Der Fall Broelsch und die Folgen
10.07.2009 | 18:59 Uhr 2009-07-10T18:59:00+0200
Fast zwei Jahre nach der Suspendierung von Prof. Christoph Broelsch, dem Top-Transplantationschirurgen, werden die Vorwürfe gegen ihn vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes verhandelt werden. Unabhängig von der rechtlichen Bewertung sehen sich Patienten als die Opfer des Verfahrens.
Ihre bittere Klage: Menschen sterben nicht nur inEssen, weil kein Mediziner mehr das von Broelsch wesentlich mit entwickelte Verfahren der Leber-Lebendspende anwenden kann - oder will.
„Aus Betroffenensicht ist eine Folge der Suspendierung gewesen, dass sämtliche der vormals in Essen befindlichen Experten auf dem chirurgischen Gebiet der Lebend-Lebertransplantation in andere Zentren im In- und Ausland abgewandert sind. Dies hat zur Folge dass sowohl das Gebiet der Lebend-Leberspende in Essen als auch in ganz NRW zum Erliegen gekommen ist”, sagt Ulrich Coppel, Sprecher eines Netzwerkes von Leberpatienten. Er beklagt eine tief greifende Verunsicherung unter den Transplantationsmedizinern angesichts der Ermittlungen gegen Broelsch und des Scheitern eines Gesetzentwurfes zur Erweiterung des Spenderkreises für Lebertransplantationen letzte Woche im Bundestag: „Auch ist es so, dass mir von vielen Ärzten aus anderen Häusern bekannt ist, dass sie Lebend-Lebertransplantationen deshalb nicht mehr oder sehr viel seltener durchführen, weil sie im Falle möglicher Probleme um ihre politische Rückendeckung fürchten.”
Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes hat gestern im Detail erläutert, warum sie wesentliche Vorwürfe gegen den Chirurgen anders bewertet als die Staatsanwaltschaft. Sie hatte unter anderem acht Fälle, die Staatsanwalt Koch als räuberische Erpressung angeklagt hatte: Broelsch soll von lebensgefährlich erkrankten Patienten eine Spende verlangt haben; sonst könne sich die Behandlung verzögern. Die Strafkammer wertet dies nicht als Erpressung. Aber sie weist darauf hin, dass „eine Verurteilung wegen Nötigung in Betracht komme”.
Prof. Rainer Hamm und Jürgen Pauly, die Strafverteidiger des Chirurgen, werten das Abrücken vom Erpressungsvorwurf ganz anders: „Dies steht in seiner rechtlichen Wirkung einem Freispruch gleich.” Ihr Mandant, so die Verteidiger „sieht der bevorstehenden Hauptverhandlung mit Zuversicht entgegen. Sie wird Gelegenheit bieten, die realitätsfernen Vorstellungen der Staatsanwaltschaft ... im Detail zu widerlegen.”
22 Tatvorwürfe aus der zweiten Anklage der Staatsanwaltschaft, die im März erhoben wurde, hat die Strafkammer ausdrücklich zur Hauptverhandlung zugelassen. Es geht um den Vorwurf, Broelsch habe sich vertragliche verpflichtet, Privatpatienten persönlich zu behandeln, stattdessen aber einen seiner Ärzte operieren lassen. Trotzdem habe er sein Honorar verlangt und erhalten. Die Staatsanwaltschaft wertet das als Betrug in einem besonders schweren Fall.
Abstriche macht die Strafkammer auch bei den Vorwürfen, Broelsch habe das Uni-Klinikum um dessen Anteil an den gezahlten Spenden in einer Gesamthöhe von 219 000 Euro geprellt. Hier hat die Kammer nur zwei von elf angeklagten Fällen zur Hauptverhandlung zugelassen.
Link zum Patienten-Netzwerk: http://www.ulrich-coppel.de
http://www.ulrich-coppel.de
http://www.ulrich-coppel.de
21:28
Herr Coppel disqualifiziert sich durch seine einseitige Parteinahme für Prof. Brelsch, bar jeglichen Relitätssinne, bar jeder Kritikfähigkeit.Fast schon sektenhaft. Durch sein einseitiges Auftreten - er sucht in seiner Internetpräsenz Entlastungszeugen und findet keine - ist er eher eine tragische Figur.
23:09
Hallo Kommentator trapper (#4):
Ich nehme an, dass Sie mich als Zyniker bezeichnen. Leider komme ich erst jetzt dazu auf Ihr Posting einzugehen. In den zurückliegenden Tagen hatte ich hier einiges zu tun. Mich haben haben verzweifelte Menschen erreicht, die völlig verzweifelt auf der Suche nach einem der erfahrendsten Leberspezialisten waren. Ich habe dann diesen Link verschickt: Einen Hoffnungsschimmer - wenigstens das!
http://sciencelife.uchospitals.edu/2009/08/31/living-donor-liver-transplant-part-1/
Ich möchte Ihnen aber auch gern sagen was ich in der Angelegenheit unter anderem als zynisch empfinde: Zum Beispiel den Umstand, dass sich Menschen in einer solch verzweifelten Lage, wie etwa die Protagonisten es in dem Beitrag hinter o. g. Link es sind, sich im Universitätklinikum in Essen in den Fernsehern auf ihren Krankenzimmern ansehen durften wie da Kartonweise ihre Krankenakten von eifrigen Polizisten vor den laufenden Kameras der vorab informierten Medien vorbeigeschleppt wurden.
Was die Anzahl der Lebend-Leberspenden in Essen betrifft, so wäre eine Antwort am ehesten vom ärztlichen Direktor des Klinikums zu erhalten. Er könnte hingehen, und das tun, was andere Häuser längst tun: Die Ergebnisse der externen Revision der Bundesstelle für Qualitätssicherung (BQS) für sein Haus veröffentlichen. Daraus ist dann nicht nur die Anzahl der Lebertransplantationen, sowie der Lebend-Lebertransplantationen ersichtlich, sondern auch deren Verlauf. Diese Daten sind ab er meines Kenntnisstandes bisher nicht seitens der Klink publiziert. Und so telefoniere ich eben weiterhin mit verzweifelten Menschen. Deshalb dürfen Sie mich auch weiter als Zyniker bezeichnen?
Ihr Ulrich Coppel
17:27
Mann, Mann, Mann, wieviel Hass und Häme einem hier entgegen springt! Heute im Zuschauerraum war es bei manchen ähnlich, und zwar bei denen, die Broelsch noch nie gesprochen hatten.
Ich habe ihn als herzlichen und kameradschaftlichen Arzt erlebt, der mir die Angst vor den beiden gräßlichen Krebsopoerationen (Leber!) genommen und mir das Leben gerettet hat. Ohne Spende, ohne Wenn und
Aber. Ich bin ihm sehr dankbar (meine Familie braucht mich noch...) und wünsche ihm Kraft und Gelassenheit in diesem Prozess.
12:03
Einige Kommentatoren, auch außerhalb dieses Forums, vergessen immer wieder, dass es bei diesem Prozess nicht um die fachlichen Qualitäten von Herrn Broelsch geht, sondern um rechtliche Fragen bei der Berücksichtigung von Patienten. Einige Leute scheinen zu glauben, dass Herr Broelsch wegen seiner zugestandenen Verdienste über dem Recht stehe, dem ist aber nicht so. Wer behauptet, dass kaum noch Lebendtransplantationen vorgenommen würden wegen der rechtlichen Unsicherheit, will Patientenängste schüren, um Broelsch zu helfen. Das ist mehr als zynisch.
07:50
Broelsch und Glorifizierung. Warum ist Ihr Mann gestorben, Frau Schmidt, wenn er so toll operiert worden ist? Herr Dr. Coppel: Als Privatpatient haben sie von Broelsch eine Rechnung erhalten, bei der sie mutmaßlich wie eine Weihnachtsgans ausgenommen worden sind. Vielleicht schreiben sie mal hierüber. Oder gab es Rabatt, weil Sie sich geradezu hysterisch für diesen Mann einsetzen?
10:38
Unglaublich !
Da wird ein TOP-Chirurg aufgrund von Vermutungen, ohne Beweislage, ohne Anklage, vor „zwei Jahren“ einfach so vom OP-Tisch weggefegt. Ja, ich kenne Hintergründe; mein Mann wurde ein paar Tage vor der Suspendierung von der Koryphäe Prof. Dr. Chr. Broelsch an der Leber operiert. Leider starb mein Mann inzwischen. Ich kann Ihnen allen sagen, dass Prof. Broelsch nach der OP, also nach der Suspendierung, nicht einmal mehr krankheitsbezogen mit meinem Mann sprechen durfte. Darüber jetzt ausschweifend zu berichten raubt mir zu sehr den letzten Nerv. Ich kann Ihnen noch etwas Interessantes sagen; wir sind zu keiner Spendenzahlung gezwungen worden, obwohl mein Mann Kassenpatient war.
Welche Frage mich vor allen Dingen quält, wie viel Menschen hatten keine Chance mehr auf ein Leben infolge der nicht mehr möglichen Lebertransplantationen, aufgrund des Wegfalls des Herrn Prof. Dr. Broelsch und des Teams, und wo sind die Verantwortlichen??? Wackelt deren Stuhl immer noch nicht? Und worauf ich auch noch hinweisen möchte; erinnern Sie sich an „berechtigte nachgewiesene“ Spendenaffären, wobei Angeklagte lediglich eine, nach ihrem Geldbeutel, kleine Geldstrafe zahlen mussten, und sie konnten weiter Ihrer Arbeit nachgehen, obwohl es um keine chirurgische Tätigkeit ging, also nicht Menschenleben rettend war.
Wer gibt eigentlich den Verantwortlichen die Macht, so unterschiedlich zu handeln; aber schlimmer noch; dass wir Volk es den „Voreiligen Verantwortlichen“ gestatten, hinzunehmen, dass Menschenleben derart gefährdet werden könnten.
08:12
Vor genau 10 Jahren hat Herr Prof. Broelsch meiner Frau das Leben gerettet-in einer aussichtslosen Situation-durch eine Leber-lebend-Transplantation! Spender war unser Sohn, die Operation hat insgesamt 17 Stunden gedauert! Ich hatte ein solches Vertrauen in diesen Chirurgen und sein Team, dass ich während der OP sogar unsere Praxis auf dem Land weiter versorgt habe!
Meine Frau wäre ohne diese OP gestorben, kein anderer Chirurg hätte diese OP gewagt, und ich hätte auch keinem anderen Team das Leben meines Sohnes anvertraut!
Nach der Suspendierung von Herrn Prof. Broelsch hätte meine Frau keine Aussicht auf Überleben gehabt! Ich glaube nicht, dass sie der einzige Todeskandidat in diesen zwei Jahren gewesen ist. Wie viele sind gestorben?
Auf diese Fragen haben alle! , die für diese völlig unnötige Suspendierung verantwortlich sind, nicht geantwortet.! Es lagen keine Kunstfehler vor, alle anderen Vorwürfe sind bis heute nicht bewiesen.
Was waren also die wirklichen Gründe??