Der Sturm im Wasserglas

Eine Szene vom Pfingst-Open-Air-Festival 2014: Wegen des Unwetters wurde die Veranstaltung um 21:10 Uhr abgebrochen. Die Besucher flüchteten kurzerhand in Richtung S-Bahnhof Werden. Am kommenden Montag startet die 33. Auflage des Festivals. Bei Windstärke 6 und mehr ist allerdings Schluss.
Eine Szene vom Pfingst-Open-Air-Festival 2014: Wegen des Unwetters wurde die Veranstaltung um 21:10 Uhr abgebrochen. Die Besucher flüchteten kurzerhand in Richtung S-Bahnhof Werden. Am kommenden Montag startet die 33. Auflage des Festivals. Bei Windstärke 6 und mehr ist allerdings Schluss.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Freiluft-Veranstaltungen sollen nun doch nicht schon grundsätzlich ab Windstärke 6 verboten werden. Stattdessen will man die Gefahrenlage individuell klären. Vereinen drohen dadurch neue Kosten.

Essen.. Nach erheblichen Protesten hat die Stadtverwaltung eine erst vor wenigen Tagen gefasste Vorschrift zurückgenommen, wonach Open-Air-Veranstaltungen untersagt werden sollen, wenn für den entsprechenden Tag Windstärke 6 oder mehr angekündigt ist (die NRZ berichtete). Vereine, Schausteller und Event-Agenturen hatten sich beschwert, weil Freiluft-Veranstaltungen aus ihrer Sicht unkalkulierbar geworden wären. Für alle Konzerte und Straßenfeste, die während der Pfingsttage stattfinden, gilt die strenge Regel aber dennoch – da die entsprechenden Vereinbarungen bereits unterzeichnet wurden und so kurzfristig nicht mehr zurückgenommen werden können.

Betroffen ist davon unter anderem das beliebte Pfingst-Open-Air-Festival in Werden, das im vergangenen Jahr wegen Orkan Ela abgebrochen werden musste. Im Klartext heißt das: Sollte die Windgeschwindigkeit am kommenden Montag erneut auf über 39 Stundenkilometer steigen, müssten die Organisatoren ihre Zelte aus Sicherheitsgründen umgehend abbrechen. Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes treten derartige Winde an durchschnittlich 142 Tagen im Jahr auf. Wie die Stadt gestern bekannt gab, mussten im vergangenen Jahr 22 Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden. Umgekehrt konnten 136 Freigaben erteilt werden.

Sicherheitsstandard noch nicht überall erreicht

Künftig soll es nun so sein, dass sich Veranstalter „so früh wie möglich“ beim zuständigen Amt für Straßen und Verkehr melden sollen ( 88 39 021), „um gemeinsam die konkrete Gefahrenlage vor Ort abzuklären“, erklärten der Leiter der Verkehrsbehörde, Klaus Stock, und Bernd Schmidt-Knop, Betriebsleiter bei Grün und Gruga. Im Einzelfall sei dann zu prüfen, ob und welche Bäume sich auf dem jeweiligen Gelände befinden. Von entscheidender Bedeutung sei dabei vor allem die Frage, wann die dort stehenden Bäume zuletzt auf ihre Sicherheit geprüft wurden. Die Intervalle unterscheiden sich allerdings von Baum zu Baum, die Abstände liegen teilweise bei gerade einmal drei Monaten. Deshalb reiche es nicht aus, dass ein bestimmter Baum im vergangenen Jahr für unbedenklich erklärt wurde, da dieser durch Krankheiten erneut gefährdet sein könnte, so Schmidt-Knop weiter.

Nach seiner Ansicht ist der Sicherheitsstand noch nicht in allen Teilen der Stadt erreicht, lediglich in den Bereichen, in denen sich normalerweise Kinder aufhalten, sei die Situation vollständig geklärt. Doch gerade der bereits vor Ela allgemein anerkannte Fachstand für Bäume ist Grundlage, um „pauschal und ohne Auflagen“ hinsichtlich der Baumsicherheit Veranstaltungen zu genehmigen. Tatsächlich haben und hatten Organisatoren auch schon vor Ela nachzuweisen, dass sie für die Sicherheit ihrer Gäste sorgen können. So besitzen große Bühnen beispielsweise eigene Windmesser.

Noch mindestens zwei Jahre Arbeit wegen Ela

„Wir haben allein im Straßenbereich über 80 Prozent aller Baumkronen bearbeitet, trotzdem werden uns die Folgen von Ela mit Sicherheit noch zwei Jahre beschäftigen“, sagte Eckhard Spengler, Sprecher von Grün und Gruga. Deshalb hätte die Genehmigungsbehörde ihre bisherigen Zusagen vorsorglich mit der Ergänzung versehen, dass Veranstaltungen bei Windstärke 6 und mehr nicht durchgeführt werden können. Dies sei aber „primär als Hinweis an den Veranstalter zu sehen“, heißt es bei der Stadt Essen.

Zwar verspricht die Stadtverwaltung den Veranstaltern, angefragte Straßen und Plätze zeitnah zu überprüfen, sollte dies aber aus personellen Gründen einmal nicht möglich sein, müssten die Organisatoren der Stadt helfen – in diesem Fall etwa durch die Übernahme von Gutachterkosten. Gerade für Vereine und Bürgerinitiativen ist das freilich keine leichte Aufgabe. Dieter Groppe von der Essen Marketing GmbH brachte eine andere Idee ins Spiel. Sollte sich keine kurzfristige Lösung finden lassen, so Groppe, könnte man auch schauen, ob es nicht einen alternativen Veranstaltungsort in der Nähe gebe. „Je nachdem wie der Baumbestand vor Ort ist, kann man auch einen Baum absperren. Im Zweifel steht der Bierwagen dann 20 Meter weiter links, so dass es zu keiner Gefährdung kommen kann.“