Der Ostfriedhof, ein Freilichtmuseum der Essener Geschichte

Künstlerischer Aufwand, der unüblich geworden ist: Auf dem Ostfriedhof gibt es viele Beispiele einer untergegangenen Friedhofskultur.
Künstlerischer Aufwand, der unüblich geworden ist: Auf dem Ostfriedhof gibt es viele Beispiele einer untergegangenen Friedhofskultur.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Ostfriedhof ist nicht nur Trauerort und Natur-Oase, es stehen dort auch besonders viele Grabmäler von Essener Familien, die die Stadtgeschichte prägten. Darunter sind schöne Beispiele für die Friedhofskultur vergangener Zeiten. Allerdings gibt es ein Problem.

Essen.. Natürlich sind Friedhöfe erst einmal Orte der Trauer. Längst aber dienen sie auch als Natur-Oasen mitten in der Großstadt, und einer, der Ostfriedhof in Huttrop, ist zusätzlich ein besonderer Ort der Geschichte Hier liegen die Mitglieder vieler alter Essener Familien begraben, die die Stadtgeschichte prägten und die ihre Bedeutung - oder ihren Reichtum - mit aufwendigen Grabmälern dokumentierten.

Ursprünglich hatten die Baedeker und Huyssen, die Grillo und Zweigert ihre letzte Ruhe am Friedhof am Kettwiger Tor gefunden, der sich zwischen Hauptbahnhof und den heutigen Evonik-Gebäuden befand. Weil dieser erste kommunale Essener Friedhof der heutigen Autobahn A 40 weichen musste, wurden 1955 rund 500 Grabmäler mitsamt der sterblichen Überreste umgesiedelt. Auf dem Ostfriedhof ergab sich so auf einigen Feldern eine Ansammlung alter Grabstätten aus allen Epochen, angeordnet nicht in Reih und Glied, sondern locker hingestellt. Die üppige Natur tat dann das ihre, um nach und nach eine Art Geschichts-Park entstehen zu lassen.

Mit einem Geschützturm die Lebenden beeindrucken

Friedhofskultur früher - das war oft der Versuch, den Verstorbenen durch prächtige Grabmale ein Stück unsterblich zu machen. Der Bergwerksdirektor Hilger etwa zeigt mit Hammer und Schlegel, womit er zu Lebzeiten Bedeutung erlangte, und Krupp-Direktor Otto Budde sucht mit Kopf-Bildnis und einem angedeuteten Geschützturm die heute Lebenden zu beeindrucken. Auf dem Grabmal der Essener Schnapsbrenner-Dynastie Rauter heißt es trotzig, aber bibelgemäß: „Tod, wo ist dein Stachel?“

Essen entdecken Vergänglich ist auf dieser Welt aber eben letztlich alles - auch ein noch so solides Grab-Monument, sofern es nicht hin und wieder saniert wird, was auf dem Ostfriedhof die große Ausnahme ist. Erich Zweigert, vielleicht der bedeutendste Oberbürgermeister, den Essen je hatte, genießt wie einige andere frühere Stadtoberhäupter den Vorzug eines Ehrengrabs, zu dessen Erhalt sich das Rathaus verpflichtet hat. Ansonsten aber regiert der Verfall. Nicht einmal der Industrielle Friedrich Grillo konnte in dieser Hinsicht auf die Stadt setzen, der er immerhin ein Theater geschenkt hat, das bis heute seinen Namen trägt.

Einsturzgefahr wird wohl bald zu Sperrungen führen

Für den Familienforscher Michael Maas ist es nur eine Frage der Zeit, wann besonders die größeren Grabmäler wegen Einsturzgefahr abgesperrt werden müssen. Nicht nur Maas, der hin und wieder Führungen durch die historische Gräberlandschaft anbietet, fände das bedauerlich: „Der Ostfriedhof ist für mich ein Freilichtmuseum der Essener Geschichte.“ Insofern kann man interessierten Essenern nur empfehlen: Besuchen Sie die historischen Grabmäler des Ostfriedhofs, solange es noch geht.

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