Der reguläre Weg zum Titel
09.09.2009 | 14:00 Uhr 2009-09-09T14:00:00+0200
Uni Duisburg-Essen legt großen Wert auf Qualität und Transparenz des Promotionsverfahrens.
Der bundesweite Skandal um erkaufte Doktortitel über ein Institut in Bergisch-Gladbach erfasste in der vergangenen Woche auch die Universität Duisburg-Essen (UDE) - wir berichteten. Während die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt, wartet man an der Hochschule gespannt auf erste Ergebnisse. Überrascht von der Möglichkeit das traditionelle Promotionsverfahren zu unterwandern, beleuchtet Dr. Markus Steinmayr, Gründungsmanager des Promovierendenforum an der UDE, die Hürden auf dem Weg zumDoktortitel.
Wie wirkt sich der Skandal derzeit an der Uni aus?
Markus Steinmayr: Die Geschichte sorgt für große Aufregung, denn sie führt zur Entwertung des Doktortitels in der Öffentlichkeit.
Hat das reguläre Promotionsverfahren Lücken, die zum Missbrauch einladen?
Steinmayr: Nein! Es ist gut gewappnet gegen Missbrauch. Deswegen sind wir sehr daran interessiert zügig zu erfahren, wie dieses komplexe und transparente Verfahren unterwandert werden konnte.
Wie läuft ein Promotionsverfahren ab?
Steinmayr: Voraussetzung für eine Promotion ist ein mindestens „guter” Abschluss des Master-Studiengangs, vormals Magister- und Diplomstudiengang. Ein Promotionsausschuss mit mehreren Professoren und akademischen Mitarbeitern, der vom Fakultätsrat eingesetzt wird, entscheidet über die Zulassung zur Promotion, über die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses sowie über den Zweitgutachter. Die Dekanate eröffnen dann das Promotionsverfahren. Alle Unterlagen liegen hier vor und sind von allen Hochschullehrern einsehbar. Der Promovierende muss eine schriftliche Arbeit (Dissertation) erstellen, die von mindestens zwei Betreuern begutachtet wird. Ein mündliche Prüfung, an der die Mehrheit der Fakultät, mindestens aber sechs Personen teilnehmen, schließt das Verfahren ab.
Ist das Verfahren an allen Fakultäten gleich?
Steinmayr: Das Landeshochschulrecht macht gewisse Vorgaben. Daher sind die Rahmenbedingungen an allen Fakultäten und auch Universitäten etwa gleich.
Wie kann dieses Verfahren also unterwandert werden?
Steinmayr: Dazu gehört viel kriminelle Energie. Es sind so viele verschiedene Menschen beteiligt und es gibt so viele Möglichkeiten, Unregelmäßigkeiten aufzudecken, dass es eigentlich nicht möglich ist, das Verfahren zu unterwandern.
Wieviele Promotionen zählt die UDE im Jahr?
Steinmayr: Für das Jahr 2008/09 sind 402 abgeschlossene Promotionen registriert, davon 145 in der Medizinischen Fakultät und 257 an den übrigen Fakultäten der UDE. Der Frauenanteil liegt im Durchschnitt bei 39 Prozent, bei den Medizinern sind 55 Prozent Frauen. 1600 Promovierende befinden sich derzeit im Verfahren.
Hat der Doktortitel heute eine größere Bedeutung als früher?
Steinmayr: In der Medizin und in den Naturwissenschaften ist der Doktortitel früher wie heute von größter Bedeutung. Für den wissenschaftlichen Arbeitsmarkt wird die Qualität der Dissertation immer wichtiger. Sie ist der „door-opener” zum Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere. Im außerwissenschaftlichen Bereich ist der Doktortitel für bestimmte Leitungsfunktionen in Verwaltung und Unternehmen interessant, zumal er für Kompetenz und Qualifikation spricht. Und natürlich bringt der Titel auch mehr Gehalt - rund 13 000 Euro im Jahr.
Sie haben selbst einen Doktortitel. Trifft der Skandal Sie persönlich?
Steinmayr: Es ärgert mich, das der Titel durch solche Skandale entwertet wird. Denn ich weiß, wieviel Zeit, Schweiß und Arbeit erforderlich sind, um diesen Titel zu erlangen. Das Besondere ist, dass dieser Titel in Deutschland nur innerhalb von Universitäten vergeben werden kann, die für die wissenschaftliche Qualität der Forschungsarbeit bürgen.
Fotos: Walter Buchholz
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