Die Apostel-Notkirche in Frohnhausen ist ein Geschenk aus Chicago

In ihrer zeitlosen Schönheit wirkt die 1949 erbaute Apostel-Notkirche mit der hölzernen Dachkonstruktion wie ein Gesamtkunstwerk. Der renommierte Kirchenbauer Otto Bartning entwarf den Bausatz für das Hilfswerk der evangelischen Kirche.
In ihrer zeitlosen Schönheit wirkt die 1949 erbaute Apostel-Notkirche mit der hölzernen Dachkonstruktion wie ein Gesamtkunstwerk. Der renommierte Kirchenbauer Otto Bartning entwarf den Bausatz für das Hilfswerk der evangelischen Kirche.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach dem 2. Weltkrieg bauten Gemeinden im zerstörten Deutschland 43 Notkirchen auf - aus Bausätzen mit vorgefertigten Einzelteilen. Eine evangelisch reformierte Gemeinde aus Chicago spendete 50.000 Mark für den Bau der Apostel-Notkirche in Frohnhausen. Diese ist ein Sinnbild der Völkerverständigung und vielleicht bald sogar Weltkulturerbe.

Essen.. In seiner Schlichtheit ist der Raum kaum zu überbieten: Aus einfachem, unbehandeltem Fichtenholz ist die Deckenkonstruktion, die auf teils unverputzten Backsteinen ruht. Trübe schimmert das Tageslicht durch die Milchglasscheiben der schmalen Fenster. Holz und gebrannte Terrakottafliesen, deren Gebrauchsspuren nicht zu übersehen sind, wurden für den Boden verlegt. Und trotzdem strahlt die 1949 erbaute Notkirche an der Frohnhauser Apostelkirche in ihrer zeitlosen Schönheit eine Geborgenheit aus, die jeden Besucher in ihren Bann zieht.

Dabei wurde die Notkirche in einer schweren Zeit erbaut. Der Zweite Weltkrieg hatte tiefe Spuren der Verwüstung nicht nur in der Stadt, sondern auch in den Seelen der Menschen hinterlassen. Die Überlebenden suchten Trost in der christlichen Gemeinschaft - doch viele Kirchen wie die Apostelkirche boten ein Bild der Zerstörung. Um den Gläubigen einen Raum zu geben, hatte Otto Bartning, einer der renommiertesten Kirchenbauer des 20. Jahrhunderts, eine geniale Idee: Er entwickelte einen Kirchenbausatz aus vorgefertigten Einzelteilen, den die Gemeinden selbst zusammenbauen konnten.

Insgesamt 43 dieser Notkirchen wurden in Deutschland erbaut. Das Holz dafür wurde meist von Kirchen aus Skandinavien oder den USA gestiftet. Im Fall der Apostel-Notkirche war es eine evangelisch reformierte Gemeinde aus Chicago, die knapp 50 000 Mark einsammelte, um den Brüdern und Schwestern in Essen eine Kirche zu schenken. „Die Völker, die im Kriege gegeneinanderstanden, reichen sich jetzt die Hände zur Gemeinschaft“, brachte Propst Halfdan Högsbro, Deutschlandvertreter des Weltkirchenrates, das erstaunliche Unternehmen bei der Einweihungsfeier auf den Punkt.

Bis heute ist die Notkirche, die sich gemeinsam mit den noch 41 existierenden Notkirchen um den Titel Weltkulturerbe bewirbt, ein Sinnbild der Völkerverständigung und ein Ort, der Zeitgeschichte sichtbar macht. Denn für den Bau wurden auch Trümmersteine der zerbombten Kirche und des zerstörten Gemeindehauses, das einst an gleicher Stelle stand, wiederverwertet. Wer genau hinschaut, erkennt noch die Brandspuren des Krieges an den Ziegeln.

Trotz des Wiederaufbaus der Apostelkirche diente die Notkirche weiterhin als Sakralraum. Bis der heutige Pfarrer Werner Sonnenberg 1989 gegen anfängliche Widerstände den Plan verwirklichte, zeitgenössische Künstler für die besondere Atmosphäre des Raums zu begeistern und in der Notkirche einen „Kunstraum“ zu installieren. Gerade lief die 92. Ausstellung.

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