Der späte Wunsch eines Gitarristen, Abi zu machen

Am Ruhrkolleg in Huttrop macht Sandro Elbers sein Abitur nach.
Am Ruhrkolleg in Huttrop macht Sandro Elbers sein Abitur nach.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Sandro Elbers spielt bei der WDR-Gewinner-Band „Kellerwerk“. Und erzählt jetzt von seiner Hochschulreife mit 24 Jahren.

Essen.. Warum wollen junge Erwachsene das Abi nachholen? Meistens liegt es daran, dass bei ihnen bestimmte Erkenntnisse erst später reifen als bei anderen. Oder die Dinge einen anderen Lauf nehmen als geplant. Mehrere Erwachsene, die derzeit am Huttroper Ruhr-Kolleg ihr Abi nachholen, informieren Interessierte über Bildung auf Umwegen – am Mittwoch stehen Leute wie Sandro Elbers im „Bildungspunkt“ (Kennedyplatz) Rede und Antwort.

Wenn alles glatt läuft, und davon gehen alle Beteiligten aus, wird Sandro im Herbst das Ruhr-Kolleg mit dem Abi verlassen. Die städtische Bildungseinrichtung nimmt junge Erwachsene ab 18 Jahren auf, die einen Realschulabschluss und eine zweijährige Berufstätigkeit vorweisen können. Sandro hatte nach dem Abschluss an der Franz-Dinnendahl-Realschule gleich zwei Lehren absolviert: „Chemietechnischer Assistent und Zahntechniker“, berichtet der 24-Jährige.

"Plan A" heißt für Sandro Elbers ein Studium

Doch nach zwei Jahren im Dentallabor, in denen er lernte, Zahnersatz herzustellen, da war ihm klar: „Das kann noch nicht alles gewesen sein.“

Ein Kollege aus seiner Band wies ihn auf das „Ruhr-Kolleg“ hin: „Deshalb bin ich jetzt hier.“ Sandro Elbers ist Gitarrist bei der Gruppe „Kellerwerk“, einer Deutsch-Rock-Pop-Formation, die im letzten Jahr einen WDR2-Wettbewerb gewann und bereits als Vorband für namhafte Musiker wie Stefanie Heinzmann auf der Bühne stand.

„Profi-Musiker“, sagt Sandro Elbers, „will ich aber nicht werden.“ Allein der aktuelle Produzent der neuen Platte von „Kellerwerk“, „ein sehr bekannter und erfahrener Profi“, meint Elbers, habe ihm davon abgeraten. „Man braucht, auch wenn man etwas Erfolg hat im Business hat, einen Plan A. Die Karrieren sind so kurzfristig, nach zwei Jahren kann man schon wieder komplett weg sein.“ Deshalb: „Plan A“ heißt für Sandro ein Studium. „Entweder Chemie oder Zahnmedizin.“ Dass besonders der Studiengang Chemie hohe Abbrecherzahlen hat, schreckt ihn nicht ab: „Der praktische Anteil am Studium ist hoch, das verwundert viele, die direkt vom Gymnasium kommen.“ Sandro hat also durchaus einen Vorteil. Das Abi am Ruhr-Kolleg ist somit nur der eine Schritt zum nächsten.