Der falsche Weg

Neue Bauflächen. Mit Entsetzen entnehme ich der NRZ, dass die Stadtverwaltung wieder einmal versucht, in Rüttenscheid, einem der am dichtesten bebauten Stadtteile Essens, einen der wenigen dort noch verbliebenen Kommunikations- und Lebensräume zu bebauen. Moderne Städteplanung fokussiert gerade auf diese speziellen Räume um eine gesunde, ausgewogene Balance aus Öffentlichkeit, Nachbarschaft und Privatheit zu gewährleisten.

Natürlich kann man die Stadtverantwortlichen verstehen, wenn diese aufgrund eines überlasteten Stadtsäckels händeringend nach Möglichkeiten suchen, dieses zu füllen. Aber ist es deshalb nötig, die letzte zentral gelegene Sportanlage in diesem Stadtteil an der Veronikastraße zu opfern? Diese beheimatet seit Jahren mehr als 250 Kinder und deren Familien. Wohnen ist das eine, aber viel wichtiger ist doch Wohnqualität und Lebensraum und dazu gehören eben auch Sportanlagen, die schnell und unkompliziert zu erreichen sind.

Ist es nicht Aufgabe einer verantwortungsvollen Stadtplanung, auch auf Aspekte der Lebensqualität der Bewohner und Menschen zu achten und nicht nur zu versuchen, jede vorhandene Fläche auf ihre ökonomische Optimierung hin zu überprüfen? Gerade weil diese Sportanlage die letzte in Rüttenscheid ist und extrem stark nachgefragt wird, sollte man diese weiter ausbauen und zusätzlich für die vielen nahegelegenen Schulen nutzbar machen. Das wäre Teil einer modernen, zukunftsorientierten und menschlichen Stadtteilplanung, die dann auch zukünftigen Einwohnern zugute käme und somit die Attraktivität auch von neuem Wohnraum in der Umgebung langfristig erhält.

Bei aller vermeintlichen Notwendigkeit nach kommerziellem Gewinnstreben sollten soziale Aspekte menschlichen Zusammenlebens nicht ganz vergessen werden. Die Verdrängung von Sportanlagen in Randbezirke ist mittel- und langfristig der falsche Weg.