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Deutsche Ärztin unterwegs in den Slums von Nairobi

30.06.2012 | 16:00 Uhr
Christina Keller-Hufnagel in Kenia

Essen.   Die Essener Gynäkologin Christina Keller-Hufnagel hat 14 Tage ihres Urlaubs geopfert, um in Afrika für die Hilfsorganisation „Divinity Foundation“ zu arbeiten, um Menschen, denen es an jeder medizinischen Versorgung fehlt, mit Wissen und Zuspruch zu helfen.

Einweg-Skalpelle hat Christina Keller-Hufnagel aus Deutschland mitgebracht – nur schneiden die nicht. Ein wenig sieht das Material, mit der die Fleischwunde des Massai-Häuptlings vernäht ist, wie Blumendraht aus. „Doch dann hat sich rausgestellt, dass der Schamane zum Nähen Elefantenhaar genommen hat.“ Arbeitsalltag in Kenia, in den Slums von Nairobi – zumindest für zwei Wochen.

Die Essener Gynäkologin hat 14 Tage ihres Urlaubs geopfert, um in Afrika für die Hilfsorganisation „Divinity Foundation“ zu arbeiten, um Menschen, denen es an jeder medizinischen Versorgung fehlt, mit Wissen und Zuspruch zu helfen . Bis zu 160 Patienten am Tag hat sie gezählt, „meist haben wir zehn bis zwölf Stunden gearbeitet, manchmal ohne Pause.“ In den Slums, sagt die dreifache Mutter, die in Altenessen eine Praxis betreibt, seien die meisten Menschen krank. „Die Kinder dort haben fast alle Würmer, viele sind an Lungenentzündungen erkrankt.“

Naturvölker leben gesünder

Ein Gespräch, bei dem die Augen der Medizinerin leuchten, bei dem sie betroffen auf ihre Hände blickt. Glück und Leid, sie lagen bei dieser Reise dicht beieinander. Während starker Regenfälle arbeitete sie in den Slums von Nairobi, „da hat sich schnell ein Bach aus den abfließenden Regenmassen gebildet, in dem Schlamm, Dreck und Wohlstandsmüll durch den Slum schwammen. Das ist es, was so viele Menschen dort krank macht.“

Video
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Deutlich gesünder - obgleich auch ohne medizinische Versorgung - seien die Naturvölker, die am Fuße des Kilimandscharo lebten. „Die Zähne sind relativ gesund, weil sie kaum mit Zucker in Berührung kommen. Sie leben im Einklang mit der Natur.“ Wohlstandsmüll, der verrottet und Brutstätte für Keime ist, gebe es dort nicht.

Relativierung der eigenen Probleme

Besonders berührt war die Essenerin von jungen beschnittenen Frauen . „Staatlich sind diese Eingriffe zwar verboten. Aber wenn die jungen Frauen sich dagegen wehren, finden sie keinen Ehemann.“ Die Folgen seien dramatisch. „Teils werden die Eingriffe mit alten Rasierklingen und Scherben durchgeführt.“ Infektionen und Folgeerkrankungen seien nicht selten. „Ich hatte eine junge Patienten, die mich völlig leer angeschaut hat, weil sie nach der Beschneidung noch unter Schock stand. Dabei kam sie gar nicht für sich selbst, sondern weil ihre jüngeren Geschwister einen Infekt hatten.“

Info
Die Divinity Foundation ist auf Spenden angewiesen

Die Divinity Foundation mit Sitz in England wurde von einer gebürtigen Kenianerin, die als Kind nach England auswanderte, gegründet. Sie ergriff den Beruf der Osteopatin, ging zurück nach Kenia und setzt sich seither für Schwangere und Kinder ein. Geplant ist neben der medizinischen Hilfe der Bau einer Klinik mit zwölf Betten.

Spenden-Konto:
Barclay’s Bank,
Konto: 4342 62,
IBAN: GB45BARC2077624342862 1,
SORT CODE 20-77-62.

Ob Christina Keller-Hufnagel trotz der oft tragischen Schicksale bereut, für die Hilfsorganisation auf Reisen gegangen zu sein? „Nein, auf keinen Fall. Ich werde im nächsten Jahr wieder für zwei Wochen dabei sein“, sagt sie. „Es relativiert die eigenen Probleme, wenn man den Blick auf das Schicksal anderer richtet und sich um ihre Interessen kümmert. Sicherlich hat jeder in seinem Leben manche Dinge falsch gemacht, aber dort zu sein und zu helfen gibt einem das Gefühl, das Richtige zu tun.“ In Deutschland müsse niemand fürchten, an einer Blinddarmentzündung zu sterben. „Trotzdem wird hier viel über die Medizin geschimpft, dabei kann jeder eine gute Basisversorgung bekommen.“

Das sei in Afrika anders. „Ich habe eine junge Frau behandelt, die seit zehn Jahren eine Geschwulst hatte. Sie war im Krankenhaus, um sie entfernen zu lassen, doch da hat man ihr gesagt, das koste 200 Dollar.“ Seit Jahren habe die Frau dafür gespart – dann kamen die deutschen Ärzte und entfernten das Geschwür in einem kurzen Eingriff. „Das Gefühl, das Leben eines Menschen mit so einer relativ kleinen Hilfe positiv beeinflussen zu können und das macht stolz, das nimmt man mit.“

Claudia Pospieszny


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