Der Espo will die Krawallklubs ausschließen

Mit einer ungewöhnlichen Maßnahme will der Essener Sport die gewalttätigen Auswüchse im Fußball wieder eindämmen: Der Essener Sportbund (Espo) hat gestern Abend bei einer Klubversammlung angekündigt, auffällig gewordenen Vereinen die Mitgliedschaft im Verband zu entziehen. Die Folge: Der Klub hätte dann weder Anspruch auf einen städtischen Trainingsplatz noch, und das ist viel wichtiger, auf die Teilnahme am Spielbetrieb. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagte Espo-Geschäftsführer Wolfgang Rohrberg. Das war die wichtigste Nachricht aus Frohnhausen.

Die beiden Fußballkreise, Espo sowie die Sport- und Bäderbetriebe hatten zum Essener Fußballgipfel in das Pfarrzentrum St. Elisabeth eingeladen. Der Grund: Die negativen Schlagzeilen, die der Essener Fußball zuletzt produziert hatte. Damit war nicht die sportliche Durststrecke von Rot-Weiss Essen gemeint. Allein drei Spieler aus dem Fußballkreis Nord/ West wurden im letzten halben Jahr nach gewalttätigen Übergriffen lebenslang gesperrt. Dazu häufen sich die Spielabbrüche. „Es ist an der Zeit, dass was passiert“, sagte Kreisvorsitzender Thorsten Flügel gestern Abend bei der Begrüßung der Vereinsvertreter. 70 Klubs waren eingeladen. 60 hatten Vertreter geschickt. Das sind allerdings die Klubs, deren Spieler sich auf dem Feld benehmen und die, wie Flügel sagte, „nur Fußball spielen sollen“. Vom BV Altenessen II, der für den Rest der Saison von der Gegnern in seiner Liga boykottiert wird, war kein Vertreter gekommen. „Das ist schade, aber spricht für sich“, sagte Flügel. Die abwesenden Vereine müssen ein Strafgeld bezahlen.

Lösung des Problems

Auch der Fußballkreis hatte sich Gedanken für eine Lösung des Problems gemacht. Künftig soll das Ordnerwesen bei Spielen genauer kontrolliert werden. „Denn“, sagte Flügel, „wo Ordner sind, passiert nachweislich weniger.“ Und die Satzung sieht bei jedem Spiel eine „ausreichende Zahl gekennzeichneter Ordner vor“. Früher wurden die Armbinden vergleichsweise lustlos übergezogen. Inzwischen hat der Deutsche Fußball-Bund jeden Verein mit farbigen Westen versorgt. „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr“, sagte Thorsten Flügel.

Nach dem Kreisvorsitzenden präsentierte Espo-Boss Wolfgang Rohrberg erst eine Selbstverpflichtung für alle Vereine, und dann das weitereichende Ausschlusskonzept. Der Espo kann Vereine ausschließen, die durch „schädigendes Verhalten“ aufgefallen sind. Wer nicht mehr im Espo Mitglied ist, ist auch nicht mehr Mitglied im Landessportbund, im Fußballverband Niederrhein und im zuständigen Fußballkreis. Damit wäre der Klub vom Spielbetrieb ausgeschlossen. „Das ist hart. Aber vielleicht begreifen es so endlich einige Leute“, stellte Rohrberg klar.