Der Karneval und die Sonne lassen Essen strahlen

An der Rüttenscheider war wieder richtig was los.
An der Rüttenscheider war wieder richtig was los.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
70 000 Besucher in der Innenstadt und 50 000 Narren in Kupferdreh feierten friedlich und freudig bei den großen Rosenmontagszügen.

Essen.. Ein Jahr lang haben die Essener Karnevalisten offenbar ihre Teller bei jeder Mahlzeit brav leer gegessen: Denn gestern, bei den großen Rosenmontags-Umzügen in der Innenstadt und in Kupferdreh, gab es schönes Wetter satt. Blauer Himmel wie an der Adria. Dazu wärmende Sonnenstrahlen und damit Kaiserwetter, das bereits das Warten auf den Zug zum Genuss werden ließ. „So etwas in unserer Regentschaft!“, schwärmt Essens amtierender Prinz Wolfgang I. Er und seine Lieblichkeit Prinzessin Assindia Nicole II. erlebten eine Kulisse, die viele Stammbesucher des Zuges als absolut rekordverdächtig bezeichneten.

Auch wenn die Polizei die Besucherzahl überraschenderweise mit 70 000 niedriger ansetzte als in den Vorjahren. Stolze 50 000 Jecken sollen in Kupferdreh dabei gewesen sein.

Die konnten nicht nur Süßigkeiten fangen, sondern bekamen vor allem in der Innenstadt viel zu sehen: 50 Gruppen mit 40 Festwagen hatten sich, mit etwas Verspätung, um 13.13 Uhr von der Gruga auf den Weg zur Huyssenallee gemacht. Gleich vom ersten Wagen grüßte Oberbürgermeister Reinhard Paß. Sein CDU-Herausforderer Thomas Kufen stand am Ende bei der KG Fidelio auf dem Wagen. „Ich wäre auch auf dem WAZ-Motivwagen mitgefahren, wenn es ihn gegeben hätte“, gestand Kufen. In einem Entwurf hatte Karikaturist Heiko Sakurai den Kampf ums Rathaus launig thematisiert. So fuhr Kufen im Windschatten des Stadtprinzenpaars, das bekanntlich derzeit das Sagen in Essen hat.

Zwischen den gestern gut gelaunten Kontrahenten Paß und Kufen gab es einen großen Kessel Buntes. Schokolade und Schlager, Kamelle und Karnevalsmusik aus Köln. Tausende gut gelaunte Narren im Zug, die sich für den Höhepunkt ihrer Session einiges hatten einfallen lassen: Die große Provokation auf den Wagen blieb zwar aus, aber den Doppelbock von Zeche Zollverein, den erhofften Aufstieg von Rot-Weiss Essen und die A 40 samt Verkehrsproblemen gab es zu sehen.

Auch prominente Essener Köpfe, wie Otto Rehhagel, Diether Krebs und Helmut Rahn, die unter Ehrensenatorin Petra Hinz (SPD) vom Wagen der KG Hahnekopp 1862 grüßten. Dazu die Finanzprobleme der Stadt: „Essen hängt am Tropf“, hatte die Närrische Elf getextet – und grüne OP-Kleidung übergezogen. Ansonsten: viel Frieden, viel Freude. An einem Wagen hieß es: „Essen ist bunt.“ Das Motto war im Zug und bei den Besuchern unübersehbar.

Essen hat sich längt als die Karnevalsmetropole des Ruhrgebiets etabliert. Einige Narren streben bereits nach Höherem: „Wenn ihr nächstes Jahr eure Freunde mitbringt, sind wir bald größer als Köln“, grüßte der Sprecher vom Wagen der Essener Prinzengarde forsch.