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Der unbekannte Geburtstag Wassersport

29.02.2008 | 19:33 Uhr

Vor 75 Jahren begann die Aufstauung des Baldeneysees. Das genaue Datum ist nicht bekannt.In zwei Jahren wurde der See von "Menschenhand" angelegt. Chronik spricht von 480 000 Erwerbslosen

"Die Aufstauung des Baldeneysees beginnt." Mit diesem Satz beschreibt Stadtarchivar Klaus Wisotzky in dem Buch "Vom Kaiserbesuch zum Euro-Gipfel" die Entstehung des Wasserreservoirs und Erholungsgebietes Baldeneysee. Das genaue Datum ist nicht zu ermitteln, es muss aber Ende Februar oder Anfang März 1933 gewesen sein. Vermutlich hatten die neuen Machthaber in Deutschland, die Nazis, nach der "Machtergreifung" ihres Führers Adolf Hitler am 30. Januar 1933 alles andere im Kopf als eine Geburtstagsfeier für den neuen See. Erst ein Jahr später, 1934, feierten sie ihn unberechtigt mit einem Hakenkreuz an einer Sandsteinmauer an der Lerchenstraße als "ihr Werk", schrieb von 25 Jahren Thomas Rother in der WAZ.

Bedingt durch den "verpassten" Geburtstag gibt es wenig Quellen aus dieser Zeit. In der Broschüre "Der Essener Baldeneysee", wahrscheinlich aus dem Jahr 1933, steht zur Begründung für den Bau: "Erzwungen ist der See durch den Wasserbedarf der jungen Riesenstädte nördlich der Ruhr." Denn schon 1929 musste im Sommer Wasser aus dem Rhein in die Ruhr gepumpt werden.

Bereits 1927 gab es einen ersten Entwurf für den See. Das Stauwehr sollte rund 2,5 Kilometer östlich des jetzigen gebaut werden. Das aber erwies sich als unwirtschaftlich, die neueren Pläne sahen es an der jetzigen Stelle in Werden vor.

Der Baubeginn erfolgte im Jahr 1931 nach einem Vertrag zwischen der Stadt und dem Ruhrverband. Die Chronik der Stadt aus dem Jahr 1933 spricht von 860 000 Tagwerken, die von über 480 000 Erwerbslosen bei dem Bau geleistet wurden, von "Menschenhand", wie ausdrücklich vermerkt wurde. Die Materialien wurden per Eisenbahn herangeschafft, um die Straßen zu schonen. Dazu wurde ein eigener Bahnanschluss gelegt, an dem "Züge mit 30 Waggons" halten konnten.

Im Mai 1933 war der See aufgestaut. Und wurde sehr schnell zu einem Freizeitparadies. "Mit dem Baldeneysee wurde für Essen eine Anlage geschaffen, wie sie sowohl als Erholungsstätte für eine schwer arbeitende Großstadtbevölkerung als auch durch die Bereicherung und Vervollkommnung des Landschaftsbildes wenige Industriestädte in ähnlicher Lage besitzen", so die Chronik.Schon kurz nach dem Aufstau war der See ein Wassersportparadies. Aber es wurde auch über Faltbootfahrer geklagt, die zum Teil als "Schrecken aller Wassersportler" durch ihr polizeiwidriges Fahren auffallen. Das Freibad wurde erst 1934 eröffnet.

Von Ingo Gutenberger

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