Der König des Klezmer in der Erlöserkirche

Was für ein Auftritt! Ganz zart, kaum zu hören und doch unglaublich präsent schwebte zunächst ein Klarinettenklang durch die Erlöserkirche, den selbst Agnostiker sofort als den seinen erkannten. Giora Feidman, König des Klezmer, gab sich mit seinem „Jazz Experience“-Quartett die Ehre, uns für zwei Stunden von der Mühsal des Alltags zu erlösen.

„Bei mir bistu shein“,hieß das erste Versprechen des bald 79-Jährigen, dem drei vergleichsweise junge Saiten-Künstler eine duftige Spielwiese für seine immer noch makellos intonierten Melodien boten. Grundsolide der Bass von Guido Jäger, etwas arg eitel Reentko Dirks’ flirrende Gitarre, hochmusikalisch und variantenreich dagegen Stephan Braun am Cello. Der perkussiv seinen ersten großen Moment hatte, als Ellington’s „Caravan“ fröhlich anrollte und später immer wieder pizzicato zu wundersamen Dialogen mit Feidman fand. Und so etwa Cole Porter’s “I Love Paris“ veredelte, wo der Meister an sonorer Bassklarinette kontrastierende Duftmarken setzte.

Selbst alte Heuler wie „Donna, Donna“ und „Shalom Chaverim“, die sein Publikum in Chor-Qualität stimmlich begleitete, klangen verblüffend unkitschig. Da wirkte ein weiterer Jazz-Standard an diesem bezaubernden Abend, der viel zu rasch vorbeiflog, geradezu leitmotivisch: Denn Giora Feidman beglückte seine Zuhörer in der Tat mit „Beautiful Love“.