Die Fünf, die mir den Schnitt versaute

Meine Mathelehrerin hatte eine ausgesprochen schöne Handschrift, geschwungene Bögen in roter Tinte, das „n“ sah aus wie ein „u“. Ich hatte in der Oberstufe in mittelmäßig weiser Voraussicht alle Naturwissenschaften abgewählt, so musste ich Mathe als drittes Fach mit ins Abi nehmen, schriftlich.

Ich war nie gut in Mathe. Das fing in der Grundschule an, als ich bei Textaufgaben Äpfel durch DM teilte und nachher nicht mehr wusste, was jetzt Obst ist und was Geld. Und in Stufe zwölf, zweites Halbjahr, schrieb ich dann sogar eine Sechs in Mathe, es ging, glaube ich, um „Vektorrechnung“ im „n-dimensionalen Raum“. Ich weiß bis heute nicht, was das ist. Mit entsprechend niedrigen Erwartungen schrieb ich dann im Frühjahr 1992 meine Mathe-Abi-Klausur, mit einem überraschend guten Gefühl ging ich nach Hause. „Es könnte für eine Drei minus reichen“, dachte ich. Falsch gedacht, stellte sich später heraus.

Es war eine Fünf, die mir letztlich den kompletten Schnitt versaute. Ein „Maugelhaft“ in schön geschwungenen Bögen aus roter Tinte.