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Der "grüne Daumen" führte in die Haft

28.02.2008 | 19:31 Uhr

Zwei Ehepaare bauten in Haus und Garten Marihuana an. Geständnis führte zu vergleichsweise milden Strafen

Richterin Jutta Wendrich-Rosch, Vorsitzende der VI. Strafkammer, war voll des Lobes, als sie die Pflanzenzucht auf den Fotos betrachtete: "Grüner Daumen, was? Hier, die Pflanzen: Schick, schön, in Reih und Glied. Das besticht durch eine gewisse Ordnung und Systematik." Ein zwiespältiges Lob. Denn die gärtnerische Leistung der vier Angeklagten erstreckte sich auf den illegalen Anbau von Marihuana, so dass sie die Ernte vor Gericht einfahren mussten.

Zwei Ehepaare aus dem Essener Nordosten, zwischen 39 und 41 Jahre alt, waren nach eigenen Angaben durch den Kauf von Einfamilienhäusern und den Aufbau eines Sonnenstudios in finanzielle Not geraten. Vor zwei Jahren bekam einer der Männer ein Buch, erzählte sein Verteidiger Hans Reinhardt: "Marihuana-Anbau leicht gemacht". Der Andere bekam das mit, und so verlegten sie sich aufs Gärtnern: Im Haus, aber auch im Gartenschuppen bauten beide illegale Plantagen auf, kümmerten sich um die Aufzucht. Die beiden Ehefrauen gossen schon mal und ernteten. Eine kleine, grüne Idylle, so hörten am 8. November vergangenen Jahres Polizisten am Telefon mit. "Ich will ein bisschen schnibbelip machen", teilte eine der Frauen der anderen mit. Und die hielt auch kaum an sich: "Ich bin froh, wenn ich wieder schneiden kann."

Allein, ungesetzliche Freude ist meist zeitlich begrenzt. Nach sechs Ernten zu jeweils einem Kilo hatte die Polizei einen anonymen Hinweis erhalten und überflog die Objekte mit einem Hubschrauber, aus dem Wärmebilder gefertigt wurden. Nachfragen beim Stromkonzern belegten einen Energie intensiven Anbau.

Am 4. Dezember gingen die Herren in U-Haft, die Damen blieben in Freiheit. Alle gaben sich kleinlaut vor Gericht. "Es tut mir sehr, sehr leid", hörte das Gericht mehrfach. Angesichts eher bürgerlicher Berufe und kleiner Kinder im Haus, blieb die Justiz bei den nicht vorbestraften Angeklagten milde. Die Frauen bekamen Bewährungsstrafen, die Männer zweieinhalb beziehungsweise drei Jahre Haft. -ette

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