Die Emscher-Insel - stille Tage zwischen Fluss und Kanal

Foto: Frank Stenglein
Was wir bereits wissen
Emscher-Insel - damit ist der Streifen zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher gemeint. Die Insel reicht von Oberhausen bis Castrop-Rauxel, erschlossen wird sie von einem rund 70 Kilometer langen, gut markierten Rad- und Fußweg, wobei der Essener Abschnitt besonders grün und baumreich ist.

Essen.. Früher nannte man solche Ecken Niemandsland, was im Wortsinn zwar falsch ist, aber vom Gefühl her stimmte. Schon länger aber zieht man nicht mehr nur die Augenbrauen hoch, wenn vom „Emschertal“ die Rede ist. Die Emschergenossenschaft hat es in jahrzehntelanger beharrlicher Arbeit geschafft, die Gegend mit dem immer noch gewöhnungsbedürftigen Duft mit positiven Bildern aufzuladen. Eine nette Ideen war es, die „Emscher-Insel“ als Begriff ins Leben zu rufen, von der auch Essen ein Stück besitzt - natürlich in Karnap, dem nördlichsten Essener Stadtteil und dem einzigen jenseits des Flusses.

Emscher-Insel - damit ist der Streifen zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher gemeint. Einträchtig führen sie ein paralleles Dasein. In Karnap etwa sind sie so eng beieinander, dass kaum mehr als ein Radweg dazwischen passt, in den Nachbarstädten gibt es manchmal Straßenzüge voller Insulaner, die sich aber nicht so fühlen. Wo es im Schnitt alle 400 Meter eine Brücke gibt, ist das wohl auch nicht nötig.

70 Kilometer Rad- und Fußweg

Die Emscher-Insel reicht von Oberhausen bis Castrop-Rauxel, erschlossen wird sie von einem rund 70 Kilometer langen, gut markierten Rad- und Fußweg, wobei der Essener Abschnitt besonders grün und baumreich ist. Als Startpunkt für eine Exkursion, egal ob nach Ost oder West, eignet sich zum Beispiel der Parkplatz gleich rechts hinter der Karnaper Kanalbrücke.

Tipp: Von dort aus einfach mal treiben lassen, von Stadt zu Stadt. Ist dieser Hafen oder jenes Industrierelikt noch in Essen oder schon in Bottrop? Auf der Emscher-Insel spielen Grenzen keine große Rolle.

Sicher, das ist hier altes Ruhrgebiet, mit allem was dazugehört. Vielfach benutzte Landschaft, mit unzähligen hübschen Nischen zwar, die aber nicht immer sofort ins Auge springen. Wer Hochleistungsidyllen zum Glücklichsein braucht, ist hier falsch, zumal an warmen Tagen die Scheiße eben stinkt.

Emschergenossenschaft arbeitet schon jetzt am Image

Das ist Essen Die vielen Kanal-Baustellen entlang der Wege sind aber ein klares Signal: Der Tag ist nicht mehr fern, wenn das Abwasser unsichtbar im Untergrund fließt und oben in der Emscher reines Wasser. Spätestens dann, irgendwann um 2020, wird hier im Norden eine neue Zeitrechnung beginnen, und die Emschergenossenschaft arbeitet schon jetzt am Image. Man macht das heute gern mit Kunst - nun ja.

Mein persönliches Highlight ist der Berne-Park, gleich hinter der Stadtgrenze im Bottroper Stadtteil Ebel. Die ehemalige Kläranlage Bernemündung wurde für die Kulturhauptstadt zu einem Park umgebaut, mit dem alten Kläranlagenhaus als Restaurant und Biergarten. „Eines der besten Symbole für den Strukturwandel“, findet Emschergenossen-Sprecher Ilias Abawi. Recht hat er.

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