt, zum Beispiel am Schicksal der Menschen, denen in Duisburg das Wasser abgedreht wurde. Hier sollte einen Zeitung l ihre Unabhängigkeit beweisen und nicht die Berichte einstellen, sobald herauskommt, dass ein Sozialdemokrat für eine solche unmenschliche und ungesetzliche Aktion verantwortlich ist.

30.12.2012
18:52
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.12.2012
13:32
Die Gema-Gebühren steigen - die Partys in Essen gehen vorerst weiter
von Mort | #1

"Basieren tun..."

Bin das nur ich, oder bekommen andere Leser da auch einen Augenkrampf?

3 Antworten
Die Gema-Gebühren steigen - die Partys in Essen gehen vorerst weiter
von artie_aus_essen | #1-1

Absolute Zustimmung, es ist manchmal echt verwunderlich, was einem hier sprachlich geboten wird.

Die Gema-Gebühren steigen - die Partys in Essen gehen vorerst weiter
von Riffralf | #1-2

schließe mich an ;-)

"tuten tut die Feuerwehr"

Titen, taten, tuten
von RainerN | #1-3

Sie müssen Verständnis dafür haben, vielleicht ist der Schreiber in einer Zeit in die Schule gegangen, als die Tätigkeitswörter noch Tuwörter hießen.

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