Der Schlüssel zur Bärendelle scheint gefunden

Denkmalgeschützt, baufällig und seit über drei Jahren leerstehend: Das wuchtige Gebäude der alten Hauptschule an der Bärendelle soll Ende 2016 für 51 Mietparteien zum neues Zuhause werden.
Denkmalgeschützt, baufällig und seit über drei Jahren leerstehend: Das wuchtige Gebäude der alten Hauptschule an der Bärendelle soll Ende 2016 für 51 Mietparteien zum neues Zuhause werden.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wohn-Investor Cepheus will das denkmalgeschützte Schulgebäude in Frohnhausen für 51 Wohnungen umbauen und im Erdgeschoss Räume für ein sozio-kulturelles Zentrum schaffen. Initiative bleibt skeptisch.

Essen.. Der Einsatztrupp der Polizei kam morgens um sechs, und er kam mit schwerem Gerät: kampfbehelmt, die Kettensäge parat, den Schlagstock in Griffweite und eine Art Räumpanzer vor der Tür: Man weiß ja nie.

Mehr als eineinhalb Jahre ist das jetzt her, und die Räumung der zwei Tage lang besetzten Hauptschule an der Bärendelle in Frohnhausen am Ende doch glimpflich vonstatten gegangen. Die Auseinandersetzung um den gut 100 Jahre alten stattlichen Schulbau aber schwelte seither weiter: Wie lässt sich einem baufälligen, aber denkmalgeschützten, leer stehenden, aber hervorragend gelegenen Gebäude neues Leben einhauchen? Wie kann man damit einerseits gewinnbringend wirtschaften und andererseits gleichzeitig den Wunsch nach einem soziokulturellen Zentrum erfüllen – ein Anlaufpunkt für Kinder, Kunst, Kultur und soziale Belange?

Bei der Stadt glauben sie jetzt, die Lösung gefunden zu haben, und den Partner fand man dabei in unmittelbarer Nachbarschaft: Dort hatte die niederrheinische Cepheus GmbH & Co. KG vor einigen Jahren rund 200 Immeo-Wohnungen übernommen und will das Quartier jetzt mit einer Projektentwicklung für das ebenso idyllisch gelegene wie wuchtige Schulgebäude abschließen.

Betriebskosten müsste das neue Zentrum schon selbst tragen

51 Mietwohnungen mit zusammen 3.600 Quadratmetern Wohnfläche sollen dort entstehen, zwischen 45 und 105 Quadratmeter groß, wobei Geschäftsführer Reinhard Fleurkens ausdrücklich betont, dass da „keine Luxussanierung“ angepeilt wird, sondern: Wohnen zu bezahlbaren Preisen mit Quadratmeter-Preisen zwischen 6,50 und 8 Euro. Geschickt eingebaute Aufzüge sorgen für Barrierefreiheit, Loggien zur Front und Balkone zur Rückseite heben den Wohnwert, und 60 Parkplätze im Hinterhof verschwinden unter einem Dach.

Was Planungsdezernent Hans-Jürgen Best genauso wie die Politik für die Cepheus-Pläne einnimmt, ist der Umstand, dass das zu einer Familienstiftung gehörende Wohnungsunternehmen nicht allein ans Geldverdienen denkt. Sondern im Erdgeschoss des Gebäudes Räumlichkeiten in einer Größenordnung von immerhin rund 500 Quadratmetern für soziale oder kulturelle Zwecke reservieren will und damit den Wünschen aus dem Stadtteil entgegenkommt. Wer da was wie nutzt, da mag Fleurkens sich nicht einmengen. Bedingung ist für ihn nur, dass sich der Betrieb dort mit der Wohnnutzung verträgt und dass Cepheus nur einen Ansprechpartner hat – gleich, ob nun die Stadt, ein Verein oder ein kirchlicher Träger den Hut aufhat. Die Betriebskosten müsste das neue Zentrum schon selbst tragen, die Miete aber hat wohl eher symbolischen Charakter.

Nur Schachclub und Häkelgruppe?

SPD, CDU und auch die Parteipiraten lobten gestern die Pläne als gelungenen Mix aus Wohnen und Kultur, während Bezirksbürgermeister Klaus Persch seiner Erleichterung Luft macht: „Für Frohnhausen geht eine Leidenszeit zu Ende.“ In die Planung fließe nun „fast alles ein, was wir uns vorgestellt haben“.

Eine beachtliche Delle im Konzept erkennt dagegen Udo Seibert, Bezirksvertreter der Linken und Mitglied der Bürgerinitiative Bärendelle: Er sieht die Pläne „unheimlich skeptisch“ und den Denkmalschutz genauso ausgehöhlt wie die Chancen, ein echtes sozio-kulturelles Zentrum zu formen: Mit Rücksicht auf eine empfindliche Nachbarschaft sei ja wohl „nur noch ein Schachclub oder eine Häkelgruppe möglich“. Aber nicht nur, dass Lautsein untersagt bleiben dürfte, ärgert Seibert, sondern auch, dass weder Stadt noch Cepheus das Gespräch gesucht hätten: „Die hat einen Dreck interessiert, was wir wollen.“

Ein Bärendienst also für die Bärendelle? Stadt und Käufer dürfte die Kritik kaum noch anfechten: Mit den Genehmigungsbehörden ist sich Cepheus größtenteils bereits einig. Und wenn nichts mehr dazwischenkommt, soll im Herbst der sieben bis acht Millionen Euro teure und geschätzt 15 Monate dauernde Umbau beginnen.

Und wenn die Bürgerinitiative nicht mitspielt? „Kein Problem, sagt Bezirksbürgermeister Persch: Wenn die keine vernünftige Nutzung zustande bringt, „werden wir was anderes finden“.