Das aktuelle Wetter Essen 10°C
AStA

Der AStA-Krimi an der Uni Duisburg-Essen geht weiter

12.01.2012 | 11:07 Uhr
Der AStA-Krimi an der Uni Duisburg-Essen geht weiter
„Crime Scene do not cross“: Wie ein Krimi mutet mittlerweile die ganze Geschichte rund um den AStA der Uni Duisburg-Essen an. Studenten der Oppositionsparteien im Parlament machten in dieser Woche mit einer Info-Aktion auf die Missstände aufmerksam. Foto: Arne Poll, WAZ FotoPool

Essen.  In einem beispiellosen Vorgang versucht die Hochschulleitung, den jahrelangen Querelen in der Studentenverwaltung ein Ende zu setzen. Am 25. Januar soll ein Nachfolger von Finanzreferent Boris Schön gewählt werden. Schön schweigt zu den Untreue-Vorwürfen, sein Anwalt sagt, er sei im Urlaub.

Gesucht wird: Borislav Schön, Jahrgang 1976, geboren in Eutin, Ex-Student der Uni Duisburg-Essen. Und da geht das Problem schon los.Schön ist seit April 2010 nicht mehr eingeschrieben. Darf er trotzdem weiterhin das Amt des Finanzreferenten der Studentenvertretung AStA bekleiden? Die Uni meint: Nein. Und wirft ihn in einem beispiellosen Vorgang jetzt aus dem Amt. Am 25. Januar soll ein Nachfolger gewählt werden. Falls sich Schön vorher dagegen wehrt, wovon auszugehen ist, leitet die Uni trotzdem eine offizielle Amtsenthebung ein. Bis heute, Donnerstag, hat Schön offiziell Gelegenheit, „abschließend zum Gesamtkomplex Stellung zu nehmen“, so die Uni in ihrem Schreiben an Schön.

Schön schweigt. Ans Handy geht er nicht. Sein Anwalt sagt, er sei im Urlaub. Ob ein Ex-Student grundsätzlich ein AStA-Amt bekleiden darf, darüber gehen die Meinungen der Juristen auseinander. Das ist aber nicht entscheidend.

Entscheidend ist, dass Schön bis zum Hals im Morast einer dreckigen Geschichte stehen könnte, die wohl schon seit Jahren geht und erst im Sommer 2011 richtig bekannt wurde. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft. Alles dreht sich um den Verdacht, dass beim AStA Ehemalige und Aktive kräftig in die eigene Tasche wirtschaften. So, dass man eigentlich ganz gut davon leben kann. So lange man ein Amt bekleidet. Und nicht durch eine Neuwahl Schluss gemacht wird mit den Verhältnissen, denn dann könnten ja andere drankommen.

Video
Die Zeiten, in der Rollstuhlfahrer an der Uni Duisburg-Essen ihre Vorlesungen nach Räumen und nicht nach Interesse planen, sind bald vorbei. Der AStA setzt sich nun verstärkt für Behinderte und chronisch Kranke ein.

Schön ist Ratsherr für die CDU in Duisburg. Als Berufsbezeichnung wird auf der Internetseite der Fraktion „Geschäftsführer“ angegeben. Schön ist seit 2007 Geschäftsführer der „AStA Service GmbH“. Die betreibt das KKC, die Kneipe im Keller der Uni an der Segerothstraße. Es gab wiederholt Vorwürfe, Privatparties seien dort mit öffentlichem Geld finanziert worden. Und umgekehrt: Gewinn aus AStA-Parties sei in die privaten Taschen von Schön und anderen geflossen.

Was Schön sonst so macht, wissen nur Wenige. Es gibt einen Firmeneintrag auf seinen Namen in Duisburg, „Fides Capital GmbH“. Schön betreibt auch eine Homepage, die für ein Feriendomizil an der Ostsee wirbt, „Pension Mira“: „Herrlich erholen in ländlicher Umgebung.“ Leute, die Schön nicht wohlgesonnen sind, und davon gibt es mittlerweile viele, vermuten, dass Schön seine Tourismus-Geschäfte mit dem Geld aus dem AStA mache. Oder es dort, „in ländlicher Umgebung“, reinwaschen lasse. Das sind aber nur böse Gerüchte.

Fest steht, dass es um ordentliche Summen geht. Jeder Student zahlt pro Semester 13 Euro an den AStA. Macht bei 37300 Studenten derzeit  484 900 Euro pro Semester. Ein Blick in den Haushaltsentwurf 2010/11 des AStA wirft Fragen auf: 118.500 Euro wurden veranschlagt als „Aufwandsentschädigung“ für die Mitglieder der Selbstverwaltung. Hinzu kommen etliche  fragwürdige Sonderposten, zum Beispiel: „AStA Kfz“: 10 000 Euro pro Jahr. Angeblich werden regelmäßig Mietwagen gebucht.

Video
Duisburg/Essen. Studenten besetzen in Duisburg und Essen das Audimax. Sie protestieren gegen Studiengebühren und fordern die Aufhebung des Bachelor-Master-Systems. Bundesweit wird an elf Universitäten gestreikt.

Parteien der Opposition im Studentenparlament (StuPa) versuchen seit Monaten, ein Misstrauensvotum gegen Schön zu starten. Doch dieser „hat es bisher erfolgreich geschafft, auf Basis von ,Rechtsgutachten’ sämtliche StuPa-Sitzungen, auf denen seine Abwahl hätte stattfinden können, beanstanden zu lassen.“ Das beklagt die Juso-Hochschulgruppe. Jenseits aller Vorwürfe, die im Raum stehen, sei man unzufrieden mit Schöns Leistungen: „Er legte keinen gültigen Haushaltsentwurf vor“, heißt es, fehle ständig bei Gremiumssitzungen, und die KKC-Umsätze würden nie veröffentlicht.>Der AStA hingegen erklärt, man habe Schön seinerzeit erneut zum Finanzreferenten bestellt, obwohl er nicht mehr eingeschrieben ist, wegen der „unbestreitbaren Sachkompetenz auf dem heiklen Feld der öffentlichen Finanzverwaltung.“ Dass die AStA-Buchführung in Ordnung sei, habe schließlich auch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigt. Angeblich ist das aber die Gesellschaft, die sowieso immer für den AStA arbeitet. Mitglieder des AStA haben im November die Neuwahl des Studentenparlaments gestört und letztendlich faktisch verhindert. Es wurden Tonerkartuschen aus Druckern genommen, am Ende klaute einer sogar eine volle Wahlurne. Immer wurde gesagt, es gebe gravierende Formfehler, die Wahl dürfe deshalb nicht stattfinden.

Studis reden Klartext

 

Martin Spletter, Sinan Sat

Facebook
 
Kommentare
13.01.2012
12:58
Blockierter Kommentar.
von jesusonspeed | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
von jesusonspeed | #5-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.01.2012
01:44
Der AStA-Krimi an der Uni Duisburg-Essen geht weiter
von dummmberger | #4

Na, das sieht doch aus, als ob der Herr alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Politiker-Karriere mitbringt.

13.01.2012
00:51
Baujahr 1976 und angeblich noch Student ?
von wattearvolt | #3

Er plant also den gleitenden Übergang vom Studentendasein in die Rente ?
Wenn das stimmt was ich dem Artikel entnommen habe, kümmert sich hoffentlich die StA Essen um den Fall. Zu der Duisburger StA habe ich in solchen Fällen wenig Zutrauen, die verzetteln sich in Nebensächlichkeiten (vermutlich auf Zuruf).

12.01.2012
22:52
Der AStA-Krimi an der Uni Duisburg-Essen geht weiter
von JanundPitt | #2

"Nebenbei" ist B. Schön immerhin Mitglied der CDU im Rat der Stadt und maßt sich an, die Bürger einer Großstadt zu vertreten. Wo bleiben Stellungnahmen und die reflexartigen Ehrenerklärungen von Herrn Mahlberg und Frau Vogt, geschweige denn des Herrn Sauerland? Fehlanzeige. Einmal mehr höchste Zeit, ein anrüchiges CDU- und Ratsmitglied aus dem (öffentlichen) Verkehr zu ziehen. Die Duisburger CDU- Partei-Granden hüllen sich dagegen in Schweigen. Scheinbar hat ihnen dieser erneute CDU-Fauxpas die Sprache verschlagen. Ein Grund mehr für die Abwahl Sauerlands zu votieren und die Duisburger CDU bei den nächsten Ratswahlen unter die Grenze für "Sonstige Parteien" schrumpfen zu lassen. Die CDU schafft sich in Duisburg selbst ab.

12.01.2012
21:23
Der AStA-Krimi an der Uni Duisburg-Essen geht weiter
von Egometer | #1

Der junge Mann, taugt doch zu nichts.
Das ist aber schon länger bekannt
und das ist nicht nur Studenten oder Freunden !

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6237571/create

Aktuelle Fotos und Videos
Raucher als Kunstwerke
Bildgalerie
Ausstellung
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
Kein Respekt vor Alfred
Vandalismus
Unbekannte Täter besudelten erneut die Krupp-Statue vor der Marktkirche in der Innenstadt mit farbigen Lettern. Damit bewiesen sie eher zweifelhaften Humor.
In sicherer Entfernung
Landespolitik
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Hempelmann wird als NRW-Minister gehandelt.