Die A 40 wird zur Bühne
08.07.2010 | 19:02 Uhr 2010-07-08T19:02:00+0200
Essen. Noch sind alle Tische und Bänke in Essen: Gut 20 000 Bierzeltgarnituren warten in der Messe auf ihren Einsatz am Sonntag, 18. Juli.
Dann werden sie in einer organisatorischen Kraftanstrengung über die 60 Kilometer A 40 zwischen Duisburg und Dortmund verteilt. Bis 11 Uhr morgens folgen Tausende von kreativen Ruhrgebietsbewohnern, die an den Tischen bis 17 Uhr Kultur schaffen wollen.
Es sind derlei Eckdaten, die nicht nur Essens Kulturdezernenten Andreas Bomheuer an der Umsetzbarkeit des Projekts „Still-Leben Ruhrschnellweg“ zweifeln ließen. „Sehr mutig“ fand er die Idee, nun ruft er den 2010-Machern anerkennend zu: „Chapeau für diese logistische Meisterleistung!“ Immerhin 3500 der Biertische verteilen sich allein auf das Essener A 40-Teilstück werden von Vereinen, Chören, Theater-AGs, Sprachkursen, Sportclubs etc. bespielt.
Von Roxopolis bis zu den Armen Rittern
200 der Tische hat die Stadt selbst über ihr Kulturhauptstadtbüro gebucht. Hier präsentieren sich Essens Kultureinrichtungen, von der Kleinkunst bis zur Theater und Philharmonie Essen GmbH (TuP). Weil es sich um ein Fest der Alltagskulturen handelt, sind auch Integrationsrat, Seniorenbeirat oder Agentur für Arbeit vertreten. „Zettel-Tische wird es nicht geben“, verspricht Bomheuer, auch müsse niemand eine Nummer ziehen: „Die Leute sind eingeladen, sich niederzulassen.“ Das gelte auch für jene Tische, die als Rastplätze genutzt werden.
Die Distanzen haben nun mal Autobahn-Format, sechs Kilometer liegen allein zwischen den zwei Essener Bühnen. An der U-Bahn-Station Savignystraße in Holsterhausen spielen von elf bis halb fünf junge Essener Bands, „von Newcomern bis zu bekannteren Acts, von Reggae über Ska bis Punk“, wie Programm-Macher Jürgen Zips-Zimmermann vom Julius-Leber-Haus verrät. Und weil jeder Name eine Nachricht ist, listen wir auf: Albinos, Addictive, Roxopolis, Torpedo Joe, Stadtlichter, The van Buren Boys. Als Top Act beschließen die Armen Ritter den Nachmittag, die mit ihrem Punkrock schon bundesweit unterwegs sind.
Die üblichen Verdächtigen sind auch dabei
Die zweite Bühne am Dreieck Essen-Ost wird von Viktor Seroneit vom Plakatkunsthof Rüttenscheid bespielt. Er stellt sein Kulturhauptstadt-Projekt „Kinder sind der Rhythmus dieser Welt“ vor, lässt die Nachwuchsmusikanten singen und trommeln. Deutlich mehr Bühnenerfahrung bringt die Band „Ruhrschnellweg“ mit, die schon aufgrund ihres Namens für das Still-Leben-Projekt verpflichtet werden musste und gewiss allerlei autobahn-kompatibles Liedgut im Repertoire haben dürfte. Zur Kategorie „die üblichen Verdächtigen“ darf man auch Prominenz à la Marie Luise „Mutter Beimer“ Marjan und Jean „Hobbythek“ Pütz zählen. In seiner Eigenschaft als Oberbürgermeister spricht Reinhard Paß um 14 Uhr ein Grußwort. Außerdem will Paß, „zwölf Kilometer mit dem Rad auf und ab fahren“.
Fassadenmaler Gigo wird derweil beim Storp-Haus in Huttrop „Nicht- und Un-Orte“ gestalten. Farbenfrohe Streetart solle da entstehen, die sich als Passant viel besser entdecken lässt als am Steuer eines Autos. Ohnehin glaubt Kulturdezernent Bomheuer an einen Erkenntniswert durch die erzwungene Entschleunigung: „Dieses Projekt macht darauf aufmerksam, dass die A 40 mancherorts praktisch durchs Wohnzimmer geht.“
13:26
So ein Schwachsinn. Wir haben ja auch noch nicht genug Stau.
Verstehen muss man das alles nicht. Und wer leidet wieder darunter, der Autofahrer.
Herzlichen Glückwunsch zur beklopptesten Idee seit langem.
12:13
Wir sind dabei!!! Bei Km 47,7 in Mh Styrum werden wir einen 152,4 Meter langen Leitplankenschal anbringen und damit die A40 bunter machen.
14:54
Bravo!!! Kann ich nur zustimmen.
09:04
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