Der Betrüger der Erpresser muss Haftstrafe absitzen

Sie hatte einen reichen Essener Unternehmer erpresst und wurde dann selbst Opfer eines Betrügers: Nicole S. (m.) mit zwei Verteidigern in ihrem eigenen Verfahren.
Sie hatte einen reichen Essener Unternehmer erpresst und wurde dann selbst Opfer eines Betrügers: Nicole S. (m.) mit zwei Verteidigern in ihrem eigenen Verfahren.
Foto: WAZ FotoPool
Zwei Erpresser hatte er betrogen, ihnen rund 300.000 Euro abgenommen. Dafür muss der 49-Jährige ins Gefängnis. Ein Jahr und zehn Monate lang.

Essen.. Zwei Erpresser hat er betrogen, ihnen laut Urteil rund 300.000 Euro an illegal eingenommenen Geldern abgenommen. Dafür schickt ihn die XVII. Essener Strafkammer für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis. Eine Bewährung versagte ihm das Gericht am Mittwoch aber. Der 49 Jahre alte Hertener soll die Strafe absitzen, weil das Geld zum Großteil nicht wieder aufgetaucht ist.

Sein Mitangeklagter, ein 39-jähriger Gelsenkirchener, wurde freigesprochen. Er hatte zwar Treffen der Erpresser mit dem Hertener Michael R. vermittelt. Dass er um dessen Betrugsabsicht wusste, ist ihm aus Sicht des Gerichtes aber nicht zweifelsfrei nachzuweisen.

Reicher Essener Unternehmer

Eine skurrile Geschichte: Im Mittelpunkt steht ein reicher Unternehmer aus Essen, heute 41 Jahre alt, Familienvater. Er hatte 2009 eine damals 26 Jahre alte Prostituierte in einem Bochumer Bordell kennengelernt und sich in sie verliebt. Privat trafen sich beide, gingen zusammen einkaufen und verbrachten Schäferstündchen im Hotel oder in der Wohnung der Prostituierten. Gut bezahlt wurde sie für ihre Dienste.

Als der Mann Ende 2010 weitere Treffen ablehnte, kam der Dame eine neue Idee, von ihm bezahlt zu werden. Sie nahm eines der Schäferstündchen mit dem Diktiergerät auf. Ihr Freund, ein Medizinstudent, übertrug die eindeutigen Geräusche auf USB-Sticks, mit denen sie den Mann erpressten. Falls er nicht zahle, so die Drohung, werde das Tondokument seiner Ehefrau vorgespielt. 485.000 Euro zahlte er, bevor er nach eineinhalb Jahren zur Polizei ging.

Erpresser verurteilt

Beide Erpresser wurden im Mai 2013 vom Landgericht Essen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Dass sie kein Geld mehr hatten und selbst einem Betrüger aufsaßen, nahm ihnen zunächst niemand ab. Ermittlungen der Polizei ergaben aber, dass es in Michael R. tatsächlich einen Mann gab, der ihnen teure Autos, Gold und Metallgeschäfte angeboten hattwe.

Laut Urteil kassierte er rund 300.000 Euro von den beiden – ohne jede Gegenleistung. Das Erpresserduo, das vom Gericht nicht als „typisches schützenswertes Opfer“ eingestuft wurde, hatte zum Schluss sogar teure Uhren verpfändet, um den Betrüger zu bezahlen, der immer mehr Geld forderte. Richterin Gabriele Jürgensen: „Der Angeklagte verkauft sich gut. Er hat das Talent, andere Menschen einzuwickeln.“