Designer mit Flaschenlampen auf Ökorausch-Messe
25.09.2011 | 17:14 Uhr 2011-09-25T17:14:00+0200
Essen. Der Designer Sven Ricken aus Byfang gestaltet Recycling-Leuchten aus alten Flaschen. Am Wochenende zeigte er sie erstmals auf der Kölner Ökorausch-Messe. Die Initiatoren der Messe legen vor allem Wert auf Nachhaltigkeit.
„Schön und vollendet“ nennt Sven Ricken die Gestalt einer Weinflasche. Ein tiefer Blick ins Glas brachte den Designer „in einer Weinlaune“ auf die Idee, leere Flaschen nach Gebrauch in einer neuen Funktion weiter leben zu lassen: als formschöne Recycling-Leuchten. Denn eine gute Flasche zu zerstören, um eine schlechte Flasche daraus zu machen, sei nicht einleuchtend, untermalt Ricken seine Ansicht zum altbewährten Weiß-, Braun- und Grünglasrecycling. Mit diesen drei Flaschenglastypen hat er anderes im Sinn. Einleuchtend schien dem Byfanger die Idee eine Lampenserie unter dem Titel „Illustris“ zu entwickeln. Gut ein Jahr ist das her.
Auf der Messe Ökorausch in Köln feierten seine neuen Recycling-Leuchten am Wochenende Marktpremiere. Eine Jury entscheidet, welche Produkte auf der „Ökorausch - die Messe für Design mit Bewusstsein“ ausgestellt werden. Die Initiatoren legen Wert auf Nachhaltigkeit und wählen nur Hersteller aus, die wenig Kunststoffe, schadstofffreie Lacke, Farben und zertifizierte Hölzer verwenden. Außerdem sollen Transportwege kurz gehalten werden, so wie bei Sven Rickens Recycling-Leuchten, die in einem Umkreis von bis zu 35 Kilometern um Essen produziert werden.
„Denn erst der Lack macht das Glas zu einem richtigen Leuchtkörper“
Gut, die Idee Flaschen zum Leuchten zu bringen, ist nicht neu. Das weiß Sven Ricken ebenfalls: „Was das ganze zu einem runden Produkt macht, ist die Bearbeitung. Denn es sieht sehr hässlich aus, wenn ich in einer klaren Flasche eine Glühbirne habe und die Technik, Kabel und die Fassung, sehe.“ Bei seinem leuchtendem Altglas ist von alledem nichts übrig. Es ist nicht mehr klar, sondern bunt und aufwendig veredelt. „Denn erst der Lack macht das Glas zu einem richtigen Leuchtkörper“, weiß er.
Bevor eine alte Weinflasche zur Lampe wird, braucht es 14 Tage, bis jeder Arbeitsschritt abgeschlossen sind. „Alles ist Handarbeit“, sagt Ricken, der mit seinen Illustris-Leuchten ein Ruhrpott-Produkt geschaffen hat, dass zu 80 Prozent aus wiederverwerteten Materialien besteht. Die Rohlinge, ausschließlich italienische Weiß- und Rotweinflaschen, holt Ricken bei Essener Restaurants ab. In Byfang reinigt er sie und entfernt die Etiketten. Eine Herner Leuchtenfirma schneidet die Flaschenböden ab, raut das Glas an und beschichtet es mit bunten Lacken für Leuchtengläser. Danach werden sie bei 180 Grad in einem Spezialofen gebrannt.
Holzsockel aus alten Kirchenbänken
Damit die Leuchte einen festen Halt bekommt, gibt’s einen handgedrechselten Holzsockel. Hierum kümmert sich eine Meisterwerkstatt aus der Region. Basis für den Sockel bieten alte Kirchenbänke, die Ricken einer Essener Gemeinde abgekauft hat. „Es gibt immer mehr Kirchen, die geschlossen werden müssen, weil es weniger Gläubige gibt. Die Gemeinden haben dann keinen Platz mehr für massive Bänke“, sagt Ricken und scherzt: „So springt der göttliche Funke auf meine Leuchten über.“ Die elektrische Ausstattung kommt ebenfalls aus dem Revier. Ricken setzt alle Teile zusammen, verpackt die Leuchten in Recyclingkartonage und verkauft sie für 149 Euro das Stück.
50 Leuchten, eine Vorserie, hat Ricken bereits hergestellt. Das Designprodukt Flasche zu verändern, liegt ihm fern. „Die Flasche hat ein gutes Design, ist schon ein sehr schönes Produkt“, betont er. „Aber warum soll es nur als Verpackung dienen?“ In Florenz hat Ricken Möbeldesign und Innenarchitekt studiert. Und er hat weitere Pläne fürs formschöne Altglas: Auf dem Reißbrett kreiert er Pendelleuchten aus Glasflaschen, baut sie in Beistelltische ein und in Regale für die Küche oder die Bar. Klar, dass bei ihm Energie sparende Leuchtmittel genutzt werden. Zudem werden die Leuchten in Kleinserien hergestellt, um unnötigen Energieverbrauch für die Lagerhaltung zu vermieden.
Weitere Infos zu den Lechten gibt’s unter: www.illustris-plus.de

16:58
Die Idee ist nicht wirklich neu, oder?