Der Abschied als Kunstwerk

Kassel/Kettwig..  An seinem 93. Geburtstag, am 11. April, endete für den Architekten Werner Ruhnau eine lange Lebensreise, die von Kunst geprägt war. Am 6. März war er gestorben und fand jetzt seine letzte Ruhestätte im Rahmen einer Trauerfeier, die er selbst inszeniert und akribisch vorbereitet hatte.

In der Künstler-Nekropole Kassel baute Werner Ruhnau schon 1995 sein Amphitheater als letzte Ruhestätte. Mitten im Wald, mitten im Raum.

Ruhnau und seine Lebensgefährtin Elisabeth Stelkens, mit der er bis zu seinem Tod in Kettwig lebte, besuchten den Ort oftmals in den vergangenen Jahren. Seit 2004 wurde immer an seinem Geburtstag das Abschiedsritual geprobt, aber „wir haben hier auch den Frühling begrüßt oder Erntedank gefeiert“, sagt Elisabeth Stelkens. Immer in dem Bewusstsein, „dass es hier eines Tages ein ernstes Spiel geben wird - unsere Beerdigung“.

Der Mann mit Hut oder Strickmütze, der Kettwig mochte und es gern lebendiger gesehen hätte, der das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier baute und das Essener Grillo-Theater umgestaltete, hatte am Tag seiner Beerdigung nichts dem Zufall überlassen. Die rund 100 Gäste, darunter auch befreundete Künstler und Politiker, wurden Teil eines - Kunstwerks? Eines - Theaterstücks? An einem besonderen Ort des Festes und des Spiels.

Und die Regie führte Elisabeth Stelkens. Jeweils zwei Gäste schritten unter Begleitung monotoner Trompetenklänge durch die Tore, reichten sich in der Mitte des Amphitheaters, wo die Urne mit der Asche Werner Ruhnaus stand, die Hände. Im Anschluss bildeten alle einen Kreis - schreitend nahmen sie Abschied von Werner Ruhnau, für den „Bewegung im Raum“ immer eine zentrale Rolle gespielt hatte.

Am Sonntag, 19. April, wird das Musiktheater im Revier ab 11 Uhr im Rahmen einer Gedenkstunde von Werner Ruhnau Abschied nehmen. Redner werden an ihn erinnern, die Neue Philharmonie Westfalen spielt, das Ballett im Revier tanzt. Und wer mag, kann kommen. Zum Gedenken an einen Theatermann, an einen großen Mann.