Der Haumannplatz - von der Müllkippe zur „kleinen Gruga“

Wer den Park im Zentrum des Haumannhofviertels für sich haben will, muss an schönen Tagen schon sehr früh aufstehen.
Wer den Park im Zentrum des Haumannhofviertels für sich haben will, muss an schönen Tagen schon sehr früh aufstehen.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das Haumannhofviertel in Essen ist nicht nur seit über 100 Jahren eines der schönsten Wohnquartiere der Stadt, es besitzt auch einen Park, der den Reiz des lange Gewachsenen hat. Und tolle Architektur gibt’s auch - eine Mischung aus prachtvollen Villen und sehr gutbürgerlichen Reihenhäusern.

Essen.. Ende des 19. Jahrhunderts war hier mal ein kleines Bachtal - und dann eine Müllhalde, mit der das ganze schöne Tälchen zugekippt wurde. Mit Landschaft war man im Ruhrgebiet eben nicht zimperlich. Daran gemessen haben der Haumannplatz und das angrenzende Haumannhofviertel eine beachtliche Karriere hingelegt. 1894 hatte Essens großer Oberbürgermeister Erich Zweigert im noch nicht eingemeindeten Rüttenscheid für die Stadt Essen die Ländereien aufgekauft unter dem Vorwand einen Friedhof anlegen zu wollen.

Seine wahre Absicht, ein Villenviertel mit großzügigen Parkanlagen zu bauen, hätte sofort heftige Bodenspekulation in Gang gesetzt. Dank Zweigerts Notlüge entstand in den goldenen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg im Rüttenscheider und im Holsterhauser Teil des Haumannhofviertels ein Wohngebiet, das trotz kriegs- und wiederaufbaubedingter Verluste bis heute zu den schönsten der Stadt zählt, vergleichbar nur mit dem verwandten Moltkeviertel an der Ruhrallee.

Harmonischer Bebauungsplan vom legendären Robert Schmidt

Robert Schmidt, der legendäre Essener Stadtplaner, schuf einen harmonischen Bebauungsplan, eine Mischung aus prachtvollen Villen und sehr gutbürgerlichen Reihenhäusern, dazu Straßen, mal als voluminöse Alleen, mal gewunden und betont schmal und ruhig. Sieht man ab vom Park-Abschnitt Haumannplatz, der in den 1950er Jahren zur vierspurigen Straße mutierte, hat sich daran glücklicherweise nur wenig geändert. „Schmidt hatte den Verkehr unterschätzt“, sagt der Essener Heimathistoriker Robert Welzel, der sich intensiv mit der Geschichte des Haumannhof befasst hat. Der Verlust dieser Grünfläche sei zwar schade, aber schwer vermeidbar gewesen.

Das ist Essen Immerhin, es gibt noch den zweiten Teil des einst L-f örmigen Parks, jenen Abschnitt nämlich zwischen Hans-Luther-Allee und Virchowstraße. Es ist nicht übertrieben von einer „kleinen Gruga“ zu sprechen, die noch dazu den Vorzug hat eintrittsfrei zu sein. An schönen Tagen kann der Platz auf der großen Liegewiese schon mal knapp werden, es gibt Spielplätze, körnige Spazierwege und uralte knorrige Allee-Bäume mit riesigen Stammumfängen, deren Zahl die Stadt allerdings in den letzten Jahren systematisch dezimierte. Wahrscheinlich stand die Chance mal wieder eins zu einer Milliarde, dass sie jemandem auf den Kopf fallen. Es gibt Dinge, die man offenbar nicht ändern kann...

Historische Aufarbeitung durch Heimathistoriker Robert Welzel

Wer sich intensiver für Architektur interessiert:In den „Essener Beiträgen“ Nummer 116, erschienen 2004 im Klartext-Verlag, hat Robert Welzel dem Viertel ein wissenschaftliches Denkmal gesetzt, alle wichtigen architektonisch wertvollen Häuser sind beschrieben, selbst zu den Lücken und teils hässlichen Neubauten weiß Welzel noch viel zu erzählen. Gut so! Das Haumannhofviertel hat es verdient, neben dem berühmteren Moltkeviertel nicht in Vergessenheit zu geraten.

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