Der Hafen – Essens Törchen zur Welt

Der Hafen in Essen
Der Hafen in Essen
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
WAZ-Leser besuchten den Stadthafen am Rhein-Herne-Kanal. Hier landen Schüttgüter aus Europa und Übersee an. Größter Kunde ist die Trimet.

Essen.. Dieses Jahr steht ein runder Geburtstag an. Vor 80 Jahren wurde der Stadthafen am Rhein-Herne-Kanal eröffnet. Allerdings war Essen mit dem Bau eines eigenen Umschlagplatzes am Kanal 1935 spät dran und so spielte schon damals die Musik eher in Dortmund und in Duisburg. Bis heute ist das so geblieben, auch weil das Hafenbecken in Essen anders als geplant, doch nie erweitert wurde. Schlägt der Essener Hafen heute rund eine Million Tonnen im Jahr um, ist es in Duisburg das 50-fache.

Ein Umschlagplatz für Schüttgut

Auch an diesem Morgen herrscht gähnende Leere im Hafenbecken, als Hafenmeister Knut Winnacker die Leser der WAZ über das weitläufige Gelände führt. Nur die „Kettwig“ der Weißen Flotte „parkt“ am Ausgang zum Kanal. Gegenüber auf der Bottroper Hafenseite ist deutlich mehr Betrieb. Dort liegen drei Kähne an der Kaimauer und werden mit Steinkohle aus der Zeche Prosper Haniel beladen. Winnacker dagegen erwartet das nächste Schiff erst wieder in drei Tagen – was die WAZ-Leser erstaunt und auch leicht enttäuscht zur Kenntnis nehmen. Es gebe aber auch Tage, erzählt Winnacker, an denen vier oder fünf Schiffe kämen und dann hätten seine 15 Mitarbeiter reichlich zu tun, die Kähne rechtzeitig bis 20 Uhr abends zu entladen. Wenn es später wird, drohen saftige Strafen.

Zu Montanzeiten wurden im Stadthafen vor allem Holz und Kohle umgeschlagen. Heute ist es großteils Schüttgut wie Steine und Erden, Altmetall und Altglas aber auch Stahlteile. Die Güter kommen aus Europa und Übersee über die großen holländischen Häfen Rotterdam und Amsterdam nach Essen. Container dagegen spielen keine Rolle. Das scheitert an der niedrigen Brückenhöhe im Rhein-Herne-Kanal. Ob man die Fahrtrinne nicht tiefer ausbaggern könnte, fragen WAZ-Leser. „Viel zu teuer“, winkt Winnacker ab. Alle zwei Jahre müssen die Stadtwerke als Hafeneigentümer das 400 Meter lange Becken ausbaggern, um die Mindesttiefe von 3,50 Meter zu garantieren. Das allein kostet einen sechsstelligen Betrag.

Umsatz mit Mieten und Pachten

Anders als Duisburg hat der Essener Hafen nur eine regionale Bedeutung – er ist Drehscheibe für die Wirtschaft in der näheren Umgebung. Der wichtigste Kunde liegt in direkter Nachbarschaft: Die Alu-Hütte Trimet bezieht über den Hafen Tonerde und Anoden-Kohle für die Aluminiumherstellung. Trimet sichert so mehr als ein Drittel des Schiffs-Umschlags.

Ein Großteil des Hafenumsatzes – zuletzt waren es rund sechs Millionen Euro – kommt jedoch durch Mieten und Pachten zustande. Viele Unternehmen nutzen das 1,2 Millionen Quadratmeter große Gelände als Lagerplatz. Bei ihrem Rundgang türmt sich vor den WAZ-Lesern zum Beispiel ein riesiger Berg grüner und farbloser Glasscherben auf. Sie stammen von der Firma Rhenus, die am Hafen ein Recycling-Zentrum betreibt.

Die Hafenflächen sind gefragt. „Wir haben hier alles vermietet bzw. verpachtet“, sagt Winnacker.