Der Allbau ist sich mehr wert

Der geforderte Beitrag der städtischen Beteiligungsgesellschaften zur Haushaltskonsolidierung ist zumindest für Allbau-Kunden mehr als nur eine theoretische Größe: Sie bekommen’s direkt im Portemonnaie zu spüren.

Das Unternehmen hat seinen Immobilienbestand in den vergangenen Wochen genauer als in der Vergangenheit unter die Lupe genommen und ist offenbar zu dem Schluss gekommen, dass das eigene Portfolio mehr wert ist als vielleicht über Jahre angenommen. Folglich wurde jetzt rund ein Viertel der 18.000 Allbau-Mieter davon unterrichtet, dass sie zum 1. Juli mehr Geld für ihre Wohnung bezahlen müssen. „Aus Gründen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Hausbesitzes sehen wir uns veranlasst, die Mieten auf der Grundlage des Mietspiegels Essen anzupassen“, heißt es in den jeweiligen Schreiben, die stadtweit in den Briefkästen zu finden waren.

Zwar fallen die monatlichen Aufschläge mit fünf bis sechs Cent pro Quadratmeter eher moderat aus. Jedoch lässt das ganze Verfahren nach Ansicht der Mietergemeinschaft Essen einiges an eigentlich notwendiger Transparenz vermissen. So taucht in dem System zur Bewertung des Mietpreises neben der Wohnlage und der Ausstattung eine gänzlich neue Kategorie „Sonstige Einflüsse“ auf, die nach Erkenntnissen der Mieterschützer durchweg mit fünf Punkten durchschlägt, ohne dass es dafür eine für die Mieter nachvollziehbare Erklärung gäbe. „Friss oder stirb – das geht so nicht“, sagt Siw Mammitzsch, Geschäftsführerin des Vereins. Man werde die Allbau AG mindesten in diesem Punkt um Erläuterung bitten, „sonst gibt es keine Zustimmung zu den Mieterhöhungen“. Ein Fragezeichen setzt Mammitzsch ebenfalls hinter die Bewertung der „Wohnlage“. Die wurde in vielen Fällen mit einem Pluspunkt vermerkt – „obwohl das Haus doch noch an der selben Stelle stehen dürfte“.

Auf NRZ-Nachfrage hieß es gestern beim Allbau, man habe in der Tat untersucht, ob sich die Qualität des Wohnens an den eigenen Standorten verändert habe oder in der Vergangenheit nicht richtig überprüft worden sei. Unter „Sonstige Einflüsse“ seien festgestellte Wertsteigerungen zusammengefasst, die bisher keine Berücksichtigung gefunden hätten: etwa eine „tolle Waschküche oder eine Haustür mit Gegensprechanlage“. Habe es einen Aufschlag bei der Wohnlage gegeben, sei davon auszugehen, dass sich das Umfeld der Immobilie verbessert habe. Bei allen Bewertungen der Wohnwertmerkmale habe man sich aber an dem Essener Mietspiegel orientiert und sei „nicht an die Grenze des Machbaren gegangen“. Zudem seien die Grundmieten seit mehr als einem Jahr unverändert geblieben. Im Umkehrschluss hätten die Kunden in den vergangenen Jahren durchaus davon profitiert, dass der Allbau nicht so ganz genau hingeschaut habe.

Für Siw Mammitzsch wurde durch das Vorgehen des Unternehmens die Sanierung des Stadthaushalts ein Häuschen weiter gegeben. Es würden die zur Kasse gebeten, die an den Schulden nicht schuld seien.