Der Ton im Straßenkampf wird rauer
13.01.2013 | 17:54 Uhr 2013-01-13T17:54:00+0100
Essen. Rund drei Wochen vor dem Bürgerentscheid zur Rückbenennung der Von-Einem und Von-Seeckt-Straße beginnt in Rüttenscheid die heiße Wahlkampfphase. 45 741 Bürger sind am 3. Februar gefordert: Sollen die Straßennamen bleiben wie sie sind, oder sollen die umstrittenen Generäle von den Schildern verschwinden?
Keine zwei Meter sind zwischen dem Infostand der Grünen und dem der CDU Platz. Doch auch die räumliche Nähe kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Gräben im Rüttenscheider Straßenkampf immer tiefer und der Ton immer rauer wird. Drei Wochen vor dem Bürgerentscheid haben Gegner und Befürworter der Rückbenennung der Von-Einem und Von-Seeckt-Straße mit einer Kundgebung auf der Rü die heiße Phase des Wahlkampfes eingeläutet.
Für die Initiativen „Irmgard und Ortrud“ und „Pro Von“ startet die heiße Phase vor dem Bürgerentscheid am 3. Februar. Die Stadt verschickt zu Beginn der Woche Wahlbenachrichtigungen an 45 741 stimmberechtigte Bürger.
45 741 Bürger sind am 3. Februar gefordert: Sollen die Straßennamen bleiben wie sie sind, oder sollen mehr als 70 Jahre nach der Benennung die umstrittenen Generäle von den Schildern verschwinden? SPD und Grüne, die sich für eine Rückbenennung in Irmgard- und Ortrudstraße stark machen, werden in dem Ein-Themen-Wahlkampf von ihren Rüttenscheider Mandatsträgern Jens Geier (SPD) und Kai Gehring (Grüne) unterstützt. „Rüttenscheid war immer ein Stadtteil der Vielfalt. Hier leben viele Homosexuelle, Juden und Polen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Gehring. Da dürfe eine Straße nicht den Namen von Kriegstreibern und Schwulen-Hassern behalten.
Unterstützer der Initiative „ProVon“ sehen das anders. „Es geht nicht darum, Generäle aus dem Kaiserreich zu ehren, sondern schlichtweg darum, dass die Anwohner die für alle Seiten aufwendige Rückbenennung nicht wollen“, sagt Thomas Spangenberg.
Härte und Verbissenheit nimmt zu
Die Härte und Verbissenheit, mit der um jede Stimme gekämpft wird, nimmt dabei spürbar zu. Über Mega- und Mikrofone reden beide Lager teilweise gleichzeitig auf die zahlreichen Passanten der Rü ein. Dabei werfen sie sich vor, die Bürger bewusst zu täuschen. Da heißt es, die Kosten, die der Stadt durch die Umbenennung entstünden, würden klein gerechnet, da schieben sich Gegner und Befürworter gegenseitig die Schuld am Scheitern eines vielversprechenden Umwidmungs-Kompromisses in die Schuhe. Von friedliebender Nachbarschaft keine Spur. Eine Tatsache, die auch Spangenberg besorgt. „Ich hoffe, dass wir nach dem 3. Februar wieder friedlich miteinander umgehen können“, so der 61-Jährige.
Das Ruhrgebiet ist nicht nur reich an Bergbaudenkmälern, sondern auch an phantasievollen Straßennamen. Doch Busenbergstraße und Spannerweg sind nur halb so anzüglich wie sie vermuten lassen.
Vielen Anwohnern geht der Streit um die Straßennamen bereits jetzt zu weit. „Klar beschäftigt uns das Thema“, sagt Dennis Gaida (39), der von der geplanten Umbenennung völlig überrascht war. „Aber es gibt dringendere Probleme wie etwa die fehlenden Kita-Plätze oder die Parkplatzsituation im Stadtteil.“ Vor der Abstimmung in gut drei Wochen geben sich sowohl die „ProVon“- als auch die „Irmgard und Ortrud Initiative“ kämpferisch. Ob sich ihr Anliegen am Ende durchsetze, sei alles eine Frage der Mobilisierung.

13:14
Die "von-Einem-Straße" und die "von-Seeckt-Straße" sollten nicht umbenannt werden, sondern komplett abgerissen werden. Dann gucken die schlauen Anwohner und die streitenden Initiativen doof aus der Wäsche. An dieser Stelle würde ich dann einen großen Park für Biertrinker bauen.
13:08
Die "von-Einem-Straße" und die "von-Seeckt-Straße" sollten nicht umbenannt werden, sondern komplett abgerissen werden. Dann gucken die schlauen Anwohner und die streitenden Initiativen doof aus der Wäsche. An dieser Stelle würde ich dann einen großen Park für Biertrinker bauen.
14:50
Tja,die liebe Geschichte. Ist schon ein Kreuz mit ihr. Da wird ein General ,der 1928 den Hitler-Ludendorf -Putsch niedergeschlagen hat und nach seinem Tod 1936 von Nazis als Linientreuer Kaisergeneral instrumentalisiert wurde ,schnell zum Nazi gemacht.
Da wird ein General ,der schwule Armeeangehörige aufgefordert hat diese zu verlassen ,ebenfalls zum Nazi instrumentalisiert . Übrigens ist es noch heute , trotz entgegenläufiger Meinung ,noch immer der Fall , das Schwule in den Armeen der Welt nicht erwünscht sind und nach wie vor , wenn ihre Neigung zum vorschein kommt ,dikriminiert werden .Es hat sich seit dem 1 WK nichts geändert .
Haben diese Politiker welche diesen Streit vom Zaun gebrochen haben,keine anderen Probleme ?
Wie wäre es , die Energie ,welche sie für eine Umbenennung ,aufwenden,einmal für wichtigere Dinge aufwenden. Es gibt doch genug Baustellen in unserer maroden Republik die einer Beseitigung bedürfen .
schon ein Kreuz mit der Geschichte; da wird der Putsch manchmal sogar auf 1928 datiert.
Im Übrigen hat es recht wenig Energie gekostet, in der BV die Entscheidung zu treffen. Die Gegner dieser demokratisch getroffenen Entscheidung kosten und binden Energien. Ist aber auch nicht schlimm, sondern legitim, gegen unliebsame Entscheidungen nicht nur zu protestieren, sondern auch rückgängig machen zu wollwn.
Demokratie kostet Energie !
Wie allerdings eine BV bundespolitische Baustellen beseitigen sollen, bleibt mir schleierhaft!
Um eine große Maschine zum zu bringen bedarf es vieler kleiner Zahnräder .
Genauso verhält es sich in der Maschine BRD. Angefangen bei BV,s .
Da aber in unserem Land ein Zusammenspiel von BV,s ,Stadträte über BL,s bis hin zur BR jeder sein eigenes Süppchen kocht aber niemand das Große als ganzes sieht,wird Deutschland es nie schaffen die vorhandenen Probleme zu lösen .. Angefangen bei den angehäuften Schulden ,immer weiter heruntergefahrene Sozialleistungen bis zum verfall von Regionen wie zb. das Ruhrrevier .Die Politiker untereinander verzetteln sich in kleinkriege ,versuchen mit solchen Aktionen die Bürger untereinander aufzuhetzen und der dumme Bürger hat ,s Maul zu halten und zu akzeptieren und merkt nicht wie er veratscht wird ..Es ist doch kein wunder das die Wahlmüdigkeit der Bürger ,bei so viel Mist der verzapft wird ,immer mehr zunimmt .
Möglicherweise haben beide Generäle sogar mal ihr Kfz vorschriftsgemäß geparkt ... hilft aber bei der Gesamtbeurteilung nicht.
Von Seeckt hat die Reichswehr der Kontrolle durch die demokratisch gewählten Institutionen der damals jungen Republik entzogen.
Von Einem hat möglicherweise auch mal Schwule zum Verlassen der Armee aufgefordert - vor allem hat er aber ihre Vernichtung gefordert. Welche Armee in einem demokratischen Land folgt denn heutzutage diesen Werten? Selbst die USA trennen sich jetzt von der diskriminierenden Dontt-Ask-Dont-Tell-Politik, und menschenverachtendes Handeln einzelner darf wohl kaum zu den Grundprinzipien einer modernen Gesellschaft erhoben werden.
Die ursprünglich ausgewendete Energie für die Umbenennung war übrigens überschaubar. Die BV ist für den Widerstand nicht verantwortlich.
09:32
Wieder mal typisch für Rot/Grün die haben nichts anderes im Kopf als zu stänkern.
Themen die wichtig sind packen die nicht an.Das überlassen diese Damen und Herren anderen Es muß für Betroffene unerträglich sein , wenn Rot/Grün behauptet , in dem Viertel wohnen viele Homosexuelle und Juden für diese seien die seit siebzig Jahren bestehenden Strassennamen unerträglich.So ein scheinheiliger Quatsch.Warum demonstrieren Betroffene nicht? Zeigen offen Flagge?Hat der Europaabgeortnete der Grünen keine andere Beschäftigung?
stänkert denn hier ?
Wie soll der Abgeordnete der Grünen Ihnen denn seine sinnvolle Beschäftigung im Parlament nachweisen, wenn Sie noch nicht mal wissen, in WELCHEM Parlament er sitzt?
07:29
Kompromiss:
Qrtrud von Einem und Irmgard von Seeckt Strasse.
Da freut sich jeder schwule, jüdische Pole in Rüttentütt!
06:01
Liebe #5, schnickundschnack, auf der Bezirksvertreter- Ebene tummeln sich Polit- Amateure. Das ist ja im Prinzip auch ok. Nur bedeutet das auch, dass dort gefällte Entscheidungen nicht unbedingt von Kompetenz und Richtigkeit geprägt sein müssen.
Dass eine knappe Mehrheit, die sich dösiger Weise noch nichtmal im Vorhinein ein Stimmungsbild der tatsächlich Betroffenen gemacht hat, den Widerstand derselben auf sich ziehen kann, ist nachvollziehbar.
Den beiden Herren wird da eine Wichtigkeit zugeschrieben, die sie im 3. Reich überhaupt nicht besessen haben.
Wer kennt den Wortlaut dieser "Anweisung der Alliierten"? Trotz intensiverer Suche habe ich nichts entsprechendes finden können, die taucht im www komischerweise nur in Bezug auf Irmgard und Ortrud auf. Da hat es offenbar einer in den Raum gestellt, und alle plappern es nach.
Sehen Sie, das ist das, was ich mit instrumentalisieren meine. Sie gehören, wie es aussieht, dazu.
in jeder Stadt und in jedem Dorf einige Strassen ziemlich schnell umbeannt worden. Das haben die Allierten mit Sicherheit nicht dem Zufall oder der Selbsterkenntnis der Deutschen überlassen.
Lieber BauerKleppe,
die von Ihnen gesuchte Quelle befindet sich in der Resolution der Anwohnerinitiative „Irmgard & Ortrud“, nachlesbar unter http://www.irmgard-und-ortrud.de/resolution.html. Es handelt sich dabei um Anweisung 30 des Alliierten Kontrollrates vom 13.05.1946, laut der Städte und Gemeinden in Deutschland alle Straßennamen zu ändern hatten, "die geeignet sind, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten, den Militarismus wieder zu erwecken, an die Nazi-Partei zu erinnern oder kriegerische Ereignisse zu verherrlichen". Die Resolution stützt sich zudem auf Expertisen anerkannter Historiker, aus denen hervorgeht, dass die beiden Generäle eben nicht „Kinder ihrer Zeit“ waren, sondern aktive Wegbereiter des Nationalsozialismus.
03:12
Ich finde es sehr gut, klingt zwar witzig, aber das Ruhrgebiet kann mehr, oder?
Bitte Leute
Ich habe keine Lust in der Tangabucht, Busenstraße oder sonst wo zu wohnen! Lasst euch schöne historische Nahemeinfallen und bei der Gelegenheit: Wechselt Eure Straßenschilder, die sind grotten.
Bisschen mehr Stil bitte
02:47
Mal die Frage in den Raum gestellt ..., sollte dann auch nicht alles in Essen mit "Germania" geändert werden, dem 1942 geplanten Mittelpunkt eines großgermanischen Weltreiches, welches bereits auf dem Reissbrett exestierte?
00:22
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00:07
@BauerKleppe: Die meisten Kosten entstehen jetzt durch den Bürgerentscheid, der von der ProVon-Initiative initialisiert wurde, weil sie die Entscheidung der demokratisch legitimierten Bezirksvertretung nicht hinnehmen wollte. Und dass die Straßen 75 Jahre so heißen konnten, hat u.a. damit zu tun, dass die Rückbenennung zwar in der Nachkriegszeit auch aufgrund der alliierten Anweisung zur Entmilitarisierung der Straßennamen hätte durchgeführt werden müssen, die Stadt Essen diese Entmilitarisierungsvorgaben aber missachtete.
@daphnina: Aus den Unterlagen der Alten Synagoge geht hervor, dass es in der Von-Seeckt-Straße neben vielen jüdischen Bewohnern während des Krieges zwei sogenannte "Judenhäuser" gab, in denen die jüdischen Bewohner von Essen gezwungenermaßen "zusammengefasst" wurden. Von deportierten jüdischen Bewohnern zeugen auch mehrere „Stolpersteine“. Zumindest die Zahl der in beiden Straßen beheimateten Juden ist also nachprüfbar.