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Deutsche Twitter-Welt überzieht Evag mit Shitstorm

15.02.2012 | 10:55 Uhr
Deutsche Twitter-Welt überzieht Evag mit Shitstorm
Im vergangenen Jahr startete die Evag eine breit angelegte Online-Offensive auf Facebook. Auf Twitter ist das Team schon länger untwegs. Was ein unbedachter Tweet auslösen kann, erfahren Thorsten Schlautmann, Jens Kloth und Olaf Frei (v.l.) am Mittwoch. Foto: Oliver Müller

Essen.   Innerhalb kürzester Zeit ist die Essener Verkehrs AG bei Twitter zu großer Bekanntheit gelangt: Ein unglücklich formulierter Tweet, bei dem das Unternehmen den Hashtag #evag verbieten wollte, hat die Twitter-User auf die Barrikaden gebracht. Bundesweit ist die Evag bei Twitter damit Trending Topic Nummer eins.

Das Internet vergisst nicht - und es vergibt auch nicht: Eine leidvolle Erfahrung, die am Mittwochmorgen auch die Essener Verkehrs AG machen musste und beim Kurznachrichtendienst Twitter seither von einem sogenannten „Shitstorm“ verfolgt wird. Eine etwas unglückliche Formulierung führte dazu, dass sich Twitter-User aus ganz Deutschland auf das Essener Verkehrsunternehmen eingeschossen haben.

Aber von vorn: Am späten Dienstagabend twittert die Evag sehr deutlich: „Bitte keine Hashtag-Nennungen mit der EVAG bitte. Letzte Warnung." Der Tweet richtet sich an die VRR-Fanpage, ein reiner Satire-Account, der mit dem tatsächlichen Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nach eigenen Angaben nichts zu tun hat. Stattdessen macht sich der Betreiber der „Fanpage“ über den öffentlichen Nahverkehr im Ruhrgebiet lustig - unter anderem über die Evag. Die fühlte sich offenbar beleidigt und wollte sich wohl mit ihrem Tweet zur Wehr setzen.

„Ich hashtagge #evag so oft ich will!“

Hashtags verbieten zu wollen ist allerdings so, als würde man den netzaffinen Twitter-Usern Kurznachrichten mit 140 Zeichen untersagen - schlicht die reine Ironie. Hashtags sind Schlagworte, die durch eine Raute kenntlich gemacht werden, um so die Suche zu vereinfachen.

Glossar
Kleine Twitterkunde

 Twitter: Der sogenannte Mikroblogging-Dienst wurde 2006 in San Francisco gegründet. Seither nutzen Millionen Menschen weltweit das Netwerk, um ihre Kurznachrichten, die Tweets, in Echtzeit, an ihre Follower zu verschicken. 
Tweet
: Als Tweet wird eine maximal 140 Zeichen lange Nachricht bezeichnet. Sängerin Pink hat auf dem Weg die Geburt ihrer Tochter bekannt gegeben, im Arabischen Frühling wurden die Kurzbotschaften zur Vernetzung genutzt.
 Follower: Vergleichbar mit Abonnenten einer Zeitung. Interessieren etwa die Nachrichten der Evag, folget man ihnen auf Twitter.
 Hashtag: Als Hashtag wird die Raute „#“ bezeichnet, mit der man Schlagworte in einem Tweet kenntlich macht. Wer im Suchfenster etwa #Evag eingibt, bekommt alle Tweets ausgespuckt, in denen der Begriff verwendet wurde.
Shitstorm: Mit dieser Empörungswelle machen Internetnutzer ihrem Ärger Luft, indem sie zahlreiche meist unsachliche Kommentare, Blogs und eben Tweets absetzen.
RT: Steht für Retweet. Wenn ein Tweet gefällt, er also zum Beispiel von besonderem Nachrichtenwert ist, kann man ihn teilen (sharen) und ihn so auch seinen Followern empfehlen.

Und es dauerte nicht lange, bis sich die Twitterwelt gegen die Essener Verkehrs AG verschworen hatte: So twittert Rainer Klute: „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein! Letzte Warnung! #evag“. Udo Vetter versucht’s mit einem Wortspiel. „Bitte Vorsicht beim Hashtag #evag. Eva G. möchte nicht erwähnt werden und spricht deshalb Verwarnungen aus.“ Benjamin Vockenberg: „Wenn #evag glaubt, sich mit dem Internet anlegen zu können, dann haben die sich aber kräftig vertan. Ich hash-tagge #evag so oft ich will!“ Schön auch: "Liebe EVAG, haben Sie Euch beim Schwarztwittern erwischt?"

Fast sekündlich rauschen neue Tweets mit dem Hashtag Evag ein. Die Folge: Bei den bundesweiten Twitter-Charts, sogenannte Trending Topics, liegt die Evag auf Platz eins - und gelangt so im Internet ungewollt zu Bekanntheit.

„Das war eine sehr clevere Strategie des unbewussten Guerilla-Marketings von uns“, sagt Pressesprecher Olaf Frei und nimmt die Aufmerksamkeit mit Humor. Man habe de Hashtag #evag natürlich nicht verbieten wollen. Vielmehr sei es nur um den einen User gegangen. Auch Nils Hoffmann, Chef der Evag-Presseabteilung, sieht die Entwicklung mit Humor. "Diese Erfahrung zeigt, dass wir uns das mal intensiv mit viralem Marketing beschäftigen müssen." Dem nun bundesweiten Bekanntheitsgrad misst er allerdings keine allzu hohe Bedeutung bei: "Wir verkaufen unsere Tickets in Essen. Wenn uns nun Menschen in Hamburg oder Frankfurt kennen, haben wir das erstmal nicht so viel von." Weiter reagieren will die Evag nicht - es würde vermutlich auch nicht helfen: Einmal in die Welt gezwitschert, lassen sich die Folgen kaum aufhalten. Denn wenn ein Shitstorm einmal losgebrochen ist, lässt er sich nicht mehr bremsen. Mit Hashtag-Verboten wächst er sich eher zu einem Orkan aus.

Jennifer Schumacher

Kommentare
17.02.2012
08:38
Deutsche Twitter-Welt überzieht Evag mit Shitstorm
von Wen_juckts | #15

Begrifflichkeiten wie SHitstorm zeigen ja schon was in den Köpfen derer, die sich an so einem Unfug beteiligen vorgeht.....
Da ist jedes twittern in...
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Deutsche Twitter-Welt überzieht Evag mit Shitstorm
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/deutsche-twitter-welt-ueberzieht-evag-mit-shitstorm-id6353602.html
2012-02-15 10:55
Twitter,Facebokk,Evag,Hashtag,Internet,Community,Guerilla-Marketing
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