Die Alte Badeanstalt Altenessen im Essener Bädertest

Wollen wir’s wagen: Diese Schüler machen in der Alten Badeanstalt in Altenessen einen Schwimmkurs.
Wollen wir’s wagen: Diese Schüler machen in der Alten Badeanstalt in Altenessen einen Schwimmkurs.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Die Alte Badeanstalt in Altenessen besticht durch ihre denkmalgeschützte Fassade. Innen machen große und kleine Nichtschwimmer ihre ersten Schwimmzüge.

Essen.. Schon der Name weist darauf hin, dass man es mit einem besonderen Bad zu tun hat, und tatsächlich steht die Alte Badeanstalt in Altenessen unter Denkmalschutz. 1930 im Stil der Bauhaus-Architektur entworfen sei der Backsteinbau mit der kubischen Wirkung beispielhaft für die „avantgardistischen Formvorstellungen der Architektur in den 20er Jahren“, heißt es auf der Denkmalkarte. Und weiter: „Das Stadtbad ist daher bedeutend für die Geschichte der Menschen.“ Bedeutend ist es bis heute für die Menschen im dicht besiedelten Stadtteil; bloß Avantgarde – also modern, wegweisend – ist das Bad heute nicht mehr.

Der erste Eindruck

Das Bad steht mitten im Leben: Der Markt ist um die Ecke, die U-Bahn-Station vor der Tür. Doch die zentrale Lage zieht offenbar bisweilen das falsche Publikum an, und so wird der Badegast am Eingang mit dem Warnhinweis begrüßt: „Kein öffentliches WC“. Das Foyer punktet dafür mit einem Empfangstresen und hilfreichen Mitarbeitern des Sport- und Gesundheitszentrums, das hier im Haus klar die Hauptrolle spielt.

Die Umkleiden

Wer schwimmen will, muss sich ins erste Stockwerk begeben, und dort das Drehkreuz passieren; Karten gibt es am Automaten. Der Umkleidebereich ist nüchtern in Weiß gehalten und bietet zahlreiche Spinde. Die Umkleide-Inseln mit je drei Kabinen sind locker über den Raum verteilt, dadurch gibt es auch keine Trennung zwischen Stiefel- und Barfußgang. Ein klares Manko, findet Schwimmmeisterin Ellen Scholz.

Die Duschen

Hallenbad-Test Die raue Ansprache von der Eingangstür findet sich im Duschraum wieder: „Rasieren strengens verboten“ steht da, und: „Urinieren strengens verboten“. Wie man hört, sind die Schilder blanke Notwehr: Zeitweilig sollen Besucher die Duschen so verunreinigt hinterlassen haben, dass die Putzkolonne revoltierte. Am Testtag ist alles sauber, auch wenn Duschen und Toiletten nicht verleugnen können, dass sie alt sind. Aktuell finden in den Osterferien übrigens Schönheitsreparaturen im Duschraum statt. Eine Einzelkabine gibt’s nicht, aber danach frage auch kaum jemand, sagt Scholz.

Schwimmhalle und Becken

Die Halle ist äußerst überschaubar, allein die umlaufende Galerie zeugt von vergangener Opulenz. Früher waren dort oben die Umkleiden, heute ist da ein Lagerplatz für diverse Schwimmhilfen. Im einzigen Becken (25 Meter) herrscht Hochbetrieb. Der vordere Bereich ist mit einer Strippe für einen Wassergymnastikkurs abgetrennt, damit nicht genug: Viele Kursteilnehmer stehen auf der anderen Seite der Strippe, obwohl sie im Kursbereich Platz fänden.

„Die weichen in den tiefen Teil aus, damit auch ihre Schultern mit Wasser bedeckt sind“, erklärt ein Azubi. „Wie soll man denn so seine Bahnen ziehen?“, fragt sich eine junge Frau, die heute erstmals da ist. Ob sie wiederkommt? „Die gemischte Nutzung des Bades ist etwas schwierig“, räumt der Geschäftsführer des Sport- und Gesundheitszentrums Arndt Zengerle ein. Bloß: Mit Kursen verdient man eben mehr als mit Schwimmern.

Die Badegäste

Mirko Mölders ist lange nicht mehr geschwommen, nun will er abnehmen, übt sich in Brust und Kraul: „Ist nur ein bisschen voll hier. Und das Bad könnte moderner sein, aber Duschen und Umkleiden sind in Ordnung“, sagt der 28-Jährige aus Karnap. Barbara Winhuysen aus Borbeck kommt seit drei Jahren, weil sie hier nach dem Reha-Sport noch ein wenig schwimmen kann. „Ich brauch’ das. Nur das Wasser könnte wärmer sein!“

Dabei gibt es hier schon luxuriöse zwei Warmbadetage mit 30 Grad (sonst 27 Grad): Samstag und Montag. Klar, das Wasser bleibt auch sonntags schön warm, bloß ist das Bad da leider geschlossen. „Sonntags finden aber Reha- und Kinderschwimmkurse statt“, erklärt Ellen Scholz. Überhaupt ist die Alte Badeanstalt für viele Lehranstalt: Auch Jugendliche und Erwachsene lernen hier noch schwimmen; im multikulturellen Umfeld des Bades leben eben viele Nichtschwimmer. Und gut ein Viertel der 58.960 Badegäste im Jahr 2014 waren Vereinssportler: „Bei Wettkämpfen stehen viele stolze Eltern am Becken“, erzählt die Schwimmmeisterin.

Das Team

Ellen Scholz und ihre Kollegin Heike Willers können das Bad zwar weder vergrößern noch ein Sprungbrett herbeizaubern, tun aber alles, damit sich ihre Gäste wohl fühlen. Wer Platz zum zügigen Schwimmen benötigt, sollte sich an sie wenden: Gut möglich, dass sie eine Bahn abtrennen. Kinder sollten sich nicht grämen, dass es keinen festen Spielnachmittag mehr gibt: Die Mitarbeiter geben ihnen gern Bälle, Matten oder Poolnudeln aus. So familiär ist es hier, dass sich Stammgäste oft bei Scholz und Willers abmelden: „Die Leute sagen Bescheid, wenn sie verreisen, damit wir uns keine Sorgen machen.“ Wie schön, dass sie sich überhaupt Sorgen machen würden!