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„Demokratie lebt von Diskussion“

23.01.2015 | 00:11 Uhr
„Demokratie lebt von Diskussion“

Das Wort „Parteifreunde“ kommt ohne ironischen Unterton kaum noch aus, weil der Streit innerhalb einer Partei oft unversöhnlicher ist als zwischen gegnerischen Parteien. In der Essener SPD lässt sich das derzeit besichtigen, aber auch bei CDU, Grünen, FDP oder Linken ist das Phänomen alles andere als unbekannt. Derzeit streiten sich aber eben die Sozialdemokraten leidenschaftlich darüber, ob Reinhard Paß für die OB-Wahl am 14. September noch einmal aufgestellt oder durch die Kandidatin Angelika Kordfelder ersetzt wird. Die Wogen gehen hoch, selbst persönliche Verletzungen kommen vor. Die Bürger, die wir befragt haben, sehen das sehr viel unaufgeregter. Ein Stimmungsbild.

Vom OB bin ich enttäuscht

„Ich muss sagen, vom Oberbürgermeister Reinhard Paß bin ich enttäuscht. Insofern ist es völlig in Ordnung, dass die SPD noch eine weitere Kandidatin ins Gespräch gebracht hat. Das ist ja auch ein Ausdruck unserer Demokratie. Ob ich im September zur Wahl gehe, weiß ich allerdings noch nicht. Ich bin ein wenig politikverdrossen, auch weil ich das Gemauschel bei den Stadtoberen - wie das zum Beispiel die EBE-Affäre gezeigt hat - nicht ertragen kann. Leider ist das nichts Neues in der Politik.“
Heinz-D. Stachowiak, Altenessen

Fünf Jahre im Amt reichen

„Ich finde, Frau Kordfelder sollte den Mitgliederentscheid gewinnen, die Herausforderung annehmen und unsere neue Oberbürgermeisterin werden. Zu ihr hätte ich mehr Vertrauen als zu unserem derzeitigen OB: Die Querelen um die Entsorgungsbetriebe und wie Paß damit umgegangen ist, fand ich jetzt nicht besonders professionell. Außerdem war Reinhard Paß fünf Jahre lang Oberbürgermeister, das reicht.“
Jörg Lund, Steele

Streit intern regeln

„Dass die SPD eine Gegenkandidatin aufgestellt hat, tut meiner Meinung nach der Partei nicht gut und schmälert die Chancen, dass die Sozialdemokraten auch den nächsten Oberbürgermeister bzw. Oberbürgermeisterin stellen. Querelen und Kritik sollten intern geregelt und nicht in der Öffentlichkeit breit getreten werden. Nachvollziehen kann ich das nicht: Ich finde, dass Reinhard Paß einen guten Job gemacht hat. Nur weil er nicht so medienwirksam ‘rüberkommt, ist das kein Grund, ihn zu demontieren.“ Martin Reinartz, Altenessen

Hoffen auf weiblichen Blick

„Rein gefühlsmäßig würde ich mich freuen, wenn Angelika Kordfelder bei dem Mitglieder-Entscheid die Nase vorne hätte. Meine Hoffnung ist, dass sie vielleicht eine andere Herangehensweise an die Probleme hat, die unsere Stadt betreffen. Manchmal ist der weibliche Blick der bessere. Entgegen mancher Meinung finde ich es übrigens nicht schlimm, dass die SPD zwei mögliche Oberbürgermeister-Kandidaten hat. Es spricht eher für die Partei, dass sie darüber diskutiert und entscheidet.“
Erich Böttcher, Borbeck

OB-Job ganz gut gemacht

„Ich finde es sehr gut, dass die Essener SPD darüber entscheidet, wer ihr nächster OB-Kandidat wird. Dafür müssen sich beide Kandidaten im Vorfeld kritischen Fragen innerhalb der Partei stellen; auch das kann doch nur von Vorteil sein. Damit zeigt die SPD, dass sie auch selbstkritisch ist. Schließlich hat sie Reinhard Paß vor fünf Jahren unterstützt. Meiner Meinung nach hat er seinen Job bislang ganz gut gemacht - in einer Stadt, die sich so wenig leisten kann und finanziell mit dem Rücken zur Wand steht.“
Deborah Reuter, Südviertel

Der Bessere möge gewinnen

„Für mich hat Oberbürgermeister Paß in den vergangenen fünf Jahren gute Arbeit geleistet; er hat seine klare Linie, auch wenn er vielleicht dem ein oder anderen etwas zu trocken und zu wenig charismatisch ist. Dass er sich jetzt mit einer weiteren möglichen Kandidatin messen muss, ist gar nicht schlimm. So kann jeder sich und sein Programm den SPD-Mitgliedern vorstellen, muss Farbe bekennen. Das belebt das Geschäft. Wer die besseren Argumente hat, soll dann auch gewinnen.“
Christel Uhlenbruch, Huttrop

Bin schon sehr gespannt

„Eine Kandidatenkür bei der SPD finde ich eigentlich gar nicht so verkehrt. Ich bin sehr gespannt, wie sie ausgehen wird und ob nur der Bekanntheitsgrad zählt oder die Performance und Inhalte wichtiger sind. Ich hoffe sehr, dass die SPD-Mitglieder die richtige Wahl für unsere Stadt treffen und dann auch fest hinter ihrem Kandidaten stehen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich im September schon wählen gehen darf. Ich bin erst 17.“
Juliana Tott, Holsterhausen
(Sie darf: Bei Kommunalwahlen gilt ein Mindestalter von 16 Jahren für das aktive Wahlrecht, d. Red.)

Ein wenig infrage stellen

„Grundsätzlich ist es in einer Demokratie ein gutes Zeichen, wenn eine Partei diskussionsfreudig ist und für so ein wichtiges Amt wie das des Oberbürgermeisters auch ruhig mal zwei Kandidaten hat. So müssen sich die Parteimitglieder mit den beiden Kandidaten im Vorfeld austauschen, Argumente Für und Widern sammeln und sich dabei vielleicht auch immer wieder ein wenig infrage stellen.“
Sebastian Nows, Heisingen

Vera Eckhardt

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„Demokratie lebt von Diskussion“
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2015-01-23 00:11
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