Der mit den Flügeln tanzt
12.12.2008 | 19:21 Uhr 2008-12-12T19:21:07+0100Ratko Delorko gilt als einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit. Der Kettwiger ist der einzige Pianist, der 22 historische Tasteninstrumente auf die Bühne bringt - und sie spielt. Ein Multitalent der besonderen Art
SERIE MITMENSCHEN Ohne Frack sieht er aus wie ein Trapper aus Kanada. Mit Frack ebenfalls. Doch der Eindruck täuscht: Der in Kettwig lebende international gefragte Pianist, Flügel-Sammler und Entertainer Ratko Delorko (49) gehört zu den vielseitigsten Musikern unserer Zeit. Der bärige Player passt in kein Klischee - er spielt Mozart und Beethoven, Gershwin und Jazz, er ist als Dirigent unterwegs und hat 1991 eine Oper komponiert, die in Düsseldorf uraufgeführt wurde: "Die Ey" - für Vokalisten, Computer, synthetische Klangerzeuger und Klavier.
"Ich bin sehr gerne ein musikalischer Überzeugungstäter. Ich komme aus einer künstlerischen Familie und durfte 1966 in einer Frankenfeldshow ("Mein Steckenpferd") meinen Vater am Flügel begleiten. Da stand für mich fest: ich werde Pianist." Und die ersten kleinen Kompositionen perlten auf die schwarzen und weißen Tasten. "Ich war sicher kein kleiner Mozart, aber ich wurde ein echter kleiner Delorko."
Ratko Delorko, der multitalentierte Sohn eines Operntenors, ist der, der mit den Pianos tanzt. Manchmal sogar mit 22 Flügeln an einem Abend - dann erzählt der Entertainer von der spannende Geschichte des Klaviers, spielt auf seinen Raritäten - insgesamt sind es inzwischen 40 Oldtimer, die er seit 1995 weltweit mit ungebrochener Jagdleidenschaft aufspürt und - kauft.
Radko: "Ich spreche mit jedem meiner Instrumente, ich verstehe, was sie mir antworten. Und doch: Ich bewahre nicht die Asche, sondern trage die Fahne."
Er bekennt: "Ich war kein Superschüler, doch ich rettete mich vor jeder Versetzung mit einem Klavierabend in der Aula der Schule." Nach einem Unfall mit dem Fahrrad schien der Traum vom Pianisten ausgeträumt, doch Ratko geriet in die Hände eine Arztes, der Musikliebhaber war. "Nach einem Jahr konnte ich wieder am Piano arbeiten. Ich spielte und spielte. Niemand konnte mich stoppen." Kein Wunder, dass Ratko Delorko 1984 nach nur neun Semestern alle drei Examen absolvierte. Seit 25 Jahren ist er inzwischen als freier Pianist unterwegs, legte 25 CD im eigenen Studio auf, darunter auch "All Gershwin", Werke, die er am 7. Januar um 19. 30 im RWE-Pavillon der Philharmonie aufführt.
Das Repertoire des Freischaffenden (50 bis 80 Konzerte spielt er pro Jahr), der auch an der Hochschule für Musik in Frankfurt einen Lehrauftrag angenommen hat, umfasst Werke vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik. Delorko beschäftigt sich neben den Standardwerken der Solo- und Konzertliteratur auch mit weniger bekannten Tondichtern oder bislang unbekannten Stücken.
Zitat aus der FAZ: "Es ist immer wieder faszinierend, wenn ein einsamer Pianist im Saal der Alten Oper in Frankfurt einige Tausend Zuhörer in seinen Bann zieht. Voraussetzung hierfür ist nicht nur eine fesselnde künstlerische Persönlichkeit, sondern auch ein Instrument, das die subtilen klanglichen und emotionalen Prozesse bis in die letzte Reihe tragen kann."
Zitat aus der Rheinischen Post: "Nach zwei Stücken aus "Porgy and Bess" dann der Höhepunkt, die "Rhapsody in blue". Das war Gershwin pur. Delorko war nun richtig aufgewärmt und griff in die Vollen, dass es eine wahre Wonne war. Stürmischer Applaus in der vollen Düsseldorfer Komödie, einige Zugaben."
Neben den konventionellen Auftritten als Pianist ist Ratko Delorko der bisher einzige Musiker, der bis zu 22 historische Tasten-Instrumente auf der Bühne spielt. Als Steinway sein 150-jähriges Bestehen fei-erte, kreierte der Kettwiger das Programm "Die Geschichte der Steinways" als Konzert und CD-Aufnahme mit 21 Instrumenten. Seine CD "Die Geschichte des Klaviers" erläutert die technische und klangliche Entwicklung des Klaviers anhand von Musikbeispielen - jeweils gespielt auf den historischen Instrumenten - aus 300 Jahren.
Dieses Projekt weitete er zu einem Konzerterlebnis aus - und geht damit auf Reisen. Immer in Begleitung eines Sattelschleppers. Der Musiker hält Vorträge und gibt Meisterkurse in Europa und USA.
Er tritt vor 2500 Menschen in der Berliner Philharmonie ebenso auf wie in der Dachstein-Eishöhle der österreichischen Alpen. Dann ist er Trapper im ewigen Eis, dann ist er ein Aktionskünstler, der sagt: "Musik kennt keine Grenzen, jede Location ist ein Ort für die Kunst. Die Klassik aber ist für mich Popmusik aus alter Zeit, die überlebt hat."
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