„Deutschland bietet Geborgenheit“

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Seit 13 Jahren lebt Ayad Hanna mit seiner Ehefrau Sama Zazar Bethoon Oao in Deutschland. Seit Dienstagabend sind die irakischen Flüchtlinge nun Deutsche: Feierlich wurden sie im Ratssaal von Oberbürgermeister Reinhard Paß eingebürgert. Nach der Verleihung der Urkunde sucht Ayad Hanna nach dem Wort für das Gefühl, das der deutsche Pass ihm und seiner Familie gibt – und formuliert schließlich: Geborgenheit.

„Hier fühlen wir uns sicher und gut aufgehoben”, sagt er. Im Irak sei das nie der Fall gewesen, obwohl zum Zeitpunkt seiner Flucht Christen wie er und seine Frau unter dem Regime Saddam Husseins nicht zu den verfolgten Volksgruppen gehörten. „Aber sicher konnte sich niemand fühlen”, sagt er. Darum verließ er mit seiner Frau, die er im Studium in Bagdad kennengelernt hatte, sein Heimatland.

Da er als irakischer Christ damals nicht als verfolgt galt, wurde er in Deutschland anfangs nur geduldet. Doch er behielt mit seiner Einschätzung recht: Nach Husseins Sturz nahmen die Anschläge auf Christen im Irak zu, die Situation verschärfte sich so, dass das Bundesinnenministerium 2007 die Verfolgung irakischer Christen anerkannte und den Flüchtlingen ein Bleiberecht zusprach – nun konnte Deutschland und damit Essen für die Hannas wirklich zur Heimat werden. Nach acht Jahren wird das nun besiegelt: „So lange muss man hier leben, um die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen zu können”, weiß Hanna. Er hat diese Chance genutzt für sich, seine Frau und seine Kinder, die hier geboren wurden: der vierjährige Sohn Oliver, die elf Monate alte Tochter Maja. „Für uns war wichtig, dass unsere Kinder deutsche Namen bekommen, damit Mitschüler und Lehrer die Namen aussprechen können”, so Hanna, der als Fahrer arbeitet.

Für Oberbürgermeister Paß besitzen die Hannas sowie die weiteren sieben Neubürger, die zur Einbürgerungsfeier gekommen sind, Vorbildcharakter: „Welches bessere Zeichen gegen Intoleranz gibt es, als das was Sie tun: sich einbürgern lassen?”, lobt er in seiner Ansprache. Die Entscheidung, dauerhaft hier leben zu wollen, sei auch ein Kompliment an die Stadt.

Dabei ist mancher, der an der Feierlichkeit teilnimmt, längst alteingesessen: „Ich lebe seit meinem ersten Lebensjahr in Essen“, sagt etwa Daniel Jose Guerrero y van der Kruit, der als Halb-Spanier, Halb-Niederländer zur Feier kommt und später sagt:. „Jetzt bin ich Halb-Spanier, Halb-Deutscher.” Mit seiner holländischen Mutter sei er damals nach Essen gekommen. Für ihn sei es nur konsequent gewesen, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen – um in der Stadt und dem Land, in dem er lebt, auch endlich mitbestimmen zu können.