Die Evag und der Arbeitsdirektor - ein Trauerspiel

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Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Besetzung des Postens ist beschlossene Sache, obwohl er die Evag teuer zu stehen kommt und nicht klar ist, warum ein Arbeitsdirektor eigentlich unbedingt nötig ist. Immerhin konnten Gehalt und Pensions-Rückstellungen minimiert werden.

Wofür die Evag und die anderen unter dem Dach der EVV-Holding versammelten städtischen Töchter einen Arbeitsdirektor brauchen, kann einem konkret eigentlich keiner so richtig erklären. Es gehe darum, bei den weiter anstehenden Spar- und Reformprozessen die Belegschaft „mitzunehmen“ und dafür sei ein solcher Posten irgendwie ganz nützlich, heißt es nebulös.

Nicht dass dieses Mitnehmen unwichtig wäre, ganz im Gegenteil. Aber man kann es Evag-Chef Michael Feller im Zusammenspiel mit freigestellten Betriebsräten wohl zutrauen, dies auch ohne Frühstücksdirektor zu meistern, und bei den Stadtwerken, der EBE oder dem Allbau ist es sicher genauso. Die meisten Kommunalpolitiker lassen sich aber auf eine solche inhaltliche Diskussion lieber gar nicht erst ein. Ein solcher Job sei nun einmal bei Betrieben dieser Größe vorgesehen, die Gewerkschaft könne das notfalls juristisch durchsetzen und also wird er geschaffen.

Etwas enttäuschend ist, dass auch CDU-Fraktionschef Thomas Kufen, der beim EBE-Skandal eine dicke Lippe riskiert, sich dieser organisationspolitischen Logik folgsam unterwirft. Warum soll die verschuldete Stadt Essen eigentlich nicht die erste Kommune sein, die solche Regelungen einmal einer juristischen Grundsatzprüfung unterziehen lässt? Dazu gehört freilich Mut, der selten ist in der Politik.

So muss die Evag, die unter hartem Sparzwang steht, die Kosten wohl schultern. Es ehrt den Evag-Aufsichtsrat und seinen Vorsitzenden, SPD-Ratsherr Wolfgang Weber, dass hier Skrupel zu spüren waren. Zu Recht. Der Verkehrsbetrieb muss für Ansprüche des neuen Vorstandsmitglieds eine sechsstellige Summe als Rücklage bilden, was in der jetzigen Lage wirklich wehtut. Immerhin konnte aber erreicht werden, dass bei Gehalt und Pensionszusagen nun eine Lösung steht, die sich am untersten möglichen Rand bewegt.

Da war man in dieser Stadt früher in ähnlichen Fällen wahrlich großzügiger. Es mag auch an einer genauer hinsehenden medialen Öffentlichkeit liegen, dass Aufsichtsräte nicht mehr einfach abnicken, wenn teure Gehalts- und Pensions-Wünsche auf ihren Tisch kommen. Insofern haben die Skandale von EBE bis EABG und GSE doch ihr Gutes gehabt.