Denkmalschutz für Essener Grugabad ist nicht willkommen

Das Wellenbad ist einer der größten Sanierungsfälle im Grugabad.  Denise und Rebecca (v.l.) konnten es noch genießen.
Das Wellenbad ist einer der größten Sanierungsfälle im Grugabad. Denise und Rebecca (v.l.) konnten es noch genießen.
Foto: WAZ FotoPool
Politiker vor Ort sprechen sich einheitlich für den Erhalt des Grugabades in seinen jetzigen Abmessungen aus. Die Denkmal-Diskussion sehen viele aber kritisch. Entscheidung Mitte Juni.

Essen-Rüttenscheid.. „Das Grugabad muss in seiner aktuellen Ausdehnung erhalten bleiben!“: Geschlossen und ziemlich energisch reagierte nun die Bezirksvertretung (BV) II auf die Schließungs-Diskussion der vergangenen Wochen. Weniger eins sind die Politiker in der Frage, das Bad unter Denkmalschutz zu stellen. CDU, Grüne, EBB und FDP äußerten Bedenken zum Vorhaben des Essener Denkmalamtes und des Landschaftsverbandes Rheinland. Die Ortspolitiker wollen sich für ein endgültiges Votum vorab informieren. Mitreden können sie dann nur noch, wenn der Planungsausschuss seine Entscheidung Mitte Juni verschiebt.

„Der Denkmalschutz wird der Tod des Grugabades. Wenn dies passiert, dann ist es in fünf Jahren zu.“ Paradox klingt die Argumentation von CDU-Sprecher Heinz-Leo Draese, dass gerade der Vorstoß, der das Essener Traditionsbad ein für allemal zementieren soll, es mittelfristig versenkt. Draese führte in der vergangenen Sitzung der BV II aus: „Im Bad haben wir einen Sanierungsrückstand von 15 Millionen Euro, die auch in den kommenden Jahren nicht da sein werden. Können wir nicht Stück für Stück sanieren, und etwa wie im Fall des Dellwiger Freibades Hesse auch verändern oder verkleinern, wird im Grugabad gar nichts mehr passieren“, prognostizierte Draese. Er spielt darauf an, dass Denkmalschutz nicht bedeutet, dass man als Eigentümer dies Denkmal auch erhalten muss.

SPD mahnt Politik und Stadt zur Pflicht zur Daseinsvorsorge

Finanzen Derart düster waren die Prognosen der anderen Bezirksvertreter, denen der Denkmalschutz ebenfalls Bauchschmerzen bereitet, nicht. Einig ist man sich allerdings in einem Punkt: Der Denkmalschutz dürfe nicht alles zukünftige Handeln verhindern, dass möglicherweise auf eine Änderung der Badstruktur abzielt. „Wir vergeben uns sonst sämtliche Möglichkeiten einer Entwicklung“, kommentierte Falk Thorsten Grünebaum (FDP). Auch Elke Zeeb (Grüne) will eine andere Ausgestaltung nicht per se verhindern: „Etwa mit einer Kuppel über dem Hauptbecken, womit man die Essener Sportlandschaft zusätzlich entlasten könnte“, sagte sie. Die Grüne gab den Anstoß, sich vor einem Votum noch einmal präzise informieren zu lassen, was der Denkmalschutz noch zuließe.

Anderer Meinung war SPD-Sprecher Peter Lankes – die rot-rot-grüne Fraktion hatte ihren Fraktionszwang ausgesetzt: „Wir stecken jedes Jahr 17 Millionen Euro in die Messe, warum nicht ein Mal 15 Millionen ins Grugabad? Die Alternative wäre, dass nicht allzu fern Begehrlichkeiten über die 60.000-Bad-Quadratmeter geäußert werden, die man noch vermarkten könnte“, so Lankes. Er erinnerte an den Auftrag von Politik und Stadt, die öffentliche Daseinsvorsorge auch für sozial Schwächere nicht ständig „auszubeinen“. Das Zahlenwerk im Gutachten von Rödl & Partner, sie hatten mit dem Schließungs-Vorschlag Wellen der Empörung geschlagen, kommentierte er: „In ganz Deutschland gibt es nicht ein Schwimmbad, das kostendeckend arbeitet.“