Deshalb werden noch viele Bäume an den "Ela"-Folgen sterben

Entwurzelte Bäume im Schellenberger Wald in Essen. Pilze und Krankheiten werden noch viele Bäume des durch den Sturm dezimierten Bestandes dahinraffen.
Entwurzelte Bäume im Schellenberger Wald in Essen. Pilze und Krankheiten werden noch viele Bäume des durch den Sturm dezimierten Bestandes dahinraffen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Folgen des Pfingststurms in Essen sind noch lange nicht beseitigt und die rund 600. 000 Euro, die für 2016 vorgesehen sind, werden nicht reichen.

Essen.. Etwas überspitzt gesagt: Eigentlich haben wir, die Folgen des Pfingststurms betreffend, das Schlimmste noch gar nicht hinter uns. Pilze und Krankheiten werden noch viele Bäume dahinraffen, die „Ela“ zunächst stehen gelassen hat. Bis alle Folgen beseitigt sind, schätzt man, werden wir 2017 haben.

Seit dem Abend des 9. Juni 2014 ist Essen um 20.000 Bäume ärmer – entweder mussten sie sofort gefällt werden oder stehen jetzt so arg beschnitten in der Gegend herum, dass sie leicht Opfer von Pilzen und Schädlingen werden können. Eingerechnet sind da noch nicht mal die Bäume in Essens Wäldern. „Viele Bäume werden noch sterben“, folgert Bernd Schmidt-Knop entsprechend, der Chef des städtischen Betriebs „Grün und Gruga“.

Bürger wütend über Baum-Arbeiten

Für viel Wirbel hatte zuletzt die Verordnung der Stadt gesorgt, dass öffentliche Veranstaltungen nur noch bis Windstärke sechs stattfinden können. Wegen lauter Kritik ist die Verordnung teilweise wieder zurückgenommen worden: Jede geplante Veranstaltung muss jetzt telefonisch mit der Stadt abgeklärt werden – Stichwort: „Gefahrenbäume“.

Das Tückische an den Sturmschäden an Bäumen ist, dass man die meisten gar nicht sieht – deshalb waren so viele Bürger überall im Stadtgebiet aufgebracht, nachdem Arbeiter mit schwerem Gerät ganze Baumreihen oder Bestände arg dezimiert hatten. Motto vielerorts: „Das wäre doch nicht nötig gewesen!“

Jahrestag Doch bei der Grünverwaltung ist man sicher, dass schwere Äste oder ganze Kronen, die sich bislang gehalten haben, wegen feiner Risse jederzeit herunterkrachen könnten. Und weil nach „Ela“ erst mal so viel mit der Beseitigung der Schäden zu tun war, die offensichtlich waren, ist die obligatorische Baumpflege in den letzten Monaten zu kurz gekommen. Man sieht es nicht nur am wuchernden Grün an den Straßenrändern, sondern: Es weiten sich auch Baumkrankheiten aus, schwächen die Pflanzen deutlich mehr als in den Vorjahren.

„Grün und Gruga“ hat auch ein Geldproblem

Ein Großteil der Bäume, die im Stadtgebiet stehen, unterliegen derzeit nicht mehr einem so genannten „Fachstandard“ in der Baumpflege, auf den sich Deutschlands Städte geeinigt haben. Das macht die Grün-Experten so vorsichtig in der Frage nach Veranstaltungs-Genehmigungen. Erst ein Drittel der Parks, Grünflächen mit Bäumen oder Straßenbäume ist nach „Ela“ wieder in den „Fachstandard“ zurückgeführt worden: „Alle noch nicht im Fachstandard befindlichen Baumbereiche sind in diesen zu überführen“, heißt es nüchtern in einer aktuellen Vorlage für den Grün- und Gruga-Ausschuss. Das wird bis 2017 dauern.

Ela-Jahrestag Doch nicht nur der Baumbestand im Stadtgebiet hat sich dauerhaft verändert seit „Ela“: „Grün und Gruga“ hat auch ein Geldproblem. Trotz der Soforthilfe des Landes von 5,7 Millionen Euro kann die Stadt vom kommenden Jahr an nicht mehr alle notwendigen Pflege- und Kontrollarbeiten an den Bäumen im Stadtgebiet erledigen. Wieviel Geld „Grün und Gruga“ zusätzlich benötigt, ist noch offen, nur: Die rund 600. 000 Euro, die fürs Jahr 2016 für die Beseitigung von Sturmschäden vorgesehen sind, werden bei weitem nicht reichen.