Der zweite Kaffee für Bedürftige

Die Freiwilligen-Initiative „Essen packt an!“ (EPA) zählt inzwischen gut 2000 Aktivisten. Ungewöhnlich: Sie haben weder einen Vorsitzenden noch einen Schatzmeister, sie berufen keine Jahreshauptversammlung ein und nennen sich auch nicht „e. V.“. Allerdings werden die so genannten „Epalaner“ bald ein Klubheim beziehen.

Bei dem Treffpunkt handelt sich um das Landhaus Vogelheim auf der Hafenstraße 181 – nicht weit entfernt vom Stadion Essen. „Früher gab’s dort eine Gaststätte mit Biergarten und Übernachtungsmöglichkeiten“, berichtet EPA-Sprecher Markus Pajonk. Künftig will die Essener Freiwilligen-Initiative dort Schulungen und Seminare durchführen sowie zu Konzerten einladen. Auch befreundeten Organisationen wie Nabu, DRK und Technisches Hilfswerk will man die Möglichkeit geben, sich im neuen Domizil vorzustellen.

Der Termin für die offizielle Einweihung steht schon fest: Es wird der 10. Juni sein - der Tag, an dem Essen vor genau einem Jahr vor den Trümmern stand, die der verheerende Pfingststurm „Ela“ im gesamten Stadtgebiet verursacht hatte. Freiwillige verabredeten sich damals spontan über Facebook, um Schulhöfe und Spielplätze, Straßen und Plätze von umgestürzten Bäumen zu befreien – die Initiative „Essen packt an!“ war geboren. Zu Spitzenzeiten engagierten sich 1700 Essener – Handwerker und Angestellte, Studenten und Arbeitslose, Junge und Alte.

Ein halbes Jahr später sollte sich unter dem EPA-Dach eine weitere Initiative namens „Warm durch die Nacht“ gründen. Eine Gruppe, die abends durch die Innenstadt zieht und Obdachlose mit Kleidung, Decken und Suppen versorgt. „Die Suppe wird künftig im Klubheim zubereitet“, sagt Pajonk.

Das neue Klubheim, das jetzt über drei große Räume verfügt, befindet sich in Privatbesitz. Trotzdem werden die EPA-Aktivisten keinen Miete zahlen müssen. „Wir haben das Landhaus mit unseren Leuten gründlich renoviert, dafür brauchen wir bis Ende 2016 keinen Cent Miete zahlen“, sagt Pajonk.

Zurzeit wirbt „Essen packt an!“ für einneuartiges Projekt. Es nennt sich „suspended coffee“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie: aufgeschobener Kaffee. Das Prinzip ist recht einfach. Jemand bezahlt in einem Bistro oder Café außer seinem eigenen Kaffee noch einen weiteren, der später an einen Bedürftigen ausgeschenkt wird. Die Idee stammt aus Italien – in neapolitanischen Bars gibt’s den „caffè sospeso“ schon seit 100 Jahren.

In Deuschland haben sich schon 162 Cafés dieser Initiative angeschlossen. Das erste aus Essen ist das Eiscafé Domenico auf der Krayer Straße 245. Inhaber Issam Zaki sagt: „Wir machen erst seit wenigen Tagen mit und haben schon ein halbes Dutzend Kaffee-Bons in der Glasschale.“ Seit Samstag zieht auch die Bäckerei Förster im Isinger Feld mit.