Der langlebigste Film Deutschlands läuft in Essen: Harold and Maude

Zur Feier des 40. Geburtstags von „Harold and Maude“ in Essen rollten die Betreiber des Filmstdios Glückauf den roten Teppich aus.
Zur Feier des 40. Geburtstags von „Harold and Maude“ in Essen rollten die Betreiber des Filmstdios Glückauf den roten Teppich aus.
Foto: FUNKE Foto Services
Schon 40 Jahre lang hält die Liebe zwischen Essens Kino-Fans und dem Kultfilm „Harold and Maude“. Über 200 Besucher kamen zur Geburtstags-Vorführung.

Essen.. Und er läuft und läuft, genau genommen so lange wie kein zweiter in irgendeinem Kino in Deutschland: Seit 40 Jahren kann man in der Galerie Cinema den Filmklassiker „Harold and Maude“ anschauen. Für die Geburtstagsvorstellung reichte am Wochenende das Wohnzimmerkino in Rüttenscheid aber nicht aus. Über 200 Besucher kamen trotz Sommerwetter zum Filmstudio Glückauf an der Rü, um bei dieser zeitlosen Romanze dabei zu sein.

Und die währt schon so lange, dass sich auch Kino-Betreiberin Marianne Menze „nur noch grau“ erinnern kann, wie alles anfing, damals 1974. Drei Jahre lang wartete man vergeblich darauf, dass sich ein deutscher Verleiher für die etwas andere Liebesgeschichte zwischen der 80-jährigen Maude und dem kauzigen Harold findet. Bis die noch junge Arbeitsgemeinschaft (AG) Kino den Streifen in Eigenregie in Deutschland anlaufen lässt. Federführend war bei der AG-Gründung Peter Hüster, damals noch frischer Betreiber der jungen Galerie Cinema – und so ist die Geschichte von Harald und Maude auch ein bisschen die der Essener Filmkunsttheater.

„Der Erfolg war nicht absehbar.“

„Der Erfolg war gar nicht absehbar“, erzählt Marianne Menze, während neben ihr ein junger Musiker den Cat Stevens macht. Stilecht werden die Besucher begrüßt, mit rotem Teppich, originalem Soundtrack und dickem Leichenwagen vor der Tür – Anspielung auf den morbiden Spleen von Filmheld Harold. Vor der Kasse hat sich schon die erste Schlange gebildet, heute werden erheblich mehr Zuschauer kommen als die durchschnittlich zehn in der Galerie.

Unter ihnen ist auch Joachim Luger, Vater Beimer aus der Lindenstraße. „Den Film habe ich mehr als ein Dutzend Mal gesehen. Die ersten – mindestens – drei Mal in der Galerie Cinema während meines Engagements von 1974 bis 1978 in Essen“, so der Schauspieler, der heute in Bochum lebt.

Ganz so oft hat Christa Brodin den Film nicht angeschaut. „Zuletzt vor 35 Jahren“, berichtet die 73-Jährige und knabbert weiter am Ingwerplätzchen, mit denen die Besucher empfangen werden. Wie auch der, heute ausgeschenkte und weitgehend geschmacksneutrale, Haferstroh-Tee eine Spezialität der Heldin Maude. Tischnachbarin Marlene Ostermann (76) stößt auf den Geburtstag lieber mit einem Gläschen Sekt an, sie hat schon einige Vorstellungen „Harold and Maude“ mehr auf dem Konto. „Oh ja, und ich entdecke immer wieder etwas Neues.“

Mehr als 25 Mal, wird Kino-Betreiberin Marianne Menze bei ihrer Begrüßungsrede und der Frage in die Runde erfahren, haben tatsächlich einige Besucher den Klassiker gesehen. Wenn es nach ihr geht, so wird diese Romanze auch weiterhin zeitlos bleiben, Mindestens für die nächsten 40 Jahre.