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Denkmalschutz

Denkmalschutz nimmt Zollverein die Sicht

29.09.2011 | 19:53 Uhr

Essen.Auf dem Gelände eines Weltkulturerbes zu arbeiten, ist im Prinzip eine tolle Sache – außer vielleicht an heißen Sommertagen, wenn einem drinnen im Zollverein-Büro mangels Klimaanlage der Schweiß in Strömen den Nacken entlang rinnt. Und außer natürlich, man legt irgendwie gesteigerten Wert darauf, zumindest angelegentlich durchs Bürofenster das Geschehen da draußen vor der Tür beobachten zu können, denn durch Zollverein-Fenster kann man nicht gucken: Sie bestehen aus Drahtglas.

Zollverein aus der Luft

Zumindest sollten sie das, weil die gesamte Industrieanlage unter Denkmalschutz steht, und nach dem Denkmalschutzgesetz muss es im Falle einer Sanierung – sagen wir es hier mal in aller gebotenen Kürze – hinterher genauso aussehen wie vorher.

 

Folie macht jeden Durchblick unmöglich

Was uns wiederum zu Schacht II auf dem Zollverein-Areal führt, jenem stattlichen Gebäude an der Martin-Kremmer-Straße, das zusammen mit Schacht XII der Wetter- und Wasserhaltung unter Tage dient und deshalb noch unter den Fittichen der RAG steht. Diese nun hatte im Jahre 2008 die nicht gerade geringe Fensterfläche des Baus einer Sanierung unterzogen und dabei Klarglas-Fenster einsetzen lassen. Das bescherte Zollverein-Kennern wie -Neulingen manchen ungewohnten Einblick, kollidierte aber unzweifelhaft mit dem Vorschriften.

Und es fiel eines schönen Tages auf. Wem, darüber möchte die Bezirksregierung Düsseldorf als zuständige Denkmalbehörde nichts preisgeben, aber wer immer es war, er stieß auf verständige Gegenüber: Ein Versehen, so habe die RAG-Seite den Fenster-Fauxpas erklärt, man habe schlicht nicht gewusst, dass auch dieser Bau dem Denkmalschutz unterliege. So jedenfalls zitiert die Bezirksregierung die Missetäter, aber weil Unwissenheit nicht vor Denkmalschutz schützt, stand fortan die Frage im Raum, ob die RAG noch einmal jede Menge Kohle aufzuwenden hatte, um die quasi nagelneuen Fenster durch noch neuere, nun aber mit Drahtglas, zu ersetzen.

Man kann sich gut vorstellen, dass dies nicht nur bei der RAG so mancher für einen denkmalpflegerischen Treppenwitz gehalten hätte, über den nur der lachen kann, der ihn nicht bezahlen muss. Aber nach einigem Hin und Her, so bestätigte eine Sprecherin der Bezirksregierung der NRZ, fand sich ein Kompromiss, der dem Denkmal ebenso gerecht wird wie dem Gedanken der Wirtschaftlichkeit: Die Fenster an Schacht II werden samt und sonders mit einer Folie versehen, die jeden Durchblick unmöglich macht.

Essen aus der Luft

Sollte unsereins das irgendwann einem Franzosen erklären müssen – bitte dran denken: „folie“, das ist das französische Wort für „Wahnsinn“.

Wolfgang Kintscher

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Kommentare
30.09.2011
13:27
Bloß kein Durchblick
von Tommi70 | #11

Muss es bei denkmalgeschützten Bauten wirklich nach einer Sanierung genau so aussehen wie vorher, wie es im Artikel steht?

Hintergrund der Frage ist ein Wohnviertel in Dortmunds östlicher Innenstadt, das zu einem guten Teil Häuser hat, die denkmalgeschützt sind.

Dort wurden mal die Balkone saniert. Vor der Sanierung hatten die Balkone einen Sichtschutz nach links und nach rechts. Nach der Sanierung nicht mehr.

Dafür gab es nach der Sanierung einen Drohbrief der Wohnungsbaugesellschaft an die Mieter, auf ja keinen Fall unter keinen Umständen einen Sichtschutz anzubringen. Das ginge gegen den Denkmalschutz und würde schlimm bestraft werden.

Wie passt das zusammen?

30.09.2011
12:53
Bloß kein Durchblick
von kumpelanton | #10

Auch das Sonnenrad in der Kokerei hättet nach diesen Richtlinien nie gebaut werden dürfen.

30.09.2011
12:17
Bloß kein Durchblick
von Enterhaken | #9

Ich glaube, le (la? lu?) folie hat auch bei dem ein oder anderen Kommentator um sich gegriffen.
Der Artikel beschreibt doch herzhaft die Unfähigkeit der RAG als auch der zuständigen Denkmalbehörde(n) im Umgang mit einem Weltkulturerbe.

30.09.2011
11:47
Bloß kein Durchblick
von hofisch | #8

Und wer, bitte schön, kommt letztentlich für
die Kosten auf? Natürlich der Steuerzahler.

30.09.2011
11:12
Bloß kein Durchblick
von SoerenHL | #7

Auf Zollverein wurde im Bereich der Kokerei abgebrochen was das Zeug hält, die Kühltürme stehen weithin sichtbar nackt und durchsichtig in der Gegend herum und die Kohlenwäsche sieht auf dem Dach, mit dieser gigantischen Millionen-Rolltreppe, untenrum und vor allem innen kein bisschen mehr aus wie vorher. Aus Zollverein ist Disneyland geworden. Aber wegen ein paar blöden Fenstern, die dem interessierten Besucher zufällig sogar noch neue Einblicke in die Technik(!) dieses Technikdenkmals(!) ermöglichen, wird man plötzlich aktiv und veranstaltet so ein Theater. Das ist doch wirklich eine Provinzposse!

30.09.2011
09:32
Bloß kein Durchblick
von ibbessen | #6

....liebe Mitkommentatoren, ihre Einlassungen sind sicher teilweise richtig, aber es geht hier um ein Industriedenkmal, welches auch während der Nutzung optisch immer mal umgestaltet wurde und auch heute noch begrenzt in alter Tätigkeit steht. Es gibt viele verglaste Industriebauteile, wo patchwork-artig verschiedene Arten eingebaut sind. Aber gerade um dieses Denkmal anschaulich und begreifbar zu machen ist doch die Fassade, wenn sie durchsichtig ist durchaus positiv zu sehen.
Ich glaube ausserdem, ob reicher Eigentümer oder nicht, dass der Satz - Eigentum verpflichtet - irgendwann an seine Grenzen stößt. Es wurde auf dem Gelände viel getan, aber es geht hier nicht um eine alte Windmühle....oder um einen alten Gasthof...
P.S.... es ist sicher Frau V. aufgefallen, die heimliche Chefin im Bereich des Essener, die Denkmalschutzes.... die allerdings Probleme hat Kunstsoff-Quasthaare im Putz von Tierhaaren zu unterscheiden...

30.09.2011
07:54
Bloß kein Durchblick
von tho_mse | #5

Es ist schon erstaunlich, dass die RAG angeblich nicht wusste (oder wissen wollte), dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Die können froh sein, dass nicht andere Baumaßnahmen unternommen wurden die den Regeln des Denkmalschutzes widersprechen.

Ob es Sinnvoll ist oder nicht ist eine andere Diskussion, aber Gesetz ist Gesetzt, und an die Regeln hat sich auch die RAG zu halten. Da helfen auch keine bissigen Kommentare.

29.09.2011
23:22
Blockierter Kommentar.
von osis | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.09.2011
21:20
Bloß kein Durchblick
von schriftsetzer | #3

#1
Ich stimme Ihnen vorbehaltlos in allen Punkten zu! Mir ist auch unverständlich, wie man als Bauherr - hier: die RAG - sich nicht im Vorfeld schlau machen kann, was geht und was nicht. Denn das dass Gebäude auf dem Areal des Weltkulturerbes steht, dürfte doch auch dort mittlerweile bekannt sein... ;-)

29.09.2011
21:16
Bloß kein Durchblick
von Sternenpaule | #2

Bunte Kunstwerke sind schöner.

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