Der Traum vom Schwimmen in Ruhr und Baldeneysee

Es ist ein lang gehegter Wunsch vieler Essener: Die Badehose einpacken, raus zum Baldeneysee oder an die Ruhr fahren und dann ins Wasser springen. Natur-Schwimmen ist in der „Grünen Hauptstadt Europas 2017“ ein großes Thema.

Anfang des Jahres haben Wolf Merkel und seine Kollegen vom Forschungsprojekt „Sichere Ruhr“ eine Studie herausgebracht. Demnach seien 20 bis 30 Badetage pro Jahr ohne gesundheitliche Bedenken möglich. Diese Nachricht war Anlass für die Bildung einer neuen Interessengemeinschaft (IG), die laut einiger Aussage die „Umsetzung eines Badebetriebs an der Ruhr und am Baldeneysee vorbereiten will.“

Ihr stattete Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß zuletzt einen Besuch ab. Der Schirmherr der IG sowie die 60 Vertreter von Vereinen und zuständigen Ämter kamen zu der Einsicht: Das Badeverbot könnte frühestens im Sommer 2016 aufgehoben werden. Umweltdezernentin Simone Raskob erscheint diese Kalkulation recht optimistisch – sie plant mit 2017.

Alle Akteure in der Pflicht

Bei der Finanzierung gibt es schließlich noch Klärungsbedarf. Die Stadt nimmt in diesem Punkt die Sportverbände und Grundstücksbesitzer in die Pflicht. „Wir müssen da eine Partnerschaft entwickeln. Jeder wird sein Päckchen tragen müssen“, sagte Raskob beim Treffen der IG.

Zudem muss die Frage nach dem Wo beantwortet werden. Aktuell stehen noch drei Orte auf der Liste. Allerdings herrschen am Freibad Steele Bedenken wegen der Sauberkeit und am Werdener Löwental wegen der Überwachung.

Konkrete Pläne gibt es für den „Seaside Beach“ am Baldeneysee. Dort könnte das Ufer des Beachsclubs zum Baden freigegeben werden, zunächst für einen Bereich von bis zu fünf Metern. „Entscheidend für das Gelingen ist ein Warnsystem für die Badende“, erklärte Wolf Merkel. Die klassische rote Fahne käme zum Einsatz. Auch eine Smartphone-App wäre denkbar. Grün bedeutet „Schwimmen ist möglich“. Leuchtet die Ampel Rot, hieße das: „Raus aus dem Wasser“. Der zweite Fall dürfte nach Starkregen oder bei Hochwasser oft eintreten. Dann besteht ein erhöhtes Risiko, dass Krankheitserreger ins Wasser gelangen. Auch bei 30 Grad Celsius können die Zeichen auf Rot stehen.

Bernd Schmidt-Knop nimmt Klagen von Bürgern, denen der Sprung ins Wasser dann verweigert wird, in Kauf. „Wir müssen klein anfangen, wir benötigen weiter eine positive Grundstimmung. Auch, falls Rückschläge erfolgen“, sagt der Geschäftsführer von Grün und Gruga. Die Hoffnung auf die Aufhebung eines 45 Jahre alten Verbotes bleibt groß.